Am längeren Hebel #30: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

„Und Pokal auch…“. Ich bediene mich dieses genialen Zitats von Einem, der in Sachen Pokalen weiß, was die Uhr geschlagen hat. Dante Bonfim Costa Santos, kurz Dante landete in den Charts und in den Herzen der Fans. Herz ist auch das Stichwort, denn ein schwaches durfte man so mancher Orts nicht haben an diesem Pokal-Wochenende. Insgesamt acht Mannschaften vertraten unsere Liga im DFB-Pokal Wettbewerb. Man muss jetzt dazu sagen, das sind rekordverdächtig wenige, aber: Die, die dabei waren hielten die Flagge ehrenwert hoch. Und gewechselt wurde dann ja auch noch.

4 aus 8

Acht Mannschaften traten an. Vier davon kamen weiter. 6 aus 49 klingt schöner, aber Profi-Fußball ist ja kein Lotto. Und auch die Mannschaften die ausgeschieden sind, waren knapp dran. Heidenheim erwischte es erst im Elfmeterschießen gegen die Zweitligisten von 1860 München. Es lag etwas Großes in der Luft, als Göhlert zum 1:1 einköpfte. Wir schrieben Minute 90+1, wie man das so korrekt formulieren muss. In Rain-Main-Manier hielt Trainer Schmidt den Kopf schief, als er zum Mannschaftskreis bat. Im Elfmeterschießen fehlte dann ein wenig Glück und eine Schlabberhose, die zwei Nummern zu groß ist. Duisburg und Regensburg verloren jeweils knapp mit nur einem Tor. Beim MSV war es ein Doppelschlag, der die Vorentscheidung nach einer halben Stunde brachte. Der Jahn verlor trotz eines tollen Spiels mit vielen guten Chancen auch knapp. OK, RB Leipzig gegen den Erstligisten aus Augsburg war eine klare Sache. Zu keinem Zeitpunkt verlor der FCA den Sieg außer Reichweite.

Nun aber zu erfreulicherem. Preußen Münster wusste gegen St. Pauli zu gefallen und zieht damit in die 2.Hauptrunde ein. Sensation? Nein, dafür waren die Münsteraner einfach zu spielbestimmend. Darmstadt bezwang im Elfmeter-Krimi die hochgehandelte Borussia aus Mönchengladbach. Insbesondere die Innenverteidigung der „Lilien“ stach mir ins Auge. Ach quatsch, die ganze Mannschaft. Gleiches gilt auch für den 1.FC Saarbrücken. Unter der Woche hatte ich mich noch sehr kritisch geäußert. Die Saarbrücker vermasselten Robin Dutt ordentlich das Debüt und zeigten nicht nur mehr Elan als die prominenten Bremer um Marko Arnautovic. Das konnte sich sehen lassen. Die Krone hat allerdings der VfL Osnabrück. Die mähten am Freitag einfach mal den Zweitligisten Erzgebirge Aue mit 3:0 aus dem Stadion. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Automatismen bei einer relativ neuen Truppe eigentlich noch gar nicht greifen können. Eigentlich…

Alte Liebe rostet nicht

Was machen unsere Ehemaligen? Bielefeld rasierte den Erstliga-Aufsteiger Braunschweig und Manuel Riemann (SV Sandhausen) avancierte einmal mehr in seiner Karriere zum Elfmeter-Held. Ok, das erste Mal hatte der Titan und sein FC Bayern das glücklichere Händchen, aber gegen Nürnberg war es der Moment der Manuel Riemann. Er hält den entscheiden Elfmeter und dürfte der Publikumsliebling in Sandhausen sein. So etwas, meine lieben Leser, gibt es nur im Fußball. Und Pokal auch. Über den KSC hüllen wir den Mantel des Schweigens, sonst versauen die mir das Bild.

 Der Rohracker-Deal

Sonntagabend, Facebook. Dominik Rohracker: „Das Kapitel Unterhaching findet ein Ende.“, postete der (ehemalige) Spieler der SpVgg Unterhaching. Es zieht ihn zum Aufsteiger nach Elversberg. Zunächst war mir nicht ganz klar, weshalb. Aber wie es manchmal ist: Es passt nicht mehr und beide Parteien gehen ihren Weg. Schon vor der Saison habe ich nicht verstanden, warum Rohracker weder einer der Hachinger Kapitäne war, noch in den Mannschaftsrat gewählt wurde. Rohracker spielte eine gute Saison, mehr noch, eine überragende Hinrunde. Mit dem Abgang von Niederlechner zu Heidenheim fehlte dem Kreativspieler ein kongenialer Partner in der Offensive. Rohracker ist ein Spieler den ich sehr schätze, ob seines Spielwitzes. Klar, für Drittliga-Verhältnisse ist er eher unorthodox. Ein kleiner, schmächtiger Spieler, der über seine Technik kommt. Aber er ist ein sehr giftiger und schneller Spieler und hat etwas ganz Besonderes. Das Spiel Eins gegen Eins. Da ist er stark und eine Waffe – glaubt mir: Ich weiß, wovon ich spreche. Sei es wie es sei: Der SV Elversberg wird sich freuen. Und ich mich auch denn: solche Spieler braucht die Liga – und Pokal auch.

Damit sind wir auch schon wieder am Ende für diese Woche. Samstag erfahren wir, wen unsere Teams im Pokal ziehen. Ich hätte da ja so meine Wunschpartien, die ich aber angesichts des Fiaskos meiner Tipprunden im letzten Jahr lieber für mich behalte. Road to Berlin, Akt. Nr.2, also – Samstag, in diesem Theater. Enden möchte ich, wie ich angefangen habe, auch wenn es semantisch völliger Humbug ist: „Und Pokal auch…“ Danke lieber Dante.

„stay tuned“ und eine wechselhafte Woche

 

Uli Hebel

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FOTO: Flohre Fotografie

   
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