8 Thesen an Kutschke: "Auf der Tribüne sitzen und ablästern"

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Im Thesen-Interview mit liga3-online.de spricht FCI-Kapitän Stefan Kutschke über den kurzen Dienstweg von Ingolstadt nach München, seinen persönlichen Deadline-Day und das Spiel gegen die "kleine, weiße Sau".

"Würde das Weißbier vorziehen"

liga3-online.de: Stefan Kutschke, seit dieser Saison sind Sie Kapitän und Torjäger in einer Person beim FC Ingolstadt. Manchmal ist es Ihnen bestimmt unangenehm, so sehr im Mittelpunkt zu stehen.

Stefan Kutschke: Meine Rolle hat sich verändert, aber nicht die Person Stefan Kutschke. Ich war immer ein Typ, der gerne Verantwortung übernimmt. Die Kapitänsbinde sehe ich als zusätzlichen Ansporn, dem Verein etwas zurückzugeben. Toretechnisch ist mir das bis jetzt gelungen. Darüber hinaus haben wir viele junge Spieler im Kader, die ich dadurch auf keinen Fall in den Schatten stellen, sondern mitnehmen möchte.

Nach dem Zweitliga-Abstieg mit dem FCI haben Sie eigentlich nur den Vertrag verlängert, um mit Ihrer Freundin jedes Jahr einen kurzen (Dienst)-Weg nach München zum Oktoberfest zu haben!

Total! Ganz wichtig war auch, dass man in München immer Champions League-Fußball schauen kann und im Winter noch den Schnee direkt vor der Haustür hat. Im Ernst: Wintersport wird bei mir und meiner Familie groß geschrieben – auch wenn es die Vereine vielleicht nicht immer gerne sehen. (lacht)

Zum Oktoberfest geben wir das Stichwort RB Leipzig hinzu: Weißbier schlägt auch Red Bull – mit/ohne Wodka!

Das kommt immer ein bisschen auf den Anlass an. Grundsätzlich würde ich ganz klar das Weißbier vorziehen.

Es heißt, Sie hätten in der Sommerpause viel telefoniert und den einen oder anderen Mitspieler ebenfalls überzeugt, mit dem FCI den Weg in die 3. Liga zu gehen. In vier, fünf Jahren sehen wir Stefan Kutschke als Assistent von Sportdirektor Michael Henke!

Puh, ich weiß gar nicht, ob Michael Henke es so lange abseits des Platzes aushält – und dann auch noch mit mir als Assistent. (lacht) Viel lieber würde ich in vier Jahren noch als Spieler auf dem Platz stehen. Albert Bunjaku von Viktoria Köln zeigt ja, was in dem Alter noch möglich ist für einen Stürmer. In welche Richtung es danach für mich weitergeht, kann ich nicht sagen. Mal ein paar Jahre abschalten, auf der Tribüne sitzen und selbst darüber meckern, wie blind die Spieler doch alle sind, wäre auch eine Option.

 

"Golf mehr als ein Ausgleich zum Fußball"

In der vergangenen Saison hatte Ingolstadt übrigens drei Sportdirektoren und fünf Trainer. Auf einen dieser Trainer hätte Stefan Kutschke in seiner Karriere sicher gerne verzichtet. Jens Keller zum Beispiel.

Wir hatten menschlich überhaupt keine Probleme. Dass ich wenig bis gar nicht gespielt habe, lag eher an mir. Da muss ich mich auch mal selbst in die Pflicht nehmen. Im Fußball kann es schnell gehen. Unter Tomas Oral war ich dann einige Monate später wieder ein wichtiger Faktor für das Team. Ich kann ohne Groll sagen, von jedem Trainer etwas mitgenommen zu haben.

Am Deadline Day (2. September) hat Ihr Ex-Klub Dynamo Dresden angeklopft, doch Sie hatten ihr Handy ganz bewusst ausgeschaltet.

Mein Handy lasse ich an dem Tag immer an, um den Transfer-Wahnsinn zu verfolgen. Selbst war ich in meiner Karriere an noch keinem Last Minute-Wechsel beteiligt. Und Dresden hatte ja schon auf das Sturmproblem reagiert. Alexander Jeremejeff ist ein ähnlicher Stürmer-Typ wie ich.

Abseits des Platzes sieht man Sie mit dem Golfschläger. Sie wären längst auf dem Level eines Martin Kaymer, wenn Sie nicht so sehr am Fußball hängen würden.

Rückblickend würde ich mir durchaus wünschen, etwas eher mit diesem Sport angefangen zu haben. Ich stehe nach fünf Jahren bei Handicap 14,2 – da geht noch viel mehr! Für mich ist Golf teilweise mehr als ein Ausgleich zum Fußball. Der Reiz liegt darin, dass du ganz auf dich allein gestellt bist und keinen Schiedsrichter für etwas verantwortlich machen kannst. Es ist ein Spiel: Ich gegen die kleine, weiße Sau!

Zum Abschluss vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Wenn Ingolstadt die Rückkehr in die 2. Liga schafft, erleben wir Stefan Kutschke auf der Aufstiegsfeier als…

…stolzen Kapitän eines Vereins, den ich bei einem gelungenen Neuanfang begleiten darf. Was darüber hinaus geht, wird sich zeigen. In Dresden war die Party damals so gut, dass ich davon nicht mehr allzu viel weiß. (lacht)

   

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