Fehlentscheidungen: Wer am häufigsten benachteiligt wurde

Nach jedem Spieltag analysiert Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati exklusiv für liga3-online.de die strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Doch wer wurde bislang am häufigsten benachteiligt und wer profitierte am meisten? liga3-online.de klärt auf.

Löwen mit großem Abstand an der Spitze

178 Mal lagen die Schiedsrichter in der laufenden Saison in den von Rafati analysierten Szenen (Tore, Elfmeter, Platzverweise) nach Einschätzung des 55-Jährigen daneben. Auf die Saison hochgerechnet würden sich insgesamt 225 falsche Pfiffe ergeben – 20 weniger als in der letzten Saison.

Die mit Abstand meisten Fehlentscheidungen musste bislang der TSV 1860 München hinnehmen. Schon 20 Mal lagen die Unparteiischen bei den Löwen daneben – darunter bei zwölf Elfmeter-Pfiffen (Liga-Spitze). Zuletzt hätte 1860 beim Spiel gegen Aue einen Elfmeter bekommen müssen, im Duell mit dem VfB Stuttgart II Anfang Februar hätte es sogar gleich zwei Strafstöße geben müssen. Angesichts der hohen Anzahl von Fehlentscheidungen hatte Präsident Gernot Mang im Februar angekündigt, Beschwerde beim DFB einlegen zu wollen. Vor allem die "Häufung spielentscheidender Fehlentscheidungen" waren dem 57-Jährigen ein Dorn im Auge. "Ich habe kein Problem mit ein, zwei Fehlern. Aber es geht um Elfmeter, Abseitssituationen, klare Szenen – zuletzt wieder in Stuttgart. Das ist nicht mehr akzeptabel." Was aus der Beschwerde geworden ist, dazu gibt es keine Informationen.

Auf Platz zwei folgt der SC Verl mit 14 Fehlentscheidungen. Duisburg wurde zwölfmal benachteiligt und belegt damit Rang 3, dahinter kommen Köln, Aachen und Rostock mit jeweils elf falschen Pfiffen. Die wenigsten Fehlentscheidungen gab es bislang gegen den SSV Jahn Regensburg. Nur viermal sind die Oberpfälzer laut Rafati benachteiligt worden. Größter Streitpunkt sind die Strafstöße: Hier entschieden die Unparteiischen Rafati zufolge 98 Mal falsch, was einen Anteil von 55 Prozent aller Fehlentscheidungen ausmacht.

Fehlentscheidungen (benachteiligt)

Stand: 23. März
#Tor11mPlatzverweisGesamt
 Gesamt:339847178
1 112720
2 28414
3 36312
4 15511
25411
08311
7 35210
25310
43310
28010
11 3317
5027
1247
14 0516
2136
2406
0606
18 1315
0505
20 0314

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Erläuterungen:

  • Tor: Eigenes Tor wird aberkannt oder Gegentor durch Fehlentscheidung (Abseits, Foulspiel vorangegangen etc.)
  • Elfmeter: Elfmeter wird nicht gegeben oder unberechtigter Elfmeter gegen sich
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen sich oder Gegner erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

Hoffenheim II profitierte am häufigsten

Die meisten Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten erhielt nach Rafatis Einschätzungen bislang die TSG Hoffenheim II. Schon 14 Mal entschieden die Unparteiischen demnach für die Kraichgauer, obwohl die Entscheidung zugunsten des Gegners hätte ausfallen müssen. Auf Platz zwei folgt Erzgebirge Aue, das in 13 Szenen profitierte, dahinter rangiert Alemannia Aachen (zwölf Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten).

1860, das am häufigsten benachteiligt wurde, profitierte dagegen erst achtmal von einer Fehlentscheidung, was im Liga-Vergleich den 11. Platz bedeutet – zusammen mit Schweinfurt, Stuttgart II und Regensburg. Am seltensten profitierte der VfL Osnabrück (nur viermal).

Fehlentscheidungen (profitiert)

Stand: 23. März
#Tor11mPlatzverweisGesamt
 Gesamt:339847178
1 38314
2 39113
3 27312
425411
44311
25411
7 18110
35210
9 3339
1629
11 2338
0538
1528
0718
15 2417
1337
1427
182226
19 0235
20 0314

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Erläuterungen:

  • Tor: Gegnerischer Treffer wird aberkannt oder eigener Treffer gegeben trotz Fehlentscheidung
  • Elfmeter: Gegner erhält berechtigten Elfmeter nicht oder unberechtigter Elfmeter erhalten
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen den Gegner oder eigenes Team erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

Große Differenzen bei 1860, Aue und Hoffenheim

Gleichen sich die Entscheidungen im Laufe der Saison aus? Bislang kommt das nach Auswertung von Rafatis Einschätzungen bei Cottbus (zehnmal benachteiligt, zehnmal profitiert) und Rostock (11/11) hin. Bei vielen Klubs aber nicht. So wurde 1860 München schon 20 Mal benachteiligt (Liga-Spitze), profitierte aber erst achtmal. Auch Köln (11/5) und Osnabrück (10/4) wurden deutlich häufiger benachteiligt als dass sie profitierten.

Genau anders herum verhält es sich bei der TSG Hoffenheim II: Während die Kraichgauer "erst" sieben Fehlentscheidungen hinnehmen mussten, profitierten sie gleich 14 Mal von einer solchen. Aue (6/13) wurde ebenfalls deutlich häufiger bevorteilt als benachteiligt.

Pech vs. Glück

BenachteiligtProfitiertDifferenz
208-12
115-6
104-6
149-5
127-5
106-4
10100
11110
10111
11121
671
572
682
682
7103
484
594
7114
6137
7147

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Auswirkungen auf die Tabelle?

Natürlich wirken sich die Fehlentscheidungen auch auf die Tabelle aus – positiv wie negativ. So ist nicht von der Hand zu weisen, dass fünf der acht Teams, die am häufigsten profitierten, in der oberen Tabellenhälfte stehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Verl und Duisburg zu den Spitzenteams gehören, obwohl sie am zweit- beziehungsweise dritthäufigsten benachteiligt wurden. Zudem ist Erzgebirge trotz der Tatsache, am zweithäufigsten profitiert zu haben, Drittletzter.

Denn: Natürlich spielt es immer auch eine Rolle, welche Entscheidungen falsch waren, zu welchem Zeitpunkt während der Partie sie getroffen wurden und welchen Einfluss sie auf den weiteren Spielverlauf nahmen. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass etwa nicht gegebene Elfmeter tatsächlich verwandelt worden wären. Aus diesen Gründen lässt sich auch keine "wahre Tabelle" erstellen.

VAR auch für 2026/27 kein Thema

Um zumindest die klaren Fehlentscheidungen zu verhindern, wie etwa das 2:1 von Mannheim im Spiel gegen Aue am vergangenen Samstag, wird schon seit längerer Zeit über die Einführung des VAR diskutiert. Während sich eine Mehrheit der liga3-online.de-Leser zuletzt grundsätzlich für den Videobeweis ausgesprochen hatte, war eine Mehrheit der Vereine bislang dagegen – vor allem aufgrund der Kosten. Bei einer Managertagung im Februar wurde den Klubs vom DFB das Modell "Football Video Support" (FVS) vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine vereinfachte und kostengünstigere Alternative zum Video Assistant Referee.

Anders als beim VAR überwacht kein zusätzliches Videoteam permanent das Spiel, stattdessen kann der Trainer in klar definierten Situationen – etwa bei Toren, Elfmetern oder Platzverweisen – eine Überprüfung beantragen. Ob der FVS grundsätzlich in Wettbewerben genutzt werden kann und darf – und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form, ist aber noch offen. Klar ist nur: Auch in der kommenden Saison wird es in der 3. Liga keinen Videobeweis geben.

   

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