13. Juli 2013 um 20:31 Uhr

Testspieler Peter Gregory: Über Twitter zum F.C. Hansa Rostock?

Von
Gregorygroß

Der Fußball ist schon seit langem mehr als ein Sport. Im Jahr 2013, in dem Fußballvereine durch Südostasien und die USA touren, um Fans und potenzielle Merchandisingkäufer zu werben, ist es selten geworden, dass ein Spieler, neben der offiziellen „sportlichen Herausforderung“ und der inoffiziellen Verbesserung seiner Bezüge, zu einem Verein wechseln will, der ihn in seinem Gesamtbild wirklich beeindruckt. Als Peter Gregory vor einigen Wochen durch einen Kontakt über seinen Berater zu einem Probetraining nach Rostock reiste, wusste er nichts von der Stadt, dem Verein und den Menschen. Doch in nur wenigen Tagen beeindruckte ihn das Prinzip des ehemaligen Bundesligisten, der nach einem heftigen Absturz hinter Clubs wie Energie Cottbus, Dynamo Dresden oder Union Berlin nur noch die vierte Geige im ostdeutschen Fußball spielt. Er fühlte sich an seine Zeit beim FC Portsmouth erinnert, dessen Geschichte der des F.C. Hansa sehr ähnlich ist. Als ebenfalls ehemaliger Erstligist in England geriet der Verein von der Südküste Englands an überambitionierte Besitzer und einer heftigen finanziellen Pleite folgte der Absturz bis in die vierte Liga, wo der Verein nun in der kommenden Saison den Neuanfang plant und weit hinter dem ehemals unterlegenen Erzrivalen aus Southampton rangiert. Gregory verglich bereits nach einigen Tagen die familiäre und hilfsbereite Stimmung in der Hansestadt mit den angenehmen Erinnerungen an den englischen Traditionsverein.

Sponsorensuche bei Twitter

Nach guten Eindrücken im Training und im Testspiel gegen Halberstadt flog Gregory zurück nach England und wartete bis gestern hoffnungsvoll auf einen Anruf aus Rostock. In der Zwischenzeit wurde er nicht müde, seine positiven Eindrücke von der Stadt und dem Verein kundzutun und man erlebte einen jungen Fußballspieler, der sich sprichwörtlich in einen Verein und seine Fans verliebt hatte. Am gestrigen Freitag erhielt er allerdings die Absage des Vereins. Trotzdem ließ der 20-jährige Mittelfeldallrounder nicht locker und griff über den Kurznachrichtendienst Twitter zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Da der Transfer zu den finanziell klammen Rostockern nach eigenen Angaben an den Kosten scheiterte, appellierte Gregory an die Rostocker Firmen, den F.C. Hansa zu unterstützen, sodass dieser den Transfer doch noch realisieren könnte.

Unmittelbar darauf erklärte sich gar sein Berater bereit, auf sämtliche Bezahlungen, die aus diesem Transfer hervorgehen würden, eine Provision oder zusätzliche andere Zahlungen, zu verzichten.


Zuspruch bekam der Spieler von diversen Fans des F.C. Hansa, die den eifrigen Nutzer des sozialen Netzwerks Twitter per Kurznachrichten ermunterten und ihrerseits Aufrufe an den NDR und andere norddeutsche Medien versendeten, sich der Geschichte des jungen Briten anzunehmen. So schwappte eine Welle der Euphorie durchs Internet, die den Usern einiger Rostocker Fußballforen nicht ganz geheuer war, zu groß war der Trubel um ihren Club, der endlich einmal zur Ruhe kommen sollte, zu unbekannt auch die Mobilisierung über soziale Netzwerke. Dabei ging der wahre Beweggrund Gregorys leider etwas verloren:


„Ich will Teil einer Mannschaft und nicht nur eine beliebige Nummer bei einem Verein sein. Rostock hat eine große Tradition, aber auch eine Zukunft, deren Teil ich gerne wäre.“ Im Gespräch mit liga3-online.de ging der 20-Jährige etwas ins Detail: „Für mich ist das Umfeld für einen Spieler von großer Bedeutung. Bei den meisten Clubs fühlt sich das Alltag wie kühler Dienst nach Vorschrift an, nicht warm, nicht familiär. Ein offenherziges Umfeld, so wie ich es in Rostock erlebt habe, ist im Fußball selten. Die Trainer, die Spieler, alle haben sich um mich gekümmert und mir das Gefühl gegeben, hier willkommen und richtig zu sein. Und gerade weil Hansa als ehemals großer Verein nun der Underdog ist, gerade weil sich seit den Abstiegen ehemalige Fans vom Verein abgewandt haben, zeigt sich doch erst, wie ernst die Leidenschaft der Fans und der Verantwortlichen im Verein ist.“.

„Mir geht es um das Bewusstsein für den Verein.“

Sich selbst beschrieb Gregory als „schnellen Allrounder, 10,3sec auf 100m, beidfüßig und als Offensivspieler in der Lage, auch als Offensivspieler Defensivaufgaben gut erfüllen zu können.“. Auch auf die Art seines Werbens ging der Brite ein: „Mir ist bewusst, dass es ungewöhnlich ist, öffentlich um Sponsoren zu werben. Mir geht es dabei aber auch um das Bewusstsein für den F.C. Hansa, nicht nur darum, Geld zu sammeln, damit Hansa mich verpflichten kann. Ich möchte diesen Verein Großes erreichen sehen. Ich wäre gerne ein Teil der Zukunft des F.C.H., der Spieler aus Großbritannien der von Anfang an immer 100% für den Verein gegeben hat.“. Man darf gespannt sein, wie die norddeutsche Öffentlichkeit auf die Bitte Gregorys reagiert. Gut möglich, dass bei dieser Transferentscheidung das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist.

FOTO: Peter Gregory

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