Saisonprognose #5: Duisburg, Essen, Münster und Düsseldorf
In knapp zwei Wochen beginnt die 19. Ausgabe der eingleisigen 3. Liga. Wer mischt diesmal im Aufstiegskampf mit? Wer spielt gegen den Abstieg? Und welche Überraschungen hat die so schwer zu berechnende 3. Liga diesmal zu bieten? In fünf Teilen nimmt liga3-online.de alle Teams unter die Lupe und wagt eine Prognose. Im fünften Teil schauen wir auf den MSV Duisburg, Rot-Weiss Essen, Preußen Münster und Fortuna Düsseldorf.

Ausgangslage: Am Ende einer langen Spielzeit fehlten nur wenige Zentimeter: In der Nachspielzeit des letzten Spiels verhinderte der Pfosten den erlösenden Treffer – und damit, dass der MSV Duisburg eine exzellente Saison als Drittliga-Aufsteiger mit der Teilnahme an der Relegation krönte. Doch auch ohne den ganz großen Coup können die Meidericher stolz auf die Vorsaison zurückblicken und mit viel Rückenwind in die neue Spielzeit starten.
Die Euphorie ist jedenfalls ungebrochen: Bereits mehr als 10.000 Dauerkarten wurden verkauft, selbst der vereinsinterne Allzeitrekord könnte fallen. Zusätzlichen Anlass zur Zuversicht liefert der Transfersommer. Sämtliche Leistungsträger konnten gehalten und der Kader zugleich gezielt in der Spitze verstärkt werden. Vor allem spielerisch möchte die Mannschaft von Dietmar Hirsch nun den nächsten Schritt machen, um auch in der neuen Saison oben mitzumischen.
Transfers: Mit Innenverteidiger Martin Ens (Paderborn, zuletzt Verl) und Sechser Max Besuschkow (Ingolstadt) warben die Zebras zwei absolute Leistungsträger von direkten Konkurrenten ab. Das drittligaerprobte Duo soll die Qualität im Spielaufbau deutlich erhöhen. Für die linke Defensivseite kam Frederik Christensen, letzte Saison noch Stammspieler bei Meister Osnabrück. Ramien Safi (Essen) und Peter Remmert (Schalke) erweitern zudem die Möglichkeiten in der Offensive.
Vorbereitung: Zum Auftakt wurden die unterklassigen Gegner Buchholz und Preußen Duisburg jeweils mit 21:0 besiegt. Anschließend gelangen auch gegen Nijmegen (1. Liga Niederlande; 3:2), Bonn (4:1) und Oss (2. Liga Niederlande; 1:0) Erfolge. Gegen den belgischen Zweitligisten Beerschot setzte es eine 2:4-Niederlage, ehe es im Test gegen Bielefeld keinen Sieger gab (1:1). Die Generalprobe steigt gegen Rotterdam aus der Eredivisie, bevor Duisburg zum Saisonauftakt Meppen empfängt.
Prognose: Eine eingespielte Mannschaft, starke Verstärkungen und eine große Euphorie im Umfeld – die Vorzeichen stehen gut. Bekommt der MSV zusätzlich seine Auswärtsschwäche in den Griff und erwischt erneut einen guten Saisonstart, werden die Zebras wieder ganz oben mitmischen – diesmal womöglich mit Happy End. Platz 2 bis 6.

Ausgangslage: Trotz einer beeindruckenden Moral musste sich Rot-Weiss Essen am Ende geschlagen geben. Die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat kämpfte sich in einer Saison mit vielen Highlights und immer wieder folgenden Rückschlägen in die Relegation, zog dort gegen die SpVgg Greuther Fürth jedoch knapp den Kürzeren. Nun nimmt der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet einen weiteren Anlauf auf die ersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga.
Die Voraussetzungen dafür scheinen so gut wie nie. Rund um RWE dominieren die positiven Nachrichten: Die knapp 12.000 Dauerkarten waren bereits Anfang Juli vollständig vergriffen, zudem segnete die Stadt die Pläne für den Stadionausbau ab. Auch der Kader kann sich trotz einiger namhafter Abgänge sehen lassen. Bei den Neuzugängen bediente sich Essen konsequent im obersten Drittligasegment und unterstrich damit seine hohen Ambitionen.
Transfers: Mit Kaito Mizuta (Le Havre), Klaus Gjasula (Hoffenheim II) und Torben Müsel (Magdeburg) verlor RWE drei wichtige Kräfte im Mittelfeldzentrum. Vom Innenverteidiger-Duo Tobias Kraulich und Michael Schultz trennten sich die Verantwortlichen dagegen bewusst, um neue Impulse zu setzen. Hier ruhen die Hoffnungen vor allem auf Max Geschwill (Kiel). Mit Freude wurde aufgenommen, dass Jannik Hofmann (Nürnberg), Franci Bouebari (Freiburg) und Dickson Abiama (Kaiserslautern) nach überzeugenden Leihen fest verpflichtet werden konnten. Mit Aiman Dardari (Augsburg), Semir Telalovic (Nürnberg) und Tony Menzel (Dresden) sicherte sich Essen drei neue, vielversprechende Leihspieler. Janne Sietan (Mannheim) und Noah Pesch (Gladbach) konnten dagegen fest verpflichtet werden.
Vorbereitung: Gegen Bottrop (11:0) und den Stadtrivalen Schwarz-Weiß Essen (5:1) gelangen zunächst zwei klare Siege. Anschließend musste sich RWE jedoch dem österreichischen Erstligisten SV Ried (0:3) und Mönchengladbach (1:2) geschlagen geben, ehe gegen Fünftligist Schonnebeck ein 6:1-Erfolg eingefahren werden konnte. Die Generalprobe steigt gegen Leverkusen, bevor die Saison mit dem Auswärtsspiel in Saarbrücken beginnt.
Prognose: Gelingt im fünften Drittliga-Jahr der ersehnte Aufstieg? Der Kader wurde prominent verstärkt, wirkt aber vor allem im Mittelfeld noch nicht vollständig ausbalanciert, wobei noch weitere Transfers folgen dürften. Dennoch ist mit RWE im Aufstiegsrennen fest zu rechnen. Platz 2 bis 7.

Ausgangslage: Zwei Jahre nach dem Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga ist Preußen Münster zurück in jener Spielklasse, die der Klub damals im Eiltempo übersprang. Seitdem hat sich einiges verändert: Das modernisierte Preußenstadion präsentiert sich in neuem Look, auch die Infrastruktur und die Präsenz in der Stadt sind deutlich gewachsen. Auf dem Rasen ist vom damaligen Drittligakader dagegen nur noch wenig übrig. Mit Simon Scherder, der übrigens auch schon zwischen 2017 und 2020 für Münster in der 3. Liga spielte, Niko Koulis, Rico Preißinger und Malik Batmaz sind lediglich vier Akteure geblieben.
Hinzu kommt Torhüter Johannes Schenk, damals noch Ersatzkeeper und mittlerweile mit einem Millionenmarktwert ausgestattet, der den Verein wohl noch verlassen wird. Neu ist auch der Trainer: Thomas Wörle übernimmt die Preußen. Mit Ulm gelang ihm 2023/24 parallel zu Münster der Durchmarsch aus der Regionalliga in die 2. Liga. Wörle gilt als harter Arbeiter und langfristiger Entwickler und soll dieser Rolle nun auch in Münster gerecht werden.
Transfers: Nach dem Abstieg war ein größerer Umbruch unausweichlich. Insgesamt 16 Spieler verließen den SCP. Anders als etwa in Düsseldorf konnte Münster jedoch zumindest eine Achse an Spielern halten. Bislang kamen neun externe Neuzugänge hinzu, ergänzt durch Nachwuchsspieler und Leihrückkehrer. Bei der Suche nach Neuzugängen gehen die Preußen traditionell kreativere Wege als so mancher Konkurrent. Hoffnungen ruhen unter anderem auf Tim Dietrich (Schalke II) für die Abwehr, Ryan Johansson (Wiesbaden) im Mittelfeld und Felix Higl (Fürth) für den Angriff.
Vorbereitung: Gegen Rheine (1:0), Emden (5:1) und Jeddeloh (3:0) feierte Münster drei Siege in Serie. In zwei Tests gegen Hannover mussten sich die Preußen anschließend mit 0:1 und 0:2 geschlagen geben. Die Generalprobe steigt am Samstag gegen den englischen Zweitligisten Southampton, ehe die Saison in Wiesbaden beginnt.
Prognose: Nach dem deutlichen Zweitliga-Abstieg wollen sich die Preußen zunächst stabilisieren und ein neues Fundament aufbauen. Der Kader besitzt genügend Qualität für die obere Tabellenhälfte, für den direkten Wiederaufstieg dürfte es jedoch noch nicht reichen. Platz 5 bis 11.

Ausgangslage: Fortuna Düsseldorf in der 3. Liga? Was 2008/09 schon einmal Realität war, schien in den letzten 15 Jahren kaum vorstellbar. Nach einer völlig verkorksten Vorsaison musste der Deutsche Meister von 1933 jedoch den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten. Nun steht die Fortuna vor einem gewaltigen Neuaufbau – auch weil ein Großteil der Verträge durch den Abstieg seine Gültigkeit verlor. Geleitet wird dieser von Samir Arabi, der aus seiner Zeit in Bielefeld bestens mit einer solchen Situation vertraut ist. Trainer bleibt Alexander Ende, der die 3. Liga aus seiner erfolgreichen Zeit in Verl kennt.
Trotz des XXL-Umbruchs gilt Düsseldorf gemeinsam mit Hansa Rostock als großer Aufstiegsfavorit. Die enorme Strahlkraft des Klubs und der für Drittliga-Verhältnisse üppige Etat von rund 7,5 Millionen Euro erleichtern die Zusammenstellung eines schlagkräftigen Kaders. Auch die Euphorie im Umfeld ist ungebrochen: Mit 19.000 verkauften Dauerkarten stellte die Fortuna bereits einen Drittliga-Rekord auf. Zudem dürfte die einst selbst aufgestellte Zuschauer-Bestmarke von 50.095 Besuchern im Laufe der Saison fallen.
Transfers: Rekordverdächtigen 28 Abgängen stehen bislang 15 externe Neuzugänge gegenüber. Hinzu kommen Talente aus der U19 und der zweiten Mannschaft. Besonders viel Erfahrung bringen Dominique Heintz (Köln), Philipp Förster (Bochum) und Fabian Schleusener (Karlsruhe) mit. Für das Mittelfeld wurden Jorrit Hendrix, Marcel Benger und Yassine Bouchama aus Münster geholt, wo das Trio bereits mit Ende zusammenarbeitete. Und auch für jüngere Spieler mit viel Entwicklungspotential wurde gesorgt. So kam zum Beispiel das Duo Lasse Rieß (Mainz) und Louis Lord (Aue) für das Tor.
Vorbereitung: Nach klaren Siegen gegen Monheim (6:0), St. Tönis (5:0) und Benrath (12:1) folgte ein 2:0 gegen den slowakischen Erstligisten Ružomberok. Die einzige Niederlage setzte es gegen den österreichischen Meister LASK (0:2), ehe Dortmund, das ohne WM-Fahrer angetreten war, mit 2:1 bezwungen wurde. Die Generalprobe steigt am heutigen Freitag gegen Hannover, bevor die Fortuna in einer Woche in Mannheim die neue Saison eröffnet.
Prognose: Der Umbruch ist enorm, die Erwartungshaltung dennoch gewaltig. Der direkte Wiederaufstieg ist der launischen Diva vom Rhein angesichts des exquisiten Kaders zuzutrauen – ein Selbstläufer wird er jedoch nicht. Platz 1 bis 6.
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