Alles, was ihr zum 15. Spieltag wissen müsst

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© imago/Eibner

Allmählich biegt die 3. Liga bereits auf die Zielgerade der Hinserie ein. Ging fix, oder? Allerdings bremst den Spielfluss die nächste Länderspielpause aus, am übernächsten Wochenende wird nicht gespielt. Umso wichtiger ist es für die 20 Teams, sich mit einem positiven Gefühl in die zweiwöchige spielfreie Zeit zu verabschieden. Für wen das in besonderem Maße gilt, das klären wir in unserer Vorschau auf den 15. Spieltag.

Die Ausgangslage

An der Tabellenspitze hat sich das große Stühlerücken vorerst gelegt. Der VfL Osnabrück hat mit seinem in puncto Hingabe und Leidenschaft beeindruckenden 2:1-Sieg über den KFC Uerdingen die erste Position absolut verdient verteidigt – als Außenseiter gestartet, werden die Niedersachsen immer mehr zu einem ernstzunehmenden Aufstiegskandidaten. Das gilt auch für Preußen Münster auf dem zweiten Rang, dem allerdings die Verfolger schon mächtiger im Nacken sitzen: Der SV Wehen Wiesbaden hat durch das 7:0 bei Fortuna Köln eine starke Ansage geliefert, auch der Hallesche FC klopft durchaus überraschend weit oben an und auch der Karlsruher SC ist im ersten Drittel des Klassements stets präsent.

Niedersächsische Klubs kennen jedoch beide Extreme: Letzter ist weiterhin Eintracht Braunschweig, sechs Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz sind ein schweres Pfund. Vorletzter ist der SV Meppen, der dreimal in Folge verloren hat und ebenfalls aufpassen muss, den Anschluss nicht zu verlieren. Das Problem für alle vier Vereine (BTSV, SVM, Aalen und Jena), die aktuell die Abstiegsränge belegen: Es warten vier richtig schwere Aufgaben am Wochenende.

Und sonst so?

Viel los war auch abseits des Platzes. Vorab erreichte uns die gute Nachricht, dass unser ehemaliger Drittliga-Dino Rot-Weiß Erfurt nach schwersten Turbulenzen nun doch die Finanzierung für die nächsten Monate in der Regionalliga Nordost gesichert hat. Eine schöne Nachricht!

Weniger schön sind die Ermittlungen, die der DFB gegen den Karlsruher SC anstellt, weil dessen Fans ihr alt-ehrwürdiges, dem Abriss geweihten Wildparkstadion am Samstag lange nach Abpfiff mit zahlreichen bengalischen Feuern verabschiedeten. Geht es in Frankfurt nur ohne Fingerspitzengefühl?

Und auch bei Fortuna Köln liegen die Nerven blank, seit der Verein einige Fans für ein linksgerichtetes, politisches Banner mit Stadionverboten belegte. Nun droht gar Investor Michael W. Schwetje mit dem Rückzug. Turbulente Zeiten, und sportlich braucht es ja auch noch eine Antwort auf das bittere 0:7 gegen Wehen Wiesbaden…

 

Vier Spiele im Fokus

Abstiegskampf gegen Aufstiegskampf #1: Eintracht Braunschweig gegen den KFC Uerdingen

Die Heim-Aufgaben für die Eintracht werden nicht leichter: Erst kämpften sie aufopferungsvoll gegen den VfL Osnabrück, unterlagen aber 3:4. Jetzt kommt der KFC Uerdingen. Absteiger gegen Aufsteiger – es fühlt sich nur überhaupt nicht danach an und die Favoritenrolle geht auch eher an die Rheinländer als an die Rote Laterne der 3. Liga. Allerdings: Die sind seit Wochen nicht in Form und mussten ihren Aufstiegsplatz vorerst abgeben. Auch Trainer Stefan Krämer wird im Umfeld, das angesichts der zahlreichen Top-Verpflichtungen eine riesige Erwartungshaltung hat, nicht mehr nur als Heilsbringer betrachtet. Kurzum: Eintracht wird eine Chance haben. Es wird allerhöchste Zeit, dreifach zu punkten.

Abstiegskampf gegen Aufstiegskampf #2: VfR Aalen gegen den VfL Osnabrück

Weiter im Bunde mit der nächsten Paarung nach dem Motto „David gegen Goliath“: Der VfR Aalen, Drittletzter, empfängt den Primus aus Osnabrück. Nicht einmal der Heimvorteil ist für die Mannen von der Ostalb gerade existent: Während die vergangenen drei Auswärtsspiele stets mit mindestens einem Zähler endeten, gingen die Heimspiele im gleichen Zeitraum allesamt verloren, die Leistungen aber gaben zumindest im Ansatz Hoffnung. Aber so ist das in der 3. Liga: Zwei Mannschaften wie Aalen und Osnabrück, die im Vorfeld als ähnlich stark eingeschätzt worden  waren, befinden sich plötzlich 15 Punkte auseinander. Der VfL schwimmt auf der Euphoriewelle – ihm würde auch ein Unentschieden genügen, um auf Kurs zu bleiben. Dem VfR gewiss nicht.

Abstiegskampf gegen Aufstiegskampf #3: SV Meppen gegen den Karlsruher SC

Themenwoche in der 3. Liga: Klein gegen Groß! Zumindest tabellarisch. Denn auch beim Duell zwischen Meppen und Karlsruhe geht es um gleich drei Ligen, vom Bundesliga-Unterhaus bis zur Regionalliga Nord. Während der KSC nach aktuellem Stand etwa von einem künftigen Duell gegen den VfB Stuttgart träumen darf, hat Meppen Sorge, zum SV Jeddeloh II fahren zu müssen. Auch Christian Neidhart, Ruhepol in der kleinen Krise des SVM, steht vor der schweren Aufgabe ein bisschen unter Druck: Sein Ziel, das rettende Ufer immer mit einem Sieg erreichen zu können, steht auf dem Spiel. Karlsruhe will den Druck auf den Zweiten aus Münster vor dem nahenden direkten Duell erhöhen. Beide Mannschaften können mit ihrer besten Elf ins Rennen gehen.

Abstiegskampf gegen Aufstiegskampf #4: SV Wehen Wiesbaden gegen Carl Zeiss Jena

Die wohl undankbarste Aufgabe hat Jena erwischt: Der Viertletzte reist zum Dritten aus Wiesbaden, der aufgrund des furiosen 7:0-Auswärtssiegs in Köln mit maximalem Selbstbewusstsein antreten wird. Das bislang letzte Mal, dass Carl Zeiss zu einem solch offensivstarken Gegner gefahren ist, endete in einem absoluten Debakel: Im Frühjahr ließen sich die Thüringer beim SC Paderborn mit 0:6 abschießen, tatsächlich hätten es noch ohne die tolle Leistung von Jo Coppens einige Gegentreffer mehr sein können. Dass es anders geht, zeigte der FSV Zwickau, der in Wiesbaden zuletzt ein 0:0 einfuhr. Sein letztes Liga-Gegentor vor eigenem Publikum kassierte der SVWW übrigens im August – hier muss Jena ansetzen, soll die Misere von mittlerweile neun sieglosen Spielen am Stück enden. Wahrscheinlich ist es nicht…

 

Und wer könnte überraschen?

Die Sportfreunde Lotte in Cottbus

Früher haben die Sportfreunde Lotte in regelmäßigem Abstand Favoriten ärgern können – im mittlerweile dritten Jahr 3. Liga sind sie ein wenig gezähmt, aber unter Nils Drube wieder ein ziemlich unangenehmer Gegner geworden. Nun geht es nach Cottbus, das dank des Auswärtssiegs in Kaiserslautern ordentlich im Aufwind ist und allemal für einen Heimsieg in Frage kommen würde. Nur: Die Spielzeit des Aufsteigers war bislang alles, aber gewiss nicht konstant. Auf gute Leistungen folgten gerne Enttäuschungen, und ob das Potenzial bereits für einen Seriensieger ausreicht, muss hinterfragt werden. Ein Verein wie Lotte wird zum schweren Prüfstein – offenbart Energie Schwächen, werden die SFL Punkte holen.

   
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