"Ein bisschen peinlich": Koschinat setzt zur Schiri-Kritik an
Mit dem Arbeitssieg in Großaspach hat sich Rot-Weiss Essen bis auf zwei Punkte an den MSV Duisburg herangeschoben. Grund genug eigentlich für Trainer Uwe Koschinat, sich zu freuen, dennoch arbeitete sich der 55-Jährige auch am Schiedsrichter ab – und vermisste vor allem dessen Souveränität.
"Total deplatziert"
Gleich mehrfach ging es an diesem Sonntagnachmittag vor und auch zwischen den Trainerbänken heiß her, RWE-Coach Uwe Koschinat geriet dabei zudem verbal mit dem Schiedsrichter-Team aneinander und sah in der 88. Minute daher die gelbe Karte, nachdem er sich zu vehement über eine Entscheidung des Unparteiischen beschwert hatte. Es war bereits seine dritte Verwarnung in dieser Saison. Darauf im Interview mit "MagentaSport" angesprochen, betonte Essens Coach zunächst, dass er es vorziehe, erst persönlich mit dem Schiedsrichter-Team zu sprechen und auf "dieses Bashing in der Öffentlichkeit" verzichten zu wollen. Und eigentlich war das Thema damit schon abgehakt, ehe der 55-Jährige doch noch zu einer öffentlichen Kritik ansetzte.
"Es geht einfach auch mal darum, dass die Referees ein Gefühl dafür bekommen müssen, dass sie nicht in allen Situationen besonders gut abgestimmt agiert haben." Dabei ging es Koschinat nicht um spielentscheidende Situationen, sondern vor allem um Einwurfentscheidungen. Nach Auffassung des Essener Trainers habe Schiedsrichter Luca Sambill jede Einwurfsituation anders entschieden als sein Assistent auf der jeweiligen Seite. "Das ist dann ein bisschen peinlich", meinte Koschinat. Dass man sich in hitzigen Phasen dann aufregt, gehöre dazu. Dass darauf dann aber seitens der Spielleitung mit einer gelben Karten reagiert werde, wie in der 88. Minute, bezeichnete der RWE-Trainer als "total deplatziert".
Verbaler Austausch auch mit Reinhardt
Auch mit SG-Coach Pascal Reinhardt war Koschinat nach Spielende kurz verbal aneinandergeraten, da der Aspacher Trainer die Auffassung vertrat, dass die Partie zu früh abgepfiffen worden sei. Wie er anschließend im Interview erklärte, habe diesbezüglich mit Koschinat aber Übereinstimmung geherrscht. Der RWE-Trainer wollte allerdings nicht näher darauf eingehen, sondern wurde nochmal grundsätzlich: "Es hilft keinem, über die Öffentlichkeit draufzutreten."
Mehrheitlich würden die Schiedsrichter mit ihren Entscheidungen "eigentlich gut" liegen, "aber im Drumherum müssen sie sich auch am Herrenfußball orientieren. Und dann sollte man aus meiner Sicht auch die Souveränität haben, das Ganze nicht permanent mit Karten gegen Offizielle zu beantworten, die ihr Herz jede Woche auf dem Platz lassen und auch ein Stück weit unter Druck stehen. Das passt nicht zusammen." Koschinat hofft diesbezüglich auf eine "kritische Reflexion".
"Brutaler Arbeitssieg"
Deutlich positiver fiel seine Bewertung zum Spiel seiner Mannschaft aus. Diese habe einen "in allen Belangen brutalen Arbeitssieg" eingefahren und nach einer "sehr, sehr kräftezehrenden" Englischen Woche "alles auf dem Platz gelassen". Sinnbildlich stand dafür aus Koschinats Sicht das Tor durch Dickson Abiama, der bei dem Angriff in der 35. Minute zunächst zu Boden gegangen und liegen geblieben war, "sich dann aber aufgerappelt und den Ball mehr oder weniger hinkend eingeköpft hat", wie Essens Coach den Treffer beschrieb.
Neben dem Glück in dieser Szene sei auch "Verteidigungsgeschick" hinzugekommen – etwa in der 68. Minute, als Janssen den Ball auf der Linie klärte. Am Ende hätten "eine Kombination aus Kopf und Herz" den Ausschlag gegeben. Entsprechend stolz zeigte sich der 55-Jährige, wenngleich er betonte, "dass das nicht unser fußballerischer Anspruch gewesen ist. Das muss man auch mal klar so sagen, aber heute ist es einfach auch mal egal". Schließlich steht RWE nach zwölf Spieltagen bereits mit 24 Punkten da und hat das vor der Saison ausgerufene Etappenziel, zu diesem Zeitpunkt der Saison mindestens 20 Zähler auf dem Konto zu haben, klar übertroffen. Zumal bereits zum sechsten Mal in dieser Saison die Null stand.
"Darauf können wir stolz sein und das heute Abend auch mal genießen." Vor der Länderspielpause steht nun noch der Westschlager gegen Alemannia Aachen an. Nachdem RWE in den letzten Jahren "nicht so geil" gegen die Schwarz-Gelben ausgesehen habe, "geht es jetzt darum, unseren tollen Fans ein nächstes Geschenk zu machen", blickte der RWE-Trainer voraus. Dann auch vielleicht mit einer Schiedsrichter-Leistung, die eher Koschinats Erwartungen entspricht.