Am längeren Hebel #40: NSA Stuttgart

14. Spieltag – so richtig schlau werde ich nicht aus der Dritten Liga. Vielleicht habe ich auch gar keine Ahnung von dem Sport, aber beim Blick auf die Tabelle muss ich immer noch kurz schlucken. Im unteren Drittel stehen zwei bis drei Teams, die ich ans andere Ende prognostiziert hatte. Und oben? Darmstadt, Unterhaching und Stuttgart II. Hätte mir das mal einer vor der Saison auf den Wettschein geschrieben. Jetzt wisst ihr auch, warum Wetten beim Spiel keine Option für mich ist. Einzig auf Heidenheim ist Verlass… Und damit, liebe Leser (und liebe NSA), herzlich Willkommen zu „Am Längeren Hebel“.

Mein besonderer Dank gilt in dieser Kolumne RBL-Trainer Alexander Zorniger zwecks lobender Erwähnung: "Wir waren gegen Chemnitz relativ weit weg von der Art Fußball zu spielen, die wir uns vorstellen. Wir haben der Mannschaft die Gründe dafür gezeigt bzw. erklärt und die verschiedenen Hebel in den Trainingseinheiten angesetzt. Das betrifft vor allem das Zweikampfverhalten und das Passspiel. (…). Wir wollen den Hebel wieder ansetzen" Mache ich für Sie, Herr Zorniger. Und ab dafür…

Eiskalter Engel

Das Wiederholungsspiel findet nicht statt. Halleluja. Ich wiederhole mich aber, denn das muss ich! Einer lässt mir keine Wahl. Damit meine ich im Übrigen nicht meinen Redaktions-Kollegen Frank Leber, der mir nur noch drei Worte schreibt, wenn ich nach Vorkommnissen frage. Nein, gemeint ist Dominik Stroh-Engel, der Gewinner des Spieltages. Drei Treffer gegen Preußen Münster. Und auch hier eine Wiederholung: schon wieder 0:4, oder 4:0 – insgesamt das dritte Mal in Folge. Die ersten beiden Male noch zugunsten der Preußen, diesmal Vorteil Darmstadt. Und damit zurück zu Stroh-Engel. Männer lügen, Frauen auch – aber niemals Zahlen. Hier ein paar engelsgleiche: 13 Spiele, 14 Tore, 6 Vorlagen. Unwiderstehlich und eiskalt vom Elfmeterpunkt. Insgesamt der sechste Treffer aus  10,985 Metern. Der 27-Jährige braucht in dieser Saison im Schnitt 81 Minuten für ein Tor. Hoffentlich, aus Sicht des SV Darmstadt 98, hat der Mann zusätzlich keine pro-Tor-Klausel im Vertrag. Eins ist sicher: die zwei vor der Liga wenn der so weiterknipst. Ganz großes Kino.

1.FC Saarbrücken vs. NSA Stuttgart

Ich verstehe nicht wo die Häme für Milan Sasic herkommt. In Zeiten, in denen das Handy der Kanzlerin abgehört wird muss man vorsichtig sein. Zur Erklärung: Sasic hatte einen Zuschauer – Gesicht nicht in der Akte des 1.FCS  vorhanden – vom Trainingsgelände verbannen lassen. Das Verdachtsmoment besagte, es könne sich um einen Spitzel der Stuttgarter Kickers handeln. Kiebitz Undercover. Der Gast aber konterte geschickt und zückte einen Ausweis, der seine Saarbrücker Herkunft bewies. Er durfte bleiben. Chapeau Stuttgarter Kickers. Eines liegt doch auf der Hand: Der Ausweis ist gefälscht. Die Kickers haben bestimmt im Vorfeld der Partie an präparierte Papiere und Rufumleitungen gedacht. Klug, diese Kickers, aber leider: verloren. Die Saarbrücker ihrerseits waren nämlich einen Schritt voraus. Lionel Messi, getarnt als Marcel Ziemer, traf aus 15 Metern. Die Führung besorgte Julian Leist, der so viel Angst hatte, dass er ins eigene Tor köpfte. Phillipp Hoffmann muss schon vorher erfahren haben, wohin der Ball in der 59. Minute kam. Bestimmt ein weiterer Spitzel. Respekt Milan Sasic. Häme völlig unangebracht. Und Anrufe abhören völlig zwecklos. Sasic ist immer einen Schritt voraus. Ich wollte ihn zur Situation befragen, aber nicht einmal die NSA hat seine Telefonnummer…

Ein Herz für Kinder, keinen Scheck

Ich weiß nicht, wen ich als Verlierer des Spieltages nennen soll, was nicht an einem Mangel der Alternativen liegt. Ein Thema ist mir aber fast noch wichtiger: Fredi Bobic hat sich betreffend unsere Liga zu Wort gemeldet – zumindest am Rande betreffend. Streitpunkt Kinder. RB Leipzig hatte wohl versucht die die beiden Stuttgarter U-13-Spieler Luca Piljek und Melvin Ramusovic zu verpflichten. Alter: Zwölf. Bobic war darüber „not amused“. "Es geht um Zwölfjährige, die hier abgeworben werden sollen. Es ist absolut unverantwortlich, Kinder in diesem Alter ohne Not aus ihrer gewohnten Umgebung zu reißen", sagte der VfB-Sportdirektor der "Bild"-Zeitung. RB Leipzig, nicht für teure Transfers bekannt, weiß davon nichts. Die Beiden wollten nur ihren ehemaligen Trainer in den Herbstferien besuchen kommen. Achso, na dann. Und Bischof Tebartz van Elst reist Touristenklasse…

Fredi Bobic scheint dabei auch vergessen zu haben, dass es gar nicht so lange her ist, da hat er noch bei Eintracht Frankfurt gewildert. Ein Satz dazu: Ich verweigere mich sicher nicht den Mechanismen des Geschäftes und weiß, dass Geld am Ende immer entscheidet, aber die Jungs sind Kinder. KINDER. Der Verlierer des Spieltages ist somit vielleicht die immer perverser anmutende Leistungsgesellschaft. Das sei an der Stelle deutlich gesagt:  Nicht (nur) RB Leipzig, denn das gibt es (fast) allerorts. Auch hier könnt ihr sicher bei der NSA nachfragen, nicht bei den Politikern, denn die wissen von nichts. Ausnahmsweise heute kein zusammenfassender Endgedanke. Ich überlasse euch heute einmal den Gedanken, mit der Bitte um Reflexion.

„stay tuned“ und eine reflektierte Woche

Uli Hebel

FOTO: Sven Rech

   
Back to top button