Das große Transferfazit: So hat sich die 3. Liga verstärkt

Mit mehr als 500 Transferbewegungen wurde das Sommer-Transferfenster auch in diesem Jahr wieder zum Umschlagplatz für etliche ehemalige, etablierte und auch viele neue Drittliga-Profis. Nachdem die Klubs ihre Planungen nun weitestgehend abgeschlossen haben und noch einige Last-Minute-Geschäfte vereinbart wurden, ist es Zeit für das große Transferfazit.

Transfermarkt in Zahlen

Insgesamt 294 Abgänge – ohne vereinsinterne Wechsel und Leihrrückkehrer – haben die 20 Drittligisten laut dem Portal "transfermarkt.de" verzeichnet. Das macht mehr als 14 Spieler pro Klub, was im Schnitt nahezu der Hälfte eines durchschnittlich bestückten Kaders entspricht. Große Umbrüche beschränkten sich entsprechend längst nicht nur auf die Absteiger Düsseldorf und Münster, sondern auch viele etablierte Klubs. Aber dazu später mehr.

Auf der Zugangsseite stehen mit Stand 2. September 218 verpflichtete Spieler, also fast elf Spieler pro Verein. Die Abweichungen zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres sind überraschend klein: 2025/26 hatten die Klubs 282 Profis verabschiedet und 214 Verpflichtungen bekanntgegeben. Die daraus abgeleitete Annahme, dass die Kader kontinuierlich kleiner werden, ist jedoch nicht korrekt. Denn die Differenz wird üblicherweise durch nachrückende Talente kompensiert, insbesondere die U23-Teams bestücken ihre Aufgebote jährlich mit einer großen Anzahl von A-Junioren.

Die aktivsten und zurückhaltendsten Vereine

Unangefochtener Spitzenreiter der umtriebigen Sportchefs ist Samir Arabi – selbst ganz neu dabei – mit der Düsseldorfer Fortuna: 19 neue Spieler holte F95, die letzten von ihnen mit Lukas Bornschein und Filimon Gerezgiher erst kurz vor Transferschluss. Am Rhein musste aber nach dem Abstieg auch fast der gesamte Kader ersetzt werden. Immerhin 17-fach schlug der TSV Havelse nach dem Klassenerhalt am grünen Tisch zu, der 1. FC Saarbrücken ergänzte sein Team im Rahmen eines deutlichen Umbruchs um 15 neue Fußballprofis. Der Aufsteiger mit den meisten Neuverpflichtungen sind die Würzburger Kickers, die ebenfalls 15 neue Spieler holten, davon allein vier am gestrigen 1. September.

Ruhig ging es ziemlich lange beim SV Wehen Wiesbaden zu, der infolge des Fehlstarts aber umgedacht hat und nun auf acht Neuzugänge kommt – fünf davon stellte der SVWW erst in den vergangenen sieben Tagen vor. Sogar nur sieben waren es beim MSV Duisburg, der aber auch keine Leistungsträger abgeben musste und davon beim Saisonstart bereits kräftig profitierte. Auch Aufsteiger Sonnenhof Großaspach hat sich nur siebenmal verstärkt, Jahn Regensburg holte acht Neue. Auch der VfB Stuttgart II kommt auf wenige externe Zugänge (7), hier ist die Zahl aber nur bedingt aussagekräftig. Schließlich fließen vereinsinterne Aufrücker aus den Juniorenteams in diese Statistik nicht ein, von denen sich aber die Kader der Profi-Reserven maßgeblich nähren. Im Stuttgarter Fall rückten in diesem Sommer sieben Youngster zum Drittliga-Kader auf.

Wer viel ausgegeben hat – und wer Überschüsse erzielte

Die von "transfermarkt.de" berechneten Gesamteinnahmen der Drittligisten liegen (Stand 1. September) bei knapp 8,9 Millionen Euro – ein Wert, der grob auch in den Vorjahren erzielt worden ist: 2025/26 erzielten die Vereine knapp 6,5 Mio. Euro, 2024/25 waren es 8,1 Mio. Euro.

Für gewöhnlich spielen hier die Zweitvertretungen eine gewichtige Rolle, da sie mit Talenten in enormen Marktwert-Regionen Geschäfte machen: So verkaufte der VfB Stuttgart den 20-jährigen Christopher Olivier für geschätzt 1 Million Euro an Bröndby IF in Dänemark, die TSG Hoffenheim Paul Hennrich (20) für ca. 1,5 Mio. Euro an Heidenheim. Aber auch Fortuna Düsseldorf machte die wenigen Marktwerte, die vertraglich trotz des Abstiegs gebunden waren, zu Geld, nämlich Sima Suso (für 1,6 Mio. zu Augsburg) und Satoshi Tanaka (für 1 Mio. zu Schalke 04). Ebenso nahm Preußen Münster in Summe einen hohen sechsstelligen Betrag ein. Unter den Klubs, die schon 2025/26 Drittligisten waren, erzielte der FC Ingolstadt einen in jeder Hinsicht spektakulären Gewinn: Für den 30-jährigen Marcel Costly legte der 1. FC Heidenheim nach dessen überragender Vorsaison (27 Scorerpunkte) eine Million Euro hin. Bis dato zahlt er es mit bereits drei Torbeteiligungen voll zurück.

Apropos zahlen: Die Ausgaben von etwa 6,5 Mio. Euro liegen viel höher als in den Vorjahren (1,4 Mio. in 2025/26, 3,6 Mio. in 2024/25). Was – wenig verwunderlich – erneut an den Zweitvertretungen liegt: Hoffenheim investierte rund 2,5 Mio. in drei Talente unter 19 Jahren, darunter den 16-jährigen Kroaten Jakov Dedic, der bereits zweimal sehenswert traf. Stuttgart II legte ebenfalls einen niedrigen siebenstelligen Betrag für Stürmer Tim van der Leij hin.

"Normale" Drittligisten haben weniger Geld zur Verfügung, knapp sechsstellige Beträge wurden aber vielfach investiert. Einige Beispiele: Eric Hottmann (Fortuna Düsseldorf), Nick Bätzner, Max Geschwill, Jannik Hofmann, Noah Pesch, Franci Bouebari, Dickson Abiama (alle RW Essen), Samuel Althaus (Preußen Münster), Mika Schroers (Alemannia Aachen).

Zu vielen anderen Transfers liegen derweil gar keine Informationen zur geflossenen Ablösesumme vor, weshalb diese Liste immer als unvollständig betrachtet werden muss. Hierzu zählen Topspieler wie Emil Holten und David Kopacz (Hansa Rostock), Frederik Christensen (Duisburg) oder Nishan Velupillay (Ingolstadt), die allesamt eher nicht zum Nulltarif gewechselt sind.

Von Krachern und Exoten

Zu guter Letzt lohnt sich ein Blick auf die nominellen Topspieler. Nach Marktwerten sortiert, knacken mit Konstantin Aleksa (Hoffenheim II), Alexander Staff (Saarbrücken) und Tim Rossmann (Großaspach) drei junge Spieler die Millionenmarke. Es folgen unter anderem Aiman Dardari und Max Geschwill (RW Essen) sowie Andreas Müller (Fortuna Düsseldorf). Geht es nach der gesammelten Erfahrung, dürfte das Fortuna-Trio Dominique Heintz, Fabian Schleusener und Jorrit Hendrix die Nase vorn haben: Sie vereinen hunderte Bundesliga-Einsätze, Zweitliga-Knipserqualität und Champions-League-Erfahrung.

Beim Blick auf die Exoten und Weltenbummler führt kein Weg an Nishan Velupillay vorbei, auch wenn der 25-Jährige erstmals im Ausland spielt: Er verbrachte seine bisherige Karriere bei Melbourne Victory in Australien. Waldhof-Stürmer Goncalo Gregorio kommt derweil auf Stationen in Armenien, Rumänien, Portugal und Polen. Und auch sein Teamkollege Leroy Mickels hat eine interessante Laufbahn vorzuweisen: Durchgestartet bei den Oberligisten Monheim und Velbert, stürmte er zuletzt in Saudi-Arabien, Aserbaidschan und Bulgarien – bis er nun beim Waldhof unterschrieb.

   

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