Rundumschlag im FCS-Kader: Neue Impulse, neue Perspektiven?

Der 1. FC Saarbrücken hat ein Seuchenjahr hinter sich, möchte aber nach etlichen Anläufen mittelfristig weiterhin den Traum von der 2. Bundesliga realisieren. Längst läuft die Weichenstellung für die Saison 2026/27. liga3-online wirft in diesem Zuge einen detaillierten Blick auf die bisherigen Planungen im Saarland.

Schon 15 Abgänge und acht Zugänge

In drei kurzen Sätzen machte der 1. FC Saarbrücken zum Start in die neue Woche seinen nächsten Abgang publik: Stürmer Luca Wollschläger hat sein Arbeitspapier im Ludwigspark aufgelöst. Der 23-Jährige sucht nach nur sieben Liga-Einsätzen ohne jede Torbeteiligung künftig sein Glück ebenso wie mindestens 14 seiner nun ehemaligen Teamkollegen an einem anderen Ort. Schon durch diese Zahl wird deutlich, wie vehement der Umbruch ist, den die Saarbrücker um ihren noch relativ neuen Sportvorstand Markus Thiele eingeleitet haben. Überrascht hat das niemanden nach einer über weite Strecken miserablen Saison, die mit dem 14. Tabellenplatz und einem dicken blauen Auge endete.

Satt, überaltert und mit krakeliger Handschrift zusammengestellt: Schleichend haben sich verschiedene Probleme bei den Saarländern angestaut, die sich nach einer eigentlich erfolgreichen Saison 2024/25 – der FCS scheiterte knapp in der Relegation – relativ unvermittelt als kräftiges und länger anhaltendes Unwetter seit dem vergangenen Herbst entluden. Wie will der FCS nun den Negativtrend stoppen? Unter anderem, in dem er mit acht Neuzugängen auch auf dieser Seite des Transfermarktes rege aktiv ist. Und dabei schon einige spannende Spielerprofile hinzugewonnen hat. Ein Blick in die Mannschaftsteile.

Torhüter: Alles neu zwischen den Pfosten

Nirgendwo vollzieht sich der Neuanfang so stark wie zwischen den Pfosten: Stammtorwart Philipp Menzel verlässt den Verein ebenso wie die Ersatzleute Jonas Nickisch und Tim Paterok. Ein Vakuum? Keineswegs: Alle drei Positionen sind schon vor dem Trainingsauftakt neu besetzt worden. Matteo Bignetti (22/zuletzt Sturm Graz) bringt wie einst Menzel österreichische Erstliga-Qualität mit.

Kevin Broll (30/Wiesbaden) ist ein erfahrener Vertreter und Benjamin Lade (19/Hoffenheim II) das spannende Talent in der Hinterhand, das ohne jede Profi-Erfahrung zunächst aber den hinteren Platz in der Hackordnung einnimmt. Vor allem auf Bignetti, den Thiele als "hochinteressanten Spieler" bezeichnet, ruhen dabei die Hoffnungen, erstmals seit Daniel Batz wieder einen echten Unterschiedsspieler zwischen den Pfosten zu wissen.

Verteidigung: Schmerzhafte Verluste

Die von Trainer Argirios Giannikis seit Jahren favorisierte taktische Formation ist das 4-2-3-1, in der in der Abwehr die klassischen vier Positionen zu besetzen sind. Auch hier ist ein offenes Rennen zu erwarten, haben die Blau-Schwarzen hier doch die wohl schmerzhaftesten Abgänge des Sommers zu verzeichnen: Innenverteidiger Lasse Wilhelm avancierte in einer verkorksten Saison zum Gewinner und könnte höherklassig wechseln, sein Schweizer Nebenmann Joel Bichsel schlug das Verlängerungsangebot aus und schließt sich dem FC Lugano in seinem Heimatland an. Dazu geht Kapitän Sven Sonnenberg, der in der Rückrunde aber kaum noch spielte, zum VSG Altglienicke in seine Berliner Heimat. Links hinten verlässt Till Schumacher die Saarbrücker, er konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Während auf der linken Seite Niko Bretschneider gute Karten in der Vorbereitung hat und sich mit Anton Bäuerle (21/SC Paderborn II) duellieren könnte, ist Nachschub in der Abwehr vonnöten: Nur Routinier Robin Bormuth steht als etablierte Kraft für das Zentrum zur Verfügung. Rechts stehen mit Philipp Fahrner und Calogero Rizzuto zwei solide Optionen parat, kleine Fragezeichen bleiben aber – Rizzuto etwa ist als Führungsspieler gesetzt, wird aber im Winter bereits 35 Jahre alt. Kurzum: Defensiv ist quantitativ und qualitativ noch Potenzial, sich weiter zu verstärken.

Mittelfeld: Ohne Civeja, mit einer großen Unbekannten

Müsste neben Lasse Wilhelm ein zweiter Spieler der Saison ermittelt werden – wahrscheinlich würde die Wahl der FCS-Fans auf Tim Civeja fallen. Selbstbewusst, entschlossen, stark am Ball, im Passspiel und Abschluss. Hätte er nicht rätselhaft schwache Phasen, wäre er wohl bereits früher in der 2. Bundesliga gelandet, was nun aber mit dem Wechsel nach Karlsruhe eingetreten ist. Neben diesem schwer auffangbaren Verlust geht Vereinsikone Manuel Zeitz in den Ruhestand, Richard Neudeckers Abgang wird sportlich nach ganz viel Verletzungspech dagegen kaum spürbar sein. Ganz anders sähe das bei Elijah Krahn aus, auch wenn dieser ähnlich wie Civeja sein Talent nur phasenweise als Stammspieler zeigen durfte: Der 22-Jährige gilt schon länger als umworben, Holstein Kiel war im Frühjahr mal interessiert. Noch aber steht Krahn unter Vertrag.

Ohne ihn hätte der FCS noch vier Bestandsspieler für drei Positionen: Da wäre Sechser Abdoulaye Kamara (21), der im Jahr 2026 verletzungsbedingt völlig außen vor war. Dazu kommt mit Sebastian Vasiliadis (28) einer der besten Spieler im Kader, zuletzt nach langer Muskelverletzung wieder in Form gekommen und unumstrittene Stammkraft. In fast exakt gleicher Position ist Patrick Sontheimer (27), während Herbsttransfer Kaan Caliskaner noch nicht zündete. Sein Standing wird durch die Verpflichtung des 118-fachen Zweitliga-Profis Christian Kühlwetter (30/Regensburg) kaum besser.

Und dann ist da ja noch die wortwörtliche, große Unbekannte: Zac Shouib, geboren in London, ausgebildet unter anderem beim FC Arsenal, zuletzt aktiv bei Real Sociedad im Baskenland, 1,95 Meter groß, 19 Jahre jung. Ein Akteur wie aus der Karrieremodus-Talentschmiede an der Konsole, doch kann der Achter in der 3. Liga für Aufsehen sorgen? Noch ist Shouib nur eine Wette auf die Zukunft.

Sturm: Große Erfahrung auf der Neun

Gleich zehn Spieler kämpften zuletzt um drei Positionen, nun ist mit Rodney Elongo-Yombo, dem gealterten Kasim Rabihic, Amine Naifi, Amine Groune und Luca Wollschläger die Hälfte davon abgewandert. Der Konkurrenzkampf bleibt gegeben, vor allem im Sturmzentrum aber auf (zu) niedrigem Niveau: Kai Brünker hatte noch das beste Jahr, Patrick Schmidt und Dominic Baumann bereiteten keiner Drittliga-Defensive ernsthafte Probleme – und alle drei sind bereits jenseits der 30 Jahre. Hier muss für höhere Ambitionen nachjustiert werden, auch wenn die halbe Liga einen Torjäger sucht.

Auf den Flügeln sollen schließlich Abdenego Nankishi (23/Stuttgart II) und Kelsey Owusu (22/RW Essen) den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen, das Potenzial dazu haben sie sicherlich. Andernfalls wird der 1. FC Saarbrücken auch hier wieder auf Erfahrung setzen müssen: Florian Pick will sein Top-Jahr bestätigen, Maurice Multhaup nach einem Schlüsselbeinbruch neu angreifen. Er wäre, wenn er im Dezember Geburtstag feiert, bereits der fünfte Ü30-Stürmer im Kader. Eine rasche Verjüngung der Offensive sollte daher das zentrale Ziel sein.

 

   

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