1860 München muss um Lizenz bangen: Fragen und Antworten
2,7 Millionen Euro! Diese Summe muss der TSV 1860 München dem Vernehmen nach bis zum 3. Juni beim DFB nachweisen, ansonsten erhalten die Löwen keine Zulassung zur kommenden Drittliga-Saison. liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.
Präsidium zeigt sich zuversichtlich
Wie ist die Finanzlücke entstanden?
Der Hauptgrund ist, dass Investor Hasan Ismaik den Darlehensvertrag mit dem e.V. wegen angeblicher Verstöße der Geschäftsführung gegen Berichtspflichten gekündigt hat. Manfred Paula, Geschäftsführer der Profifußball-KGaA, geht juristisch gegen die Kündigung der Darlehen vor. Hinzu kommt, dass in der abgelaufenen Saison durch Trainer- und Geschäftsführer-Wechsel Mehrkosten entstanden sind.
Wie reagiert das Präsidium?
In einer Stellungnahme verweist das Präsidium darauf, dass die Erbringung eines Liquiditätsnachweises gegenüber dem DFB im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur 3. Liga ein "regelmäßig wiederkehrender Vorgang zu Beginn einer neuen Spielzeit" sei. Das Präsidium gehe "aktuell davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird". Die entsprechenden Gespräche hierzu würden andauern. "Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir einzelne Sachverhalte der Berichterstattung zum aktuellen Zeitpunkt nicht öffentlich kommentieren." Weiter heißt es, dass das Präsidium alle erforderlichen und angemessenen Maßnahmen ergreifen werde, um die Rechtsposition des Muttervereins und seiner Mitglieder zu wahren und den Spielbetrieb zu sichern.
Was wären die Folgen, wenn 1860 den vom DFB geforderten Liquiditätsnachweis nicht erbringt?
In diesem Fall droht der Zwangsabstieg in die Regionalliga. Genauso war es schon 1982 und 2017, als die Löwen aus der 2. Liga abgestiegen waren und ebenfalls eine Millionen-Summe für die Drittliga-Zulassung erbringen mussten. Konkret ging es um etwa elf Millionen Euro. Aufgrund von Differenzen zwischen Ismaik und dem e.V. blieb eine Zahlung aus, sodass die Löwen keine Zulassung erhielten und bis in die Regionalliga durchgereicht wurden.
Ismaik stellt "sieben sehr relevante Bedingungen" auf
Wie wahrscheinlich ist, dass Ismaik doch noch zahlt?
In den letzten Jahren hatte Ismaik immer wieder Defizite im Etat der Löwen ausgeglichen – etwa in Form von frischem Geld oder durch die Wandlung von bestehenden Darlehen in sogenannte Genussscheine. Auch jetzt arbeitet die Investorenseite an einer Finanzierung, knüpft diese allerdings an "sieben sehr relevante Bedingungen". Darunter auch strukturelle Forderungen rund um den Verein und mögliche Sicherheiten aus Gesellschaftsanteilen. Schon 2017 hatte Ismaik mehrere Bedingungen aufgestellt – und die Löwen dann fallen lassen, nachdem die Bedingungen nicht erfüllt wurden. Das droht auch jetzt wieder.
Klar ist allerdings: Sollte es tatsächlich zum Zwangsabstieg kommen, dürfte es für den Jordanier noch schwieriger werden, einen Käufer für seine Anteile zu finden. Schon seit längerer Zeit ist Ismaik auf der Suche, mehrere Verkaufsversuche seiner Anteile waren zuletzt allerdings gescheitert. Unter den Interessenten befand sich unter anderem eine Gruppe um Thomas Hitzlsperger und den früheren 1860-Geschäftsführer Markus Rejek.
Welche Alternative gibt es zu Ismaik?
Denkbar wären zusätzliche Investoren oder externe Kredite. Beide Varianten gelten allerdings als kompliziert. Ein möglicher Anteilsverkauf müsste von den Mitgliedern genehmigt werden. Für neue Darlehen wäre wiederum die Zustimmung Ismaiks erforderlich. Zudem könnte sich dadurch die finanzielle Situation des Vereins langfristig weiter verschlechtern. Denn laut DFB-Statuten darf das Eigenkapital im Rahmen der im Herbst notwendigen Fortführungsprognose nicht weiter sinken – genau das würde durch zusätzliche Kredite jedoch passieren. Ein Punktabzug in der laufenden Saison wäre die Folge.
Eine weitere Variante könnte der Verkauf von Spielern sein. Besonders Sigurd Haugen und Sean Dulic sind von anderen Klubs umworben. Ob allein durch Transfererlöse die benötigte Summe von 2,7 Millionen Euro zusammenkommen wird, ist allerdings fraglich.
Havelse würde profitieren
Wer würde bei einem Zwangsabstieg anstelle der Löwen in der 3. Liga verbleiben?
In Paragraph 55a Ziffer 3 der DFB-Spielordnung ist festgehalten: Erhält ein Klub keine Zulassung, vermindert sich die Anzahl der aus sportlichen Gründen abgestiegenen Klubs. Heißt: Der erste Absteiger, in diesem Fall der TSV Havelse, würde in der 3. Liga bleiben. Die Niedersachsen wären nach Wacker Burghausen (2009), Werder Bremen II (2011), Darmstadt 98 (2013), dem SC Paderborn (2017) und dem SV Meppen (2021) bereits der sechste Verein der Drittliga-Geschichte, der am grünen Tisch in der 3. Liga bleiben würde.
Würde 1860 die Lizenz für die Regionalliga erhalten?
Sehr wahrscheinlich ja. Die Löwen haben am Zulassungsverfahren teilgenommen und benötigen nur etwa 50.000 Euro als finanzielle Sicherheit.
Welche Auswirkungen hätte der Zwangsabstieg für die Löwen aus sportlicher Sicht?
Laut der "Bild" besitzen nur acht Spieler einen Vertrag für die Regionalliga. Alle anderen Akteure könnten ablösefrei gehen, wodurch den Löwen wichtige Transfererlöse entgehen würden. Auch Trainer Markus Kauczinski wäre nicht zu halten.