Alles, was ihr zum 27. Spieltag wissen müsst

Zwölf Spieltage (nur) noch bis zum Saisonende – jetzt kommt es auf die Endspurt-Tauglichkeit der Drittligisten an. Immerhin vier direkte Duelle spielen sich nun in den Top10 ab, zugleich kommt es mit der Paarung Halle gegen Lübeck auch zu einem klassischen Sechs-Punkte-Match im Abstiegskampf. Und am 27. Spieltag steht ja noch einiges mehr auf dem Programm. Unsere Vorschau.

Die Ausgangslage

Wir haben es mit gleich einigen Teams der Stunde zu tun. Der SV Sandhausen gehört fraglos dazu, nachdem er Historisches schaffte und ein 0:3 gegen Regensburg in ein 6:3 drehte – das gab es in der 3. Liga noch nie. Preußen Münster zieht allerdings munter mit, spielt derzeit wie berauscht und klettert folglich in der Tabelle empor. Und auch der 1. FC Saarbrücken, von einigen Spielabsagen immer wieder im Rhythmus gestört, ist nach dem Derbysieg in Mannheim und dem 5:2 in Köln so richtig warmgelaufen. Von Aue, Dortmund II, 1860 München und dem SSV Ulm 1846 haben wir da noch gar nicht gesprochen – es ist schon auffällig, wie klar sich die 3. Liga derzeit in die Formstarken und die Formschwachen teilt.

Zu denen zählen auch Halle und Lübeck, speziell der VfB und sein Coach Florian Schnorrenberg müssen bei dessen Rückkehr an alte Wirkungsstätte punkten – am besten dreifach. Bei Waldhof Mannheim ist der Trainereffekt verpufft, das Gastspiel beim zuletzt mal wieder siegreichen Schlusslicht Freiburg II klar mit einem Siegesauftrag versehen. Und ja, auch die Aufstiegsanwärter Dresden und Regensburg laufen ihrer Topform derzeit hinterher. Die Topduelle SGD versus Rot-Weiss Essen und Jahn versus Erzgebirge Aue werden umso prickelnder, als dass die Gastmannschaften eine ordentliche Chance wittern dürfen.

 

Fünf Spiele im Fokus

Springen die Zebras auf Platz 16? Preußen Münster gegen den MSV Duisburg

Das hätte vor zwei Wochen niemand für möglich gehalten. Doch im Fußball kann es eben so schnell gehen: Die Konkurrenz patzt, der MSV Duisburg holte zwei Siege in Serie aus dem Feuer – und hat den Rückstand aufs rettende Ufer von acht auf zwei Punkte reduziert. Plötzlich liest sich die Tabelle ganz anders, und am Freitagabend wartet eine riesige Chance für Boris Schommers und Co., die Konkurrenz so richtig unter Druck zu setzen und über Nacht auf Platz 16 zu springen.

Kleines Problem: der Gegner. Denn die Preußen surfen eine mächtige Euphoriewelle, das Stadion ist mit gut 12.000 Zuschauern längst ausverkauft. Das Hinspiel – ein müdes 0:0 mit Vorteilen für Duisburg – war ein Tag, für den der Sportclub noch Wiedergutmachung zeigen möchte. Aufgepasst werden sollte auf die Spieler der Stunde: Stürmer Joel Grodowski könnte für die Adler, Linksaußen Niklas Kölle für die Zebras den Unterschied machen. Beide sind in bestechender Form.

Spitzenspiel mit Dynamo-Druck: Dynamo Dresden gegen Rot-Weiss Essen

Auch wenn das Verfolgerduell gegen Ulm mit 0:2 verloren ging: In Essen greift die Euphorie um sich. 2.500 Karten hat RWE für das Spiel in Dresden und damit eine Reise quer durch Deutschland abgesetzt – das ist genauso bundesligatauglich wie die Gesamtkulisse von wohl 30.000 Zuschauern, die den bestmöglichen Rahmen bieten werden. Halten die Teams da mit? Bei Dynamo hängt der Haussegen in Schräglage, denn die Derby-Pleite in Aue (1:2) dürfte auch dem letzten Fußballfan gezeigt haben, wie verwundbar der Topfavorit ist. Neun Saisonniederlagen!

Aufstiegsverdächtig ist dieser Wert nun wirklich nicht. Fehlen wird mindestens je ein Abwehrspieler pro Team: Lars Bünning (SGD) und Jose Rios Alonso (Essen) sind gesperrt. Bei Dynamo droht ein Engpass, weil zuletzt auch Kevin Ehlers und Tobias Kraulich angeschlagen waren. Essen muss dazu nochmals auf den erkrankten Kapitän Vinko Sapina verzichten. Die Frage lautet also auch: Wer kann die Ausfälle besser verkraften?

Spitzenreiter in Problemen? Jahn Regensburg gegen Erzgebirge Aue

Auch eine Mannschaft, die zehn Spiele in Serie gewinnen kann, ist in der 3. Liga nicht automatisch aufstiegsberechtigt. Jahn Regensburg muss die Kurve kriegen, nachdem es nun gegen Essen (1:3) und in Sandhausen (3:6) satte neun Gegentore binnen 180 Minuten hagelte. Der Titel der besten Defensive der Liga ist von der bayrischen Donau nach Unterhaching weitergezogen, auch die Tabellenführung könnte der SSV bald verlieren.

Gegner Aue kommt mit einem tollen Jahresstart samt Derbysieg über Dynamo, hat allerdings schwere Personalprobleme: Niko Vukancic, Linus Rosenlöcher und Maximilian Thiel fehlen verletzt, Omar Sijaric und Derbyheld Tim Danhof gesperrt. Gelänge der Coup beim Ersten, wären Pavel Dotchev und seine Veilchen aber nachdrücklich wieder angemeldet im Kampf um die ersten drei Plätze.

Das "Gnadenlose" wird bekämpft: Hallescher FC gegen den VfB Lübeck

"Aktuell ist der Fußball gnadenlos zu uns", sagte HFC-Trainer Sreto Ristic nach der jüngsten 0:1-Niederlage bei 1860 München. Endlich stimmte die Defensivleistung mal, aber ein Traumtor – auch noch vom gebürtigen Hallenser Julian Guttau – besiegelte das nächste Negativerlebnis. Mit nur einem Punkt aus fünf Spielen seit dem Auswärtserfolg in Duisburg (23. Januar), der sich etliche Monate entfernt anfühlt, tritt am Sonntagmittag ein Krisenteam an. Korrigiere: zwei Krisenteams.

Denn der VfB Lübeck kassierte auf das 2:7 in Dresden noch ein 0:3 daheim gegen Münster – eine zwar weniger deutliche Pleite, dafür waren die Nordlichter zuhause völlig chancenlos. Florian Schnorrenberg gelang mit Halle 2020 der Klassenerhalt, nun muss das Gleiche mit Lübeck schaffen. Es gibt leichtere Aufgaben – und eine Niederlage, gleichbedeutend mit dann sechs Zählern Rückstand auf Platz 16, wäre ein herber Schlag. Einer der fünf Ex-Hallenser im Kader, Sören Reddemann, muss gesperrt aussetzen.

Unangenehme Pflichtaufgabe: SC Freiburg II gegen den SV Waldhof Mannheim

Ja, die Freiburger Reserve war in Überzahl zuletzt völlig überraschend siegreich in Ingolstadt. Und ja, dennoch ist diese Aufgabe eine, die mit dem "Pflicht"-Zusatz versehen ist – auch für Waldhof Mannheim. Vier (!) Punkte hat Freiburg aus zwölf Spielen im Dreisamstadion nur sammeln können, ist immer noch ohne jeden Heimsieg und damit auf bestem Weg zur wohl schlechtesten Heimbilanz der Drittliga-Geschichte.

Nun kommt allerdings der Waldhof, chronisch auswärtsschwach seit Jahren und in diesem Jahr erneut Letzter der dazugehörigen Tabelle. Alles also angerichtet für einen Grusel-Kick? Marco Antwerpen wirkte als SVW-Trainer zuletzt jedenfalls schon durchaus ernüchtert, welch niedriges sportliches Niveau er vorgefunden hat. Die "schwierigste Station meiner Trainerkarriere" muss er lösen – und die Stimmung nach der Derbyniederlage gegen Saarbrücken (0:2) ins Positive kippen lassen. Was nur mit einem Auswärtssieg gelingen wird.

   
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