Dresden und Bielefeld: Warum die Zweitliga-Aufsteiger erneut zittern

14 Teams schafften in den letzten fünf Jahren den Aufstieg in die 2. Bundesliga, nur sechs stiegen nicht direkt wieder ab. Zuletzt gelang das lediglich Preußen Münster, während die anderen zwei der drei Neulinge wieder den Gang nach unten antreten mussten. Eine Quote, die sich auch in dieser Saison kaum zu verbessern scheint: Dynamo Dresden steht aktuell auf einem direkten Abstiegsplatz, Arminia Bielefeld findet sich auf dem Relegationsrang wieder. Zufall? Wohl kaum. Die Ursachen für das wiederkehrende Scheitern sind vielschichtig – einfache Antworten greifen zu kurz.

Qualität: Größerer Unterschied, als man denkt?

Oft wird argumentiert, der sportliche Abstand zwischen 3. und 2. Liga sei schlicht zu groß. Die Relegation liefert dafür auf den ersten Blick ein eindeutiges Bild: In 17 Duellen setzte sich zwölfmal der Drittligist durch, nur fünfmal der Zweitligist. Zum Vergleich: Zwischen Bundesliga und 2. Liga gewann lediglich dreimal der Zweitligist. Doch das relativiert sich schnell wieder – denn zwei Partien können keine 34 Spieltage ersetzen – zumal die beiden Partien eigene Dynamiken entwickeln und eher Momentaufnahmen als belastbare Gradmesser sind.

Spielt dann das Geld eine Rolle? Ein Blick auf die TV-Gelder zeigt klare Unterschiede. Der VfL Bochum erhielt nach dem Bundesliga-Abstieg knapp 20 Millionen Euro, Dynamo Dresden als Aufsteiger rund sieben Millionen. Das Gefälle ist enorm – doch Geld allein garantiert keinen Erfolg. Bochum etwa musste sich trotz finanzieller Vorteile erst finden, rutschte zwischenzeitlich ans Tabellenende und stabilisierte sich erst nach dem Trainerwechsel zu Uwe Rösler. Gleichzeitig steht mit der SpVgg Greuther Fürth ein Klub am Tabellenende, der mit rund 13 Millionen Euro im oberen Mittelfeld der TV-Geld-Rangliste liegt. Der Zusammenhang ist zwar da – aber nicht durchweg.

Der entscheidende Punkt: Kontext und Entwicklungszeit

Letztlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Pauschal lässt sich das nicht beurteilen – nur individuell. Der SSV Ulm 1846 etwa marschierte binnen zwei Jahren von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga. Dass es dort schnell eng wurde, kam kaum überraschend. Ein massiv umgebauter Kader bräuchte Zeit – Zeit, die Aufsteiger im Kampf um den Klassenerhalt selten bekommen. Hinzu kommt ein kombiniertes Risiko aus Finanzen und Sport: Steigt man ab, muss der Kader im Sommer erneut umgebaut werden. Das kostet abermals Zeit und Geld. Lässt man die Mannschaft über große Teile zusammen, müssen Spielweise, Einsatz und Leidenschaft passen. Manchmal geht der Plan auf, manchmal nicht.

Dass es funktionieren kann, zeigte die SV Elversberg eindrucksvoll: ein klarer, vom Trainer unabhängiger Spielstil, mutige Kaderentscheidungen und das nötige Quäntchen Glück – etwa bei der Entwicklung einzelner Spieler wie Younes Ebnoutalib. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der SC Verl und ist aktuell Tabellenführer der 3. Liga. Sollten die Ostwestfalen tatsächlich den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen, wäre es spannend zu beobachten, ob dieser Weg erneut auch in der 2. Liga funktioniert.

Dresden und Bielefeld: Zwei Aufsteiger, zwei Baustellen

Zurück zur aktuellen Lage – und hin zur individuellen Betrachtung. Dynamo Dresden versuchte vor der Saison, den Kader gezielt zu verstärken, bewegte sich dabei jedoch in engen finanziellen Grenzen. Beim VW-Cup in Zwickau sagte der damalige Sportdirektor Thomas Brendel noch: "Wir brauchen schon ein bisschen Fantasie, wen wir hinter uns lassen können." Anfang November folgte seine Freistellung, Sören Gonther übernahm und tätigte früh mehrere Leihtransfers. Der erste Eindruck stimmt: Der 2:0-Sieg zum Rückrundenauftakt gegen Greuther Fürth war ein Signal. Gleichzeitig wäre es zu einfach, die vorherige Phase nur negativ zu bewerten. Oftmals verpasste es Dresden, gute Leistungen in Tore oder Punkte umzumünzen. Das zeigt auch die xG-Tabelle: Dort wird die SGD Dresden auf Rang 15 verortet.

Noch deutlicher wird das bei Arminia Bielefeld. Rein nach Expected Goals stünde das Team von Mitch Kniat auf Platz zwölf – statt auf dem Relegationsrang. Der Saisonstart war ordentlich, doch inzwischen wartet die Arminia seit acht Spielen auf einen Sieg, die letzten sieben Partien gingen allesamt verloren. Am Wochenende gegen Holstein Kiel geht es daher nicht nur um Punkte, sondern auch um Stimmung und Selbstvertrauen. Sportlich fehlt es aktuell an Tiefe und Durchschlagskraft. Die Neuzugänge Semir Telalovic, Jannik Rochelt und Maximilian Bauer konnten bislang kaum Akzente setzen, einzig Joel Grodowski befindet sich in Form. Vor allem im DFB-Pokal konnte Bielefeld über Leidenschaft, aber auch spielerischer Klasse überzeugen. Aktuell muss wohl mehr über die Mentalität kommen. Dass die Arminia ein Comeback kann, bewies sie in der 3. Liga. Nach einem Tief in der Mitte der Saison, stieg die Kniat-Elf noch auf – obwohl man zeitweise weit außerhalb der Aufstiegsränge war.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button