Was aus früheren Drittligisten geworden ist: #33: TuS Koblenz

Insgesamt 70 Mannschaften spielten seit der Saison 2008/2009 in der 3. Liga. Während einige Klubs den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, sind andere Vereine vom Radar der breiten Öffentlichkeit verschwunden. liga3-online.de holt diese Klubs nun wieder hervor. Heute: Die TuS Koblenz, die nur eine Saison drittklassig war und auf Rang 60 der Ewigen Tabelle liegt.

Mini-Stadtmeisterschaft in der Oberliga

Koblenz – die drittgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz stand in Sachen Fußball fast immer ein wenig im Schatten anderer Klubs, konnte in Sachen Popularität nie mit dem 1. FC Kaiserslautern oder dem 1. FSV Mainz 05 mithalten. In der bald startenden Saison 2026/27 in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gehören unter anderem die Stadtrivalen FC Rot-Weiß und FC Cosmos Koblenz zu den Kontrahenten.

Nimmt man noch den zehn Kilometer nordwestlich von Koblenz beheimateten FV Engers 07 dazu, so ist die Liga schon eine kleine Koblenzer Stadtmeisterschaft. Die zurückliegende Saison in der 5. Liga hatte die TuS Koblenz auf dem vierten Tabellenplatz als bester Klub der Stadt abgeschlossen.

Vereinslegende Stahl auf der Trainerbank

"Größer als Trophäen" – so der Claim der Koblenzer auf ihrer Homepage. Das ist liebevoll, auch wenn der letzte große Titel noch nicht allzu lange zurückliegt: 2024 fuhren die "Schängel" – übrigens ein Dialektwort aus der französischen Besatzungszeit zwischen 1794 und 1814 für Jungen und Mädchen aus Koblenz – ihren insgesamt schon sechsten Erfolg im Rheinland-Pokal ein: 2:0 gegen die SG Schneifel im heimischen Stadion Oberwerth.

Dort findet in wenigen Tagen – am 25. Juli – die Saison-Eröffnung samt der offiziellen Vorstellung der neuen Oberliga-Mannschaft mit Trainer Michael Stahl und einem Vorstands-Talk statt. Den Vertrag von "Stahli", der als Eigengewächs über 300 Pflichtspiele für die Koblenz absolvierte, hat die TuS bereits im Februar 2026 vorzeitig verlängert. "Er schafft es, das Potenzial der Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln und seine Spieler Tag für Tag ein kleines Stück besser zu machen", so TuS-Sportvorstand Sam-Vincent Graef.

Von Stefan Kuntz bis Du-ri Cha: Große Namen bei der TuS

Die TuS Koblenz brachte immer wieder große Spieler hervor – Karl Adam (1951/52), Josef Gauchel (1936 – 1942) und Jakob Miltz (1954 bis 1956) waren deutsche Nationalspieler und liefen zusammen 21-mal im DFB-Trikot auf. Du-ri Cha, Sohn von Südkoreas Fußball-Legende Bum-kun Cha, spielte ebenso für die TuS Koblenz wie Torhüter Dennis Eilhoff, der deutsche Nationalspieler André Hahn, Ervin Skela, Zoltan Stieber oder Emmanuel Krontiris.

Europameister Stefan Kuntz machte in Koblenz seine ersten Karriere-Schritte als Fußball-Funktionär. Der kroatische Trainer Milan Sasic stand 2005 für den größten sportlichen Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte – den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zuvor hatte die TuS Koblenz in den Jahren 1968 und 1969 in der Aufstiegsrunde den Sprung in die 1. Bundesliga nur knapp verpasst.

Warum Koblenz nur ein Jahr in der 3. Liga spielte

Nach dem Zweitliga-Abstieg 2010 verbrachte der Verein nur eine Saison in der 3. Liga. Das Ziel, sich mit damals neu verpflichteten Spielern wie Dennis Brinkmann von Eintracht Braunschweig, Lukas Nottbeck (1. FC Köln) oder Marcus Steegmann aus Unterhaching in der 3. Liga zu etablieren, konnte nicht erreicht werden.

Grund dafür war aber nicht die fehlende sportliche Qualifikation. Am Ende der Saison 2010/2011 standen 13 Siege, 49 Punkte und Platz elf zu Buche. Nach einer erfolglosen Investorensuche verzichtete der Klub auf den Liga-Verbleib. Im Juni 2011 gaben die Rheinland-Pfälzer bekannt, dass sie ihr Team aus der 3. Liga zurückziehen und freiwillig den Weg in die Regionalliga gehen.

So blieb die Saison 2010/2011 das bisher einzige Drittligajahr für die "Schängel", die damals im Schnitt 4.986 Zuschauer ins bereits 1935 eröffnete Stadion Oberwerth lockte. Thomas Gentner ist mit 37 Einsätzen Rekordspieler der TuS in der 3. Liga, vor Marcus Steegmann (35) und Lars Bender, der das blau-schwarze Trikot 34 Mal überstreifte. Wir reden hier übrigens nicht vom Ex-Nationalspieler Lars Bender, sondern von seinem in Koblenz geborenen Namensvetter, der später auch lange bei Fortuna Köln kickte.

Zehn Saisontreffer machen Marcus Steegmann wohl auf lange Sicht zum Rekordschützen der Koblenzer in der 3. Liga. Der mittlerweile 45-Jährige ist auch heute wieder ein Name in der 3. Liga – als Direktor Profifußball bei Rot-Weiss Essen.

"Tor des Jahres" im DFB-Pokal

Im DFB-Pokal gelangen der TuS Koblenz in ihrer Vereinsgeschichte denkwürdige Erfolge gegen Fortuna Düsseldorf (1:0) und Hertha BSC (2:1). Klublegende Michael Stahl, in der Drittligasaison 31 Mal eingesetzt, erzielte gegen die Berliner und Torhüter Marco Sejna aus 61,5 Metern das ARD-"Tor des Jahres" 2010 und schrieb damit Geschichte. Erst das Rheinland-Pfalz-Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern im Achtelfinale (Zuschauer: 15.000) beendete den Pokal-Traum der Koblenzer – 1:4.

Heute sind solche Träume wieder weiter von der Realität entfernt. Die Realität für die TuS heißt 5. Liga und die 3. Liga bleibt ein kleines Kapitel in der langen Historie des Vereins, der – zumindest kurzfristig – nicht auf die große Fußballbühne zurückkehren wird.

   

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