RL-Reform: BFV will Aufstockung der 3. Liga zu Abstimmung stellen
Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) legt im Streit um die Regionalliga-Reform nach. Präsident Christoph Kern kündigt im Interview mit "BR24Sport" an, auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. Dezember einen eigenen Antrag zu stellen. Dieser sieht ein sogenanntes 22/5-Modell vor und soll dem vom DFB favorisierten Kompassmodell entgegengestellt werden. "Da muss nachgebessert werden, oder man muss von diesem Modell Abstand nehmen", sagte Kern.
Kritik am Kompassmodell
Konkret sieht das 22/5-Modell eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften mit fünf Absteigern vor. Damit könnten alle fünf Regionalliga-Meister aufsteigen, die bisherige Struktur bliebe erhalten. Kern verweist auf einen Vorteil: "Wenn ein Drittligist mal absteigt, ist der Wiederaufstieg für einen, der aus dem Profifußball kommt, sicherlich einfacher." Zusätzlich will der BFV den Nachwuchsfördertopf mit DFB-Geldern aufstocken. Der Verband möchte seine Pläne nun rasch in einem Antrag bündeln.
Der DFB hatte das Kompassmodell am Montag bei der Sitzung der Landes- und Regionalverbandspräsidenten vorgestellt. Statt fünf soll es künftig vier Regionalligen geben. Die Zuordnung der Vereine übernimmt eine künstliche Intelligenz, die Ligen mit möglichst kurzen Fahrtwegen bildet. Weil das nach jeder Saison neu geschieht, können Klubs in Grenzgebieten von Jahr zu Jahr in andere Staffeln wechseln. Kern hält das Modell für unausgereift. Es beeinträchtige die Vereine "massiv", vor allem bei der Zuweisung zu den Ligen. Es fehle an konkreten Regeln, wo welche Liga angesiedelt werde. Unklar sei auch, wann die Klubs erfahren, in welcher Staffel sie spielen, und wie die vier Ligen überhaupt starten.
Nach dem aktuellen Entwurf müsste außerdem der Zweite der Bayernliga in Aufstiegsspielen gegen die Oberliga des Nordostdeutschen Fußballverbands antreten. "Das wollten wir eigentlich verhindern", so Kern. Er fürchtet zudem, dass sich diese Spiele so lange hinziehen, dass die neue Saison bereits läuft. Besonders sorgt ihn die Abstiegsregelung. Theoretisch könnten bis zu zwölf Teams in die bayerische Fünftklassigkeit absteigen. Schon fünf oder sechs Absteiger in die Bayernliga wären "ein großes Problem für den Unterbau".
BFV will Regionalliga Bayern nicht verlieren
Hinzu kommt das wirtschaftliche Argument. Kern bezeichnet die Regionalliga Bayern als "absolutes Aushängeschild". Unter dem Dach des DFB würde der Verband die Vermarktungsmöglichkeiten verlieren, und damit Geld, mit dem er Amateurvereine und die Basis fördert. Mit seiner Haltung steht der BFV nicht mehr allein da. Auch die hessischen Regionalligisten erklärten gemeinsam, dass das Kompassmodell aus ihrer Sicht "noch nicht ausreichend in der Tiefe ausgereift" sei.
Beim Ziel herrscht allerdings weiter Einigkeit: Meister sollen aufsteigen, Aufstiegsspiele gehören aus Sicht der Verbände, des DFB und der Fans abgeschafft. Wie es dazu kommt, bleibt umstritten. Für die Zukunft der Regionalligen werden die kommenden knapp sieben Wochen bis zur Abstimmung entscheidend sein.
Mehrheit für 22/5-Modell unwahrscheinlich
Dass es für das 22/5-Modell eine Mehrheit geben wird, erscheint jedoch unwahrscheinlich. So hatte der DFB eine Aufstockung der 3. Liga als Lösung für die Reform der Regionalliga schon vor Jahren ausgeschlossen – zuletzt im vergangenen März. Auch die aktuellen Drittliga-Klubs hatten sich zuletzt einstimmig dagegen ausgesprochen.
Als Argumente wurden vor allem drohende wirtschaftliche Nachteile für die Drittligisten und ein kaum umsetzbarer Rahmenterminkalender mit dann 42 Spieltagen genannt. Zudem war mehrfach darauf verwiesen worden, dass die Drittligisten bereits 2018 in Vorleistung gegangen waren und einem vierten Absteiger aus der 3. Liga zugestimmt hatten. Eigentlich unter der Vorgabe, dass die Regional- und Landesverbände eine Lösung finden, wie die Anzahl der Regionalliga-Staffeln von fünf auf vier reduziert werden kann, damit alle Meister direkt aufsteigen können. Das ist bislang jedoch nicht gelungen.