Am längeren Hebel #38: 100 Tage Dritte Liga

In der Wirtschaft zieht man Bilanz nach 100 Tagen, inzwischen auch in der Politik. Selbst der Papst lässt sich inzwischen nach dieser Zeit messen – muss er wohl. Und Guardiola, bei dem man manchmal auch das Gefühl vermittelt bekommt, dass er wohl der Papst sein muss. Wir bei liga3-online.de sind aber anders. Wir lassen uns nicht solange Zeit und nehmen die Länderspielpause als Anlass. Am längeren Hebel setzt den Hebel an, nach genau 12 Spielen. Obwohl so weit weg, sind wir auch nicht mehr von der 100…

Sein Name ist Engel, Stroh-Engel

Ja ja liebe Redaktion, ich weiß, langsam wird es Zeit. Gewinner des Spieltages, Sieger der bisherigen Saison, Trainer der bisherigen Saison, Top-Torjäger, Top-Vorlagengeber, Top-Scorer – sie alle finden wir bei einem Team. Und diese Geschichte ist eine dieser, die nur und zwar nur der Fußball schreiben kann. SV Darmstadt 98, letztes Jahr sportlich eigentlich abgestiegen, belegt den zweiten Platz der Tabelle. Mit 22 Punkten. Dazu Favres Borussia Mönchengladbach aus dem DFB- Pokal gekickt, gegen Schalke lange mitgehalten. Ausgerechnet dem ehemaligen Rivalen Kickers Offenbach verdankt man den Startplatz in der Liga. Die Kickers haben keine Lizenz bekommen. Einem Torjäger sagt man Killerinstinkt nach, demnach hat Stroh-Engel die Lizenz zum Töten. Ausgerechnet das Manko der letzten Spielzeit ist die Stärke dieser. So verrückt kann Fußball sein.

Die Bilanz von Dominik Stroh-Engel ist, wie Teile seines Nachnamen,  nicht von dieser Welt. Mit einem Wort: Überragend. Elf Tore, sechs Vorlagen – das gibt 17 Scorerpunkte und sagenhafte 85 Prozent Torbeteiligung. Fünfundachtzig! Fragt mal in Rostock an, denen hat er am zehnten Spieltag vier Stück eingeschenkt. So komm ich vom Papst zum Engel, zum Stroh-Engel. Mehr der dummen Wortspiele schenke ich Euch, sonst ist meine Redaktion böse. Ich bin dann jetzt auch fertig mit der Hommage an die Lilien. Naja fast: Kompliment an Dirk Schuster – ich ziehe sämtliche Hüte die ich mir extra aufsetze.

Bye Bye Gerd

Verlierer des Spieltages ist der Chemnitzer FC – und das gleich doppelt. 0:4 gegen Preußen Münster. Nicht so sehr das Ergebnis ist erschreckend (und damit merkt ihr schon, wie angespannt die Lage ist). Die Art und Weise macht´s. Und die hat letztlich auch Gerd Schädlich dazu bewogen, den Hut an den Nagel zu hängen. Soviel ist geschrieben worden – negatives, teils auch positives, aber vieles wird dabei vergessen. Mit über fünf Jahren Amtszeit ist Schädlich der Trainer mit der längsten Dienstzeit bei den Himmelblauen, noch vor einem gewissen Hans Meyer. Gerade im Osten ist „der Alte“ eine Legende, unvergessen seine Ära bei Erzgebirge Aue. Und nun ist er also weg – und weiß nicht, ob er jemals wieder als Trainer arbeiten wird. Eines ist klar und das möchte ich keinesfalls weglassen. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, ist der Trainer in der Verantwortung. Dann wird Fußball undankbar. Und die Tatsache, dass Schädlich vielleicht nicht der modernste Fußballlehrer der Welt ist, halten sich hartnäckig – dies alles möchte ich aber nicht bewerten. Im Übrigen: ich glaube nicht, dass ein Spieler vom CFC gegen Schädlich gespielt hat – das sind Profis. Ich werde nicht müde zu sagen, dass kein Fußballspieler gerne verliert. Eine andere Aussage kann nur von einem Laien kommen.

Quick Check: die ersten Zwölf

 So nun aber die Saison im Schnelldurchlauf. Ihr alle wisst, dass es nicht klug ist, nach so kurzer Zeit Dinge vollends zu bewerten. Zumal die Redakteure das einzeln tun, bzw. tun werden. Aber so ein Querdurchgang schadet ja nicht: Here weg go: Enttäuschend sind vor allem Münster und Chemnitz. Beide sind, auch von mir, vor der Saison als Aufstiegsaspiranten genannt worden. Was dabei herum kam, ist ebenso bekannt wie enttäuschend – und kostete uns zwei Trainer. Hansa Rostock, Absteiger Jahn Regenburg und der SV Wacker komplettieren meine Enttäuschungen. Gerade der SVW war nach der letzten starken Spielzeit extrem enttäuschend.

Top sind neben den mehrfach gehuldigten Lilien der 1.FC Heidenheim und auch Holstein Kiel, die nach dem anfänglichen Run zurück in der Realität sind. Die SpVgg Unterhaching stellt für mich aber die größte Überraschung dar: Die Jungs spielen einen klasse Ball. Und Jungs ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Die Mannschaft ist, fast schon traditionell, neu und jung besetzt. Und trotzdem sieht das gespielte System sehr gelungen aus, mal wieder. Irgendetwas machen die richtig, in der Münchner Vorstadt.

Das war es auch schon wieder von 100 Tage Dritte Liga, alias „Am Längeren Hebel“. Nächste Woche, wenn die Nationalmannschaften spielen, wird an meiner Stelle ein ganz besonderer Gast übernehmen. Ich freue mich darauf, ich hoffe ihr auch.

 

„stay tuned“ und eine erholsame Länderspielpause

Uli Hebel

Folgt ihm auf Twitter: @ulihebel

   
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