3. Liga soll für Türkgücü "nicht das Ende der Reise sein"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny über die Vorfreude auf die 3. Liga, Kaderplanungen, Ziele und die immer noch ungeklärte Stadionfrage.

"Der Klub ist ein Unikat"

liga3-online.de: Türkgücü München spielt in der kommenden Saison erstmals in der 3. Liga. Welche Chancen und Herausforderungen birgt das für den Verein, Herr Kothny?

Max Kothny: Wir haben die Möglichkeit, uns deutschlandweit zu präsentieren, unseren Bekanntheitsgrad deutlich zu erhöhen und fast jedes Wochenende auf große Traditionsvereine zu treffen. Uns erfüllt es mit Stolz, bei Türkgücü ab sofort Profifußball zu spielen. Wirtschaftlich und infrastrukturell gesehen ist die 3. Liga für uns eine Herausforderung, die viel leidenschaftliche Arbeit erfordert. Diese Herausforderung gehen wir aber mit vollem Tatendrang an.

Für viele Drittliga-Fans ist Ihr Klub ein noch unbeschriebenes Blatt. Worauf kann sich die 3. Liga mit Türkgücü freuen?

Auf den ersten Migrantenverein im deutschen Profifußball. Der Klub hat in den letzten vier Jahren, in denen das Projekt wiederbelebt wurde, etwas Einzigartiges geschafft und ist ein Unikat. Nach nun drei Aufstiegen in Folge wollen wir auch in der 3. Liga mit attraktivem Fußball begeistern.

Worauf freuen Sie sich am meisten in der 3. Liga?

Nicht nur für den Verein, auch für mich persönlich wird es das erste Jahr in einer Profiliga. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, zu wissen, dass wir zu den besten 56 Mannschaften des Landes zählen und jeder Fußballgeisterte in Deutschland nun den Namen Türkgücü München kennt. Wir können die Duelle mit Klubs wie 1860 München, SpVgg Unterhaching, 1. FC Kaiserslautern oder MSV Duisburg kaum erwarten.

 

"Wollen uns in der 3. Liga etablieren"

Die Kaderplanungen schreiten voran, einmal mehr gibt es einen neuen Umbruch mit Alexander Schmidt als neuen Trainer und vielen neuen Spielern. Worauf liegt bei der Teamgestaltung der Fokus?

Wir hatten in den letzten Jahren ligabedingt regelmäßig große Kaderumbrüche. Vor allem 2019, als wir nach dem Aufstieg in die Regionalliga Bayern auf Vollprofitum umgestellt haben. Jetzt möchten wir aber das Team nachhaltig verbessern, die Fluktuation geringer halten und mehr auf Kontinuität setzen. Wir konnten die meisten unserer Leistungsträger aus der Regionalliga von einem Verbleib überzeugen und haben den Kader mit einigen Neuzugängen verstärkt. Große Umbrüche soll es erst einmal nicht mehr geben. Ziel ist es, eine Kaderbasis aufzubauen, mit der wir in der 3. Liga konkurrenzfähig sind.

Wie sieht sonst die Zielsetzung in der 3. Liga aus?

Erst einmal ist es wichtig, dass wir in der 3. Liga ankommen. Damit meine ich nicht nur, dass wir sportlich gut starten, sondern uns auch infrastrukturell weiterentwickeln, um noch professioneller arbeiten zu können. Um nur ein Beispiel zu nennen: Unsere Trainingsplätze haben noch keine Rasenheizung, die vor allem in der Wintervorbereitung wichtig wird. Aus sportlicher Sicht wollen wir uns in der 3. Liga etablieren und irgendwann auch mal den Blick nach oben wagen. Die 3. Liga soll langfristig nicht das Ende unserer Reise sein.

Unklar ist weiterhin die Stadionfrage. Möglich ist, dass die Heimspiele in verschieden Spielstätten ausgetragen werden. Wie ist der Status quo?

Stand jetzt ist es sehr wahrscheinlich, dass wir unsere Heimspiele in unterschiedlichen Stadien absolvieren werden. Natürlich würden wir am liebsten immer in München spielen und die Partien entweder im Grünwalder Stadion oder im Olympiastadion austragen. Aber die besondere Situation mit drei Münchner Profivereinen erfordert nun einmal, dass man sich anpasst und alternative Lösungen sucht. Deshalb kann es gut sein, dass wir auch in Würzburg und Burghausen spielen. Bei all dem Hickhack um die Stadionfrage möchte ich aber an dieser Stelle noch einmal betonen: Wir sind insgesamt einfach unglaublich froh, den Sprung in die 3. Liga so früh geschafft zu haben. Jegliche zusätzliche Arbeit, die damit einhergeht, machen wir gerne.

   
  • Rber

    Verpisst euch, Drecksladen 🖕😝

  • Nikita

    Der Verein wurde 1975 von türkischen Einwanderern gegründet. Dass er auf dem Weg nach oben seine
    Spieler zunehmend nach Qualifikation und weniger nach Herkunft der Eltern verpflichtet, ist irgendwie nachvollziehbar. Deshalb würde ich ihn nicht gleich als Verein abstempeln, der mit der türkischen Gemeinde nichts zu tun hat. Außerdem spricht auch nichts dagegen, wenn sich ein türkischer Verein zu einem türkisch-deutschen Verein entwickelt, finde ich. Ich würde ihn auch nicht als geschichtslosen Retortenclub bezeichnen, viel älter kann ein türkischer Verein kaum sein und er hat immerhin schon in den 1980er und 1990er Jahren drittklassig (Bayernliga = Oberliga) gespielt.

    Mit Hasan Kivran hat er zwar einen Geldgeber, aber abgesehen davon, dass viele andere Vereine ja auch einen Hauptsponsor haben, hat Kivran immerhin selbst für den Verein gespielt. Es handelt sich also nicht um einen Investor aus Dubai oder Russland ohne biografischen Bezug zum Club, wie bei anderen Vereinen.

    Und wieviele Fans er mobilisiert, jetzt, da die Spiele auf einem anderen Niveau stattfinden und er viel bekannter wird, würde ich auch abwarten.

    Ich werde mir jedenfalls erstmal ein Bild machen, bevor ich über den Verein ein Urteil fälle.

    • Falk Schmiedeknecht

      Das liest sich nach vielen Parallelen zum 1899-Hoppenheim-Plot und erzeugt bei mir (noch) keinen positiven Spin.
      Übrig bleibt die Frage, wie man mit einem solchen Spielstätten-Patchwork überhaupt Zugang zum Profibereich des Herrenfußballs bekommen kann.
      Ich hatte es immer so verstanden, dass das DFB-Premium-Produkt die Amateur-Spreu vom Profi-Weizen trennen helfen soll.

      • Nikita

        Ich kenne mich in München nicht aus, aber aus der Ferne fände ich es logischer, wenn die Stadt Türkgücü im Stadion an der Grünwalder Straße spielen ließe und nicht Bayern 2. Die könnten ja in ihr eigenes Stadion gehen, also in die Allianz-Arena. Türkgücü vorzuwerfen, dass sie kein eigenes Stadion besitzen, ist nicht fair, finde ich. Das trifft auf die meisten Vereine in der 3. Liga zu. Und mit vier Profivereinen in einer Stadt würde es stadionmäßig überall eng.

  • Michael Vogel

    Ein Club ohne Stadion und ohne Fans will in die 2. Bundesliga? Normalerweise dürften die nicht mal in die 3. Liga, wenn der DFB sich an die eigenen Statuten halten würde.

    • Falk Schmiedeknecht

      Migrantenverein, weil Biografien mit Migrationsbezug bei Spielern und/oder administrativem Personal im Verein einen Schwerpunkt haben = interessanter, begrüßenswerter Integrationsansatz, viel Erfolg!

      Migrantenverein, weil weiteres Trojanisches Mäzenen-Steckenpferdchen von Mäzen mit Migrations-Bio-Bezug = ohne mich, was soll das?

      …und was Michael Vogel sagt…

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