Analyse zur Saison 2025/26: Das Zeugnis für die Drittligisten #4

Die 18. Saison der eingleisigen 3. Liga ist Geschichte! Zeit für eine Bilanz: Welche Vereine haben überzeugt? Wer muss eine enttäuschende Spielzeit aufarbeiten? liga3-online.de nimmt alle 20 Klubs unter die Lupe und stellt ein Zeugnis aus. Weiter geht es mit den Plätzen 5 bis 1.

Fazit: Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der Vorsaison sollte es im zweiten Drittligajahr nach dem Abstieg mit dem Wiederaufstieg in die 2. Liga klappen. Doch die Hansa-Kogge kam nur schwer in Fahrt. Am zehnten Spieltag stand ein ernüchternder 15. Tabellenplatz zu Buche, der Stuhl von Trainer Daniel Brinkmann wackelte bereits gewaltig. Doch Rostock besann sich seiner Stärken und setzte wie schon im Vorjahr zu einer Aufholjagd an, die den FCH noch in der Hinrunde bis auf Platz sechs führte.

Im Winter folgte dennoch ein Einschnitt: Sturmtalent Ryan Naderi sollte eigentlich unbedingt gehalten werden, um die Ambitionen nicht zu gefährden, doch die Glasgow Rangers ließen nicht locker und überwiesen eine Ablöse von 5,5 Millionen Euro – Vereins- und Drittliga-Rekord! Auch ohne Naderi blieb die Brinkmann-Elf zunächst auf Kurs, zumal sich mit Emil Holten teamintern schnell ein neuer Toptorjäger fand. Umso bitterer der Einbruch in der Schlussphase: Unerklärliche Patzer gegen Viktoria Köln, Regensburg und Schweinfurt kosteten wertvolle Punkte – und letztlich den Aufstieg.

Zeugnis: Es schien alles angerichtet, ehe Hansa in der Schlussphase der Saison den möglichen Aufstieg aus der Hand gab und damit auch ein deutlich besseres Zeugnis verspielte.

Note: 3

 

Fazit: Man lasse einen Hirschen auf eine Horde Zebras los – und es wird etwas Großes entstehen. Was wie eine Geschichte aus der antiken Mythologie klingt, beschreibt die Situation in Duisburg. Dem emotionalen Dietmar Hirsch gelang es, den Traditionsverein vom Niederrhein neu anzuzünden. Getragen von der Euphorie des direkten Wiederaufstiegs legte der MSV mit sechs Siegen am Stück sogar einen Drittliga-Startrekord hin. Die Zebras galoppierten mit Vollgas zurück an die Spitze der 3. Liga. Bis Ende Oktober grüßte Duisburg von der Tabellenspitze, ehe im Spätherbst und Winter eine schwächere Phase folgte.

Nach der 1:5-Pleite in Rostock Mitte März rutschten die Meidericher erstmals aus den Top 3. Vor allem auswärts taten sich die Zebras schwer, während zu Hause vor den frenetischen Fans fast alles gelang. Als einziges Team im deutschen Profifußball blieb Duisburg daheim ungeschlagen. Doch ausgerechnet am letzten Spieltag, als mit einem Heimsieg gegen Viktoria Köln der Relegationsplatz fixiert werden hätte können, versagten Duisburg auf dramatische Weise die Nerven. Ausgeträumt, der Traum vom Durchmarsch.

Zeugnis: Ein Märchen ohne Happy End. Oder in Schulsprache: Eine Eins mit leichten Abzügen.

Note: 1-

 

Fazit: Am Ende einer langen und kräftezehrenden Saison sind es manchmal wenige Zentimeter, die über Wohl und Weh entscheiden. Hätte Essen im Relegationsrückspiel gegen Greuther Fürth nicht zwei Treffer wegen hauchzarter Abseitsstellungen aberkannt bekommen oder Torben Müsel seine Großchance vor dem leeren Tor genutzt, würde jetzt in Deutschlands elftgrößter Stadt wohl noch immer gefeiert werden. Stattdessen steht der stolze Traditionsverein unter Schock.

Dabei hatte RWE zuvor wiederholt bewiesen, seinen Weg allen Widerständen zum Trotz unbeirrt weiterzugehen. Mehrfach herrschte Krisenstimmung, vor allem nach den Pleiten gegen Osnabrück und Rostock Ende Februar, doch Rot-Weiss fand stets die passende Antwort. Mit sieben Siegen am Stück katapultierte sich die Koschinat-Elf im Endspurt auf Platz zwei. Es folgten das dramatische Top-Spiel gegen Cottbus, in dem RWE eine 3:1-Führung noch aus der Hand gab, und eine 1:6-Klatsche gegen Stuttgart II. Doch mit dem Last-Minute-Sieg in Ulm am finalen Spieltag glückte die bejubelte Antwort, die Essen in die Relegation hievte – wo letztlich Zentimeter fehlten.

Zeugnis: Großer Kampf und viel Moral wurden am Ende denkbar knapp nicht belohnt. Unterm Strich fehlten die defensive Stabilität (66 Gegentore!) und die nötige Konstanz.

Note: 2+

 

Fazit: Eine Saison erstreckt sich über 38 Spiele – und doch lässt sie sich manchmal in einem Schlüsselmoment zusammenfassen. Bei Energie Cottbus war es das Spitzenspiel gegen Rot-Weiss Essen, in dem die Lausitzer vor eigenem Publikum zwischenzeitlich mit 1:3 zurücklagen, ehe der unwiderstehliche Tolcay Cigerci groß auftrumpfte und die Partie innerhalb von neun Minuten per Hattrick drehte. Ein historischer Moment, der das ohnehin euphorisierte Cottbuser Umfeld endgültig anzündete. Voller Energie packte Cottbus die sich bietende Chance beim Schopfe und vollendete die Rückkehr in die 2. Liga mit einer großen Aufstiegsparty in Regensburg.

Angesichts der vergleichsweise bescheidenen finanziellen Möglichkeiten und des Umbruchs im vergangenen Sommer ist diese Leistung kaum hoch genug einzuschätzen. Der bisweilen streitbare Claus-Dieter Wollitz formte eine eingeschworene Einheit, die sämtlichen Widerständen trotzte und sich zudem im Saisonverlauf auch defensiv deutlich steigerte. Keine Frage: Dieser Aufstieg ist auf eine beeindruckende Trainerleistung zurückzuführen.

Zeugnis: Eine emotionale Saison endet im verdienten Aufstieg – eine historische Leistung von Energie Cottbus, das nach zwölf Jahren Abstinenz künftig wieder in der 2. Liga spielen wird.

Note: 1

 

Fazit: Was war das für eine chaotische Saison, die der VfL Osnabrück im Vorjahr durchlebte. Am Rande des Absturzes in die Regionalliga zog der VfL gerade noch den Kopf aus der Schlinge. Entsprechend ging es unter Neu-Trainer Timo Schultz zunächst vor allem darum, Stabilität und Ruhe zurückzubringen. Was nach der Hinrunde mit Platz sieben bereits vielversprechend aussah, entwickelte sich im Laufe der Saison zu einer phänomenalen Erfolgsgeschichte: Die Osnabrücker Rückrunde wurde gar zur besten Halbserie einer Mannschaft in der Drittliga-Geschichte.

Defensiv war der VfL von Beginn an stabil – 19 weiße Westen von Keeper Lukas Jonsson sind Ausdruck dieser sensationellen Defensivstärke. Und als sich nach und nach auch die Offensive um Stürmer Robin Meißner und Zehner Lars Kehl fand, waren die Niedersachsen kaum noch zu stoppen. In der Rückrunde feierten die Lila-Weißen zwischenzeitlich sogar elf Siege aus zwölf Spielen. Die logische Konsequenz war eine der überzeugendsten Drittliga-Meisterschaften überhaupt. Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten?

Zeugnis: Der VfL Osnabrück hat sich für diese Saison ohne Wenn und Aber die Bestnote verdient.

Note: 1+

   

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