Ex-Drittliga-Spieler #2: Was macht eigentlich Christoph Hemlein?

Seit der Einführung der 3. Liga im Jahr 2008 haben schätzungsweise mehr als 5.000 verschiedene Spieler mindestens eine Partie in Deutschlands dritthöchster Spielklasse bestritten. Einige blieben dabei besonders in Erinnerung. Auf diese Spieler schaut liga3-online.de in der Serie "Was macht eigentlich …?". Heute: Christoph Hemlein, der sich vom Fußballgeschäft mittlerweile komplett verabschiedet hat. Im Gespräch mit liga3-online.de erzählt der frühere Stürmer von einem kurzen Ausflug auf die Trainerbank und heutigen Typen im Sport.

"Der 'Harry-Potter-Spruch' war nicht so geil"

Bruno Labbadia verhalf Christoph Hemlein zum Bundesliga-Debüt. Vor fast 15 Jahren wurde der Angreifer beim VfB Stuttgart in der Spitzenklasse eingewechselt – und im weiteren Verlauf seiner Karriere spielte der 35-Jährige ein Halbfinale im DFB-Pokal mit Arminia Bielefeld, schoss Tore in der niederländischen Eredivisie und holte auch den Titel als Drittliga-Meister mit den Ostwestfalen. "Die Bundesliga war ein Riesenbrett, ein starkes Erlebnis. Aber Bielefeld war natürlich meine Hauptzeit", erinnert sich Hemlein gerne an die Highlights seiner Karriere zurück. Und einiges ist bis heute geblieben: "Ich gucke mir zum Beispiel gerne den Florian Pick in Saarbrücken an. Das ist ein feiner Typ, mit dem ich noch zusammengespielt habe."

Auch einen Christian Kühlwetter oder einen Timmy Thiele, mit dem Hemlein bis heute privat befreundet ist, schätzt der 35-Jährige nach wie vor. "Solche Spieler können ein Vorbild für junge Kicker sein", findet der ehemalige Stürmer, dass der Fußball weiterhin Charaktere braucht. Denn heutzutage sieht Hemlein das Fußballgeschäft doch eher kritisch. "Ja und Amen zu allem zu sagen, das war nicht meine Welt", überlegt der 35-Jährige ehrlich. "Den 'Harry-Potter-Spruch', den ich mal gebracht habe, war aber auch nicht so geil. Das muss ich zugeben, dass das nicht gut von mir war." Zur Erinnerung: Ex-Coach Boris Schommers bezeichnete er einst nach ihrer gemeinsamen Zeit in Kaiserslautern als "Harry Potter an der Seitenlinie", was auf ein schwieriges Verhältnis zwischen dem damaligen Kapitän und seinem Coach zurückzuführen war. "Wir werden wahrscheinlich keine Freunde mehr, aber den bereue ich heute", so Hemlein.

"Hätte damals noch weitermachen können"

Vor drei Jahren endete die Karriere des Stürmers dann unfreiwillig. "Ich hätte damals noch weitermachen können. Die VSG Altglienicke oder Alemannia Aachen wollten mich haben, aber ich habe gesagt, dass es für mich reicht", erklärt Hemlein. Eine Sprunggelenksverletzung sorgte für das Umdenken, die Familie rückte in den Vordergrund. "Der erste Tag nach meinem Karriereende war sehr unreal. Ich habe mich damals krankschreiben lassen, weil mein Körper einfach nicht mehr mitgespielt hat. Dieses wirkliche 'Jetzt ist es vorbei' kam erst viel später." Vom Fußball nahm der 35-Jährige erst einmal Abstand, arbeitete sich in andere Themen hinein. Heute führt Hemlein entsprechend ein Immobilienunternehmen im Emsland.

"Als Fußballer bekommst du nichts geschenkt. Jetzt bin ich eigenständig, aber ich habe auch hier alles selbst aufgebaut. Du musst anpacken, weil von Nichts kommt Nichts", vergleicht der ehemalige Stürmer die Berufswelt mit seinem Dasein als Profifußballer. "Ich hatte immer irgendwie Talent, aber ich musste mir alles hart erarbeitet. So habe ich über 400 Pflichtspiele geschafft, was nicht selbstvertändlich ist, oder? Und im normalen Berufsleben ist das genauso. Du musst dir mit ehrlicher und vernünftiger Arbeit etwas aufbauen." Fußball guckt der 35-Jährige heute nur noch im Fernsehen.

"Möchte mit Fußball nichts mehr zu tun haben"

Eine kurze Rückkehr auf den Trainingsplatz gab es trotzdem. Von Juli 2024 bis November 2025 stand Hemlein als Cheftrainer bei Eintracht Nordhorn an der Seitenlinie. "Wir sind damals von der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen", berichtet der gebürtige Heidelberger über die Zeit im Amateurfußball. Eine schöne Erfahrung, die jedoch Züge annahm, mit denen sich Hemlein nicht identifizieren konnte. "Es sollte eine Professionalisierung stattfinden und dann kamen Leute ins Geschäft, die alles nur hinten herum machen. Deswegen möchte ich mit dem ganzen Thema Fußball heute nichts mehr zu tun haben. Wie sich der Sport in den letzten Jahren verändert hat, gefällt mir nicht mehr."

Was Hemlein meint? Ein Blick von der Bundesliga bis zur 3. Liga genügt nach Ansicht des Ex-Profis. "Die Überlebensdauer von Trainern ist ja nicht mehr normal. Von den sogenannten 'Laptoptrainern' haben wir zu viele, deswegen wollte ich auch auf keinen Fall einer davon werden", urteilt Hemlein. "Nicht jeder muss ein Profi gewesen sein, um den Fußball zu verstehen. Aber da sind viele Leute unterwegs, die teilweise nicht mal auf einem Bolzplatz gegen einen Ball getreten haben und mir sagen wollen, wie das alles funktioniert." Der 35-jährige Stürmer, der sich selbst nicht als Kind von Traurigkeit beschreiben wollte, bleibt sich daher nach wie vor seiner Linie treu: Ehrlichkeit müsse nicht immer jedem gefallen, aber bleibt ein wichtiger Bestandteil des eigenen Charakters.

   

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