"Alles andere als akzeptabel": FCH kritisiert DFB für bwin-Deal

In einer umfangreichen Pressemitteilung hat der F.C. Hansa Rostock am Freitagabend den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Vorgehensweise beim Deal mit "bwin" kritisiert. Dabei beklagt der Verein fehlendes Mitspracherecht, sieht die Branchenexklusivität seines Hauptsponsors torpediert, bemängelt die Abtretung vereinseigener Rechte und wähnt den DFB in einem Interessenskonflikt.

Hauptsponsor werde torpediert

Wie die Kogge mitteilt, habe der DFB die Drittligisten erst am 29. Juni über den Einstieg von "bwin" informiert. Deutlich zu spät und "alles andere als akzeptabel", findet Hansa, zumal bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe keine Mitsprache im Prozess möglich gewesen sei. "In Anbetracht der Tatsache, dass der Großteil der Vereine nur wenige Wochen vor dem Ligastart bereits alle Vorbereitungen für die neue Spielzeit getroffen haben muss, erscheint der Einstieg des Hauptpartners deutlich zu kurzfristig und somit übereilt", sagt Vorstandsvorsitzender Robert Marien. Diverse Werbemittel sowie Sponsorenwände oder Interviewboards seien laut Marien bereits in Auftrag gegeben worden und die Produktion offizieller Printerzeugnisse wie Tickets oder Briefpapier jetzt schon im Abschluss.

Auch die Tatsache, dass Hansa exklusive Vereinsrechte an "bwin" abtreten müsse, ist der Kogge ein Dorn im Auge. Darüber hinaus sei auch im Hinblick auf mögliche Interessenskonflikte mit dem Sponsorenpool des F.C. Hansa keine Abstimmung erfolgt. Der Knackpunkt: Erst vor fünf Wochen stellte der FCH mit "sunmaker" einen neuen Hauptsponsor vor, der ebenfalls aus der Wettanbieter-Branche stammt. Die Branchenexklusivität seines Hauptsponsors sieht Hansa nun torpediert: "Dass uns fünf Wochen nach dem Vertragsabschluss mit unserem Hauptsponsor ‚sunmaker‘ mitgeteilt wird, dass ein anderer Wettanbieter Hauptpartner der 3. Liga wird, ist extrem ärgerlich – vor allem vor dem Hintergrund, dass dem DFB unser Hauptsponsor bekannt war", führt Marien aus.

"Liga der zwei Geschwindigkeiten"

Darüber hinaus habe die Kogge einige der abzutretenden Rechte (etwa das Ärmel-Logo) selbst zu besseren Konditionen vermarktet. Ohnehin sei es schwierig, "wenn vereinseigene Rechte wie Banden, Ärmel oder Tickets im Gesamtpaket enthalten sind. "Durch die Vermischung von Liga- und Vereinsrechten verbessert sich unsere finanzielle Situation durch diesen Deal nicht", betont der Hansa-Boss. Zwar lässt der DFB Ausnahmen im Sinne der Klubs zu und spricht von einer freiwilligen Teilnahme, will allerdings auch nur diese Vereine finanziell begünstigen.

Marien sieht Hansa daher zweifach bestraft: "Zum einen erhalten wir nur bedingt finanzielle Mittel aus der Hauptpartnerschaft und zum anderen sieht unser neuer Hauptsponsor durch den Einstieg eines anderen Wettanbieters nachvollziehbarerweise seine Exklusivität gefährdet." Aus Solidarität zu seinem Hauptsponsor habe sich Hansa dafür entschieden, nicht für das Gemeinschaftsfoto aller Drittligisten zur neuen Hauptpartnerschaft zur Verfügung zu stehen, so Marien weiter, der von einer "Liga der zwei Geschwindigkeiten" spricht, in der einige Vereine finanziell begünstigt würden und andere nicht.

DFB im Interessenskonflikt?

Finanzvorstand Christian Hüneburg sieht unterdessen die Rolle des DFB in dieser Angelegenheit überaus kritisch: So stelle sich die Frage, ob der DFB als Lizenzgeber und zugleich Vermarktungsdienstleister in einen Interessenskonflikt gerate. "Eine Übertragung wertvoller Vereinsrechte an die Vermarktungsabteilung des DFB per Order de Mufti (ohne Einbeziehung der Betroffenen; Anm. d. Red.) im Zulassungsvertrag ist nicht in unserem Sinne und wird nicht zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung der 3.Liga führen", so Hüneburg.

Hansa befürchtet, dass sich Sponsoren durch die eigenwillige Vermarktung von Vereinsrechten durch den DFB, "zukünftig nicht sicher sein können, ob ihre Verträge und mit dem Verein getroffene Absprachen auch gehalten werden können." Zudem bestehe das Risiko, dass ein Bestandsschutz von langjährigen und wichtigen Partnern künftig nicht gewährleistet werden könne. In den kommenden Tagen und Wochen will Hansa das Gespräch mit dem DFB suchen. Ausgang offen.

   
  • JR910

    Wie ich gelesen habe, wird bwin auch in die Vereine gehen um über Manipulation, Wettbetrug und Spielsucht aufzuklären. Liest sich gut. Werde auf alle Fälle hingehen, wenn Korruption ebenfalls
    auf die Tagesordnung kommt!

    • baender

      Der DFB und die Vereine lassen sich bereits seit Jahren entsprechende Erklärungen unterzeichnen, wonach Spieler, Funktionäre, etc. an Sportwettenangeboten bei Strafe nicht teilnehmen dürfen. Oftmals betrifft das die Sportart oder Liga, in der man selber antritt. Was auch immer bwin da mit Vereinen veranstaltet ist ohnehin nicht ernst zu nehmen.

  • blauWeißerBREMER

    Der Verband glaubt wohl, für jährlich LUMPIGE 70.000 € pro Verein sich alles erlauben zu können! Das sollten die Vereine nicht mitmachen, sollten erheblich mehr Geld fordern…

    • Sterneneisen

      Ne. Aber für das zehnfache pro Verein.

      Aber natürlich sollten die Vereine bei sowas generell nicht mitmachen

    • ChristianMD

      Regionalligisten bekommen ca. 70.000 € pro Jahr. Drittligisten 700.000 € und ab dieser Saison 1.000.000 €.

  • palli29

    Wieder mal typisch. ein selbstherrlicher Verband, an den Interessen der eigenen Mitglieder vorbei. Und dieser Verband wundert sich, dass er unbeliebt ist? Das wundert mich aber!
    Ein diletanttischer Plan, eine noch dilettantischere Umsetzung, die nur noch durch eine Bekanntgabe Miitte der kommenden Saison hätte gekrönt werden können – auch das hätte mich nicht gewundert!

    Setzen = 5!

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