17. August 2017 um 11:39 Uhr

DFB-Vorstoß: Drittligisten reagieren überwiegend positiv

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© imago/Kuttner

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Die Ankündigung von DFB-Präsident Reinhard Grindel, vorerst auf Kollektivstrafen verzichten zu wollen und stattdessen den Dialog mit den Fans zu suchen, ist bei den Vereinen der 3. Liga überwiegend positiv aufgenommen worden. Kritische Stimmen gab es aber auch.

Hansa: "Der Ball liegt nun ganz klar bei uns allen"

Aufgrund der Vorfälle beim Pokalspiel gegen Hertha BSC stand der F.C. Hansa Rostock in den vergangenen Tagen verstärkt im öffentlichen Fokus, den Vorstoß des DFB bewertet die Kogge nun als positiv: "Damit liegt der Ball nun ganz klar bei uns allen", teilte Hansa am späten Mittwochabend mit und betonte: "Wir alle haben immer den Dialog gefordert, haben immer davon gesprochen, dass es einen runden Tisch geben muss und dass wir ein Ende der Sanktions- und Gewaltspirale wollen!" Das nun unterbreitete Gesprächsangebot begrüßt der F.C. Hansa daher, erklärt "ganz klar" seine Dialogbereitschaft und kündigt an: "Wir werden uns aktiv einbringen –  im Sinne und zum Wohle des Fußballs! Wir sind nun alle gefordert und können zeigen, dass wir unseren vielen Worten auch Taten folgen lassen!"

Kallnik fordert transparenteres Strafensystem

Auch beim 1. FC Magdeburg, der in der Vergangenheit mehrfach von Blocksperren betroffen war, kam der Vorstoß des DFB-Präsidenten gut an: "Die Erklärung seitens des DFB wird vom 1.FC Magdeburg uneingeschränkt geteilt. Den Dialog mit den Fans anzunehmen, ist ein vernünftiger Weg", sagte Manager Mario Kallnik dem MDR. Voraussetzung, so Kallnik weiter, bleibe aber, dass Gewalt und die Gefährdung der Gesundheit von Zuschauern nicht toleriert werden dürfe. Auf der anderen Seite forderte der 42-Jährige in der "Volksstimme" mehr Transparenz, was das Strafensystem angeht: "Es muss wie im Straßenverkehr klar geregelt werden, welche Strafen es für bestimmte Vergehen gibt. Je schlimmer das Vergehen ist, umso härter sollte die Strafe für die Täter sein." Momentan seien viele Urteile immer wieder sehr überraschend, findet der FCM-Manager. Die Transparenz fehle. Zudem wirbt Kallnik dafür, das Zünden von Pyrotechnik im Rahmen einer Choreo anders zu bestrafen als beispielsweise die Randale in Rostock.

Höhere Geldstrafen die Folge?

Michael Schädlich, Präsident des Halleschen FC, wertete den DFB-Vorstoß gegenüber dem MDR ebenfalls als "gutes Zeichen" und als "den richtigen Weg", zumal Kollektivstrafen in der Vergangenheit "noch nie dauerhaft abschreckende Wirkung" erzielt hätten und stets Fans in Mitleidenschaft gezogen habe, "die sich nichts zu Schulden kommen ließen", so Schädlich weiter. Daher sei der angekündigte Verzicht "absolut zu begrüßen und in unserem Sinne." Dialog sei dabei die Grundvoraussetzung und werde vom HFC "seit jeher favorisiert im Umgang mit den Fans." Allerdings stelle sich laut dem HFC-Präsidenten nun die Frage, "wie etwaige Verfehlungen stattdessen geahndet werden. Höhere Geldstrafen können Vereine ebenso in den Grundfesten erschüttern", befürchtet Schädlich.

Kritische Worte von Paderborn-Geschäftsführer Hornberger

Deutlich kritischere Worte zur vorübergehenden Abschaffung der Kollektivstrafen findet Martin Hornberger, Geschäftsführer des SC Paderborn. Wie der 55-Jährige der "Neuen Westfälischen" sagte, tue sich der DFB mit dem vorläufigen Aussetzen der Kollektivstrafen "sicher keinen Gefallen." Seine Begründung: "Solche Dinge, wie sie jetzt in Rostock passiert sind, müssen einfach erheblich sanktioniert werden." Ganz wichtig sei auf der anderen Seite aber, dass der DFB nun den Dialog mit den Fans suche, so Hornberger weiter. Die bundesweite Interessengemeinschaft "Unsere Kurve" sowie das Bündnis "ProFans", zu dem vor allem Vertreter aus den Ultra-Szenen gehören, begrüßen den DFB-Vorstoß unterdessen und haben in Stellungnahmen ihre Mitarbeit erklärt.

 

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