Kühlwetter im Interview: "Noch einiges an Arbeit vor uns"
Mit 30 Jahren hat Christian Kühlwetter beim 1. FC Saarbrücken eine neue Herausforderung gesucht – und sich direkt belohnt. Zum Auftakt gegen Rot-Weiss Essen (5:2) traf er gleich für seinen neuen Klub. Im Interview mit liga3-online.de spricht Kühlwetter über den Traumstart, Gesangseinlagen und über Männerwirtschaft in einer WG.
"So kann es gerne weitergehen"
liga3-online.de: Direkt vom Mittwoch-Vormittagstraining mit dem FCS zu unserem Interview – wie ist die Stimmung in der Mannschaft, Herr Kühlwetter?
Christian Kühlwetter: Die Stimmung nach dem Auftaktsieg gegen Essen ist natürlich super. Aber wir wissen auch, dass noch einiges an Arbeit vor uns liegt, da wir als gesamtes Team in dieser Saison noch viel vor uns haben. Dafür haben wir in dieser Trainingswoche nun den nächsten Schritt gemacht.
Die Saison begann für Sie und das Team mit einem turbulenten 5:2 gegen Rot-Weiss Essen, zur Pause hatten Sie schon einen Zwei-Tore-Rückstand ausgeglichen. Wie war Ihre Gefühlslage, erst recht nach ihrem ersten Tor für Saarbrücken zum 2:2?
Wir haben nicht gut angefangen, waren erst nach dem 0:1 richtig wach und wurden dann in unserer Spielweise auch intensiver und haben das Spiel dominiert. Das war auch der Moment, als wir als Mannschaft gemerkt haben, dass wir in die Partie zurückkommen können. Es war für mich persönlich natürlich ein richtig schönes Gefühl, der Mannschaft direkt helfen zu können. So kann es gerne weitergehen.
Es hätte ja fast gar nicht anders sein können: Die Vorarbeit kam von ihrem Kumpel, oder darf man sagen: Ihrem besten Kumpel, Florian Pick? Das kann man sich nicht besser ausdenken, oder?
(lacht) Ja, das stimmt. Picki schießt den Freistoß, ist der Vorbereiter und ich treffe direkt in meinem ersten Spiel für den 1. FC Saarbrücken. Es hat also sofort richtig gut funktioniert. Es freut uns beide, dass die Harmonie auf dem Platz immer noch da ist.
"Eine richtig gelungene Sache bis jetzt"
Wie froh sind Sie, wieder mit Florian Pick zusammenzuspielen?
Sehr froh – weil ich weiß, was er für fußballerische Qualitäten hat. Ich bin aber auch grundsätzlich froh, jetzt beim 1. FC Saarbrücken zu spielen, bei diesem Traditionsverein, der richtig viel Potenzial hat. Der Wechsel ist eine richtig gelungene Sache bis jetzt.
Was zeichnet Florian Pick aus – als Spieler und als Mensch?
Als Spieler muss man nicht viel sagen: Er hat viel Qualität in 1:1-Situationen und ist brandgefährlich vor dem Tor. Als Mensch hat er immer ein offenes Ohr, hilft einem immer weiter, ist ein herzensguter Mensch, der positiv verrückt ist. Es macht Spaß, die Zeit mit ihm auf dem Rasen zu verbringen, aber auch außerhalb des Platzes.
Sie haben ja schon einige Spaß-Interviews zusammen gegeben …
Wir kennen uns schon einige Jahre, spielen im siebten Jahr zusammen Fußball. Ich glaube, da weiß jeder einfach vom anderen, wie es läuft. Man kennt sich in- und auswendig und wir sind zwei Jungs, die immer miteinander Spaß haben wollen.
"Das WG-Angebot kam von Pick"
Kurzzeitig wohnten Sie sogar mit Florian Pick zumindest vorübergehend in einer WG – Wie muss man sich diese Männerwirtschaft vorstellen?
(lacht) Seit zwei Wochen wohnen wir jetzt nicht mehr zusammen. Picki hat mir damals nach meinem Wechsel angeboten, statt im Hotel bei ihm zu wohnen. Seine Wohnung liegt nur eine Viertelstunde vom Trainingsgelände am Ludwigsparkstadion entfernt. Das war wirklich eine super Zeit bei ihm. Wir waren aber auch viel auf dem Fußballplatz, von daher hatten wir gar nicht ganz so viel Zeit für Männerwirtschaft. Wir sehen uns täglich beim Fußball, machen aber auch viel mit unseren Familien zusammen.
Welchen Stellenwert hat Ihre gemeinsame Zeit mit Florian Pick in der Bundesliga-Aufstiegssaison 2022/2023 mit dem 1. FC Heidenheim innerhalb Ihrer Karriere?
Das war das Größte, was wir bislang gemeinsam erlebt haben. Bundesliga-Aufstieg mit Heidenheim, das wird man nie mehr vergessen.
Welche Punkte waren für Sie ausschlaggebend, von Jahn Regensburg zum 1. FC Saarbrücken zu wechseln?
In Regensburg ist mein Vertrag ausgelaufen, und dann kam recht schnell der Kontakt mit Saarbrücken zustande. Ich habe dann auch mal mit Picki telefoniert, der auch ein gutes Wort für meine Verpflichtung eingelegt hat. Der Spielstil von Trainer Argirios Giannikis passt gut zu mir, ich habe es bisher nicht bereut, es macht Mega-Spaß. Deswegen bin ich dankbar, dass Saarbrücken mir das Vertrauen geschenkt hat.
"Die Stimmung in der Kabine ist richtig gut"
Gibt es ein Einstiegsritual, mussten Sie singen?
Wir haben 18 neue Spieler, sodass das Singen für die Neuen in mehrere Gruppen aufgeteilt wurde. Das war eine coole Lösung.
Welches Lied haben Sie gesungen?
Das war "Lemon Tree" von Fools Garden.
Ein genialer Titel (stand 1995 für 37 Wochen auf Platz eins der deutschen Single-Charts, d. Red.). Wie sind Sie innerhalb der Mannschaft aufgenommen worden?
Die Mannschaft ist zwar komplett neu zusammengestellt worden, man kannte aber schon einige Spieler, da man ja schon ein paar Jährchen in diesem Business unterwegs ist. Es war somit nicht schwer für mich, hier anzukommen. Ich komme in der Mannschaft super klar und fühle mich sehr wohl. Die Stimmung in der Kabine ist richtig gut – nicht nur wegen des Sieges gegen Essen. Sie war schon vorher absolut top.
Jahn Regensburg ist gleich am zweiten Spieltag der erste Auswärtsgegner. Ein besonderes Spiel für Sie, immerhin haben Sie in zwei Jahren beim Jahn 60 Spiele absolviert…?
Das ist schon etwas ganz Besonderes, seinen alten Verein so schnell wiederzutreffen. Ich freue mich riesig, am Sonntag aufzulaufen und nach dem Spiel die alten Bekannten zu sehen. Allerdings sind wir alle Sportler und wollen in erster Linie in Regensburg bestenfalls einen Auswärtssieg einfahren.