6. Januar 2016 um 12:26 Uhr

Hinrundenfazit Halle: Bertram und Osawe wirbelten gewaltig

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© imago/Viadata

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Acht Jahre lang saß Sven Köhler beim Halleschen FC auf den Trainerstuhl, im August 2015 wurde er als zu diesem Zeitpunkt dienstältester Trainer im deutschen Profifußball entlassen. Zu diesem Zeitpunkt standen die Rot-Weißen auf dem 19. Tabellenplatz. Stefan Böger übernahm das Zepter – seitdem ging es stetig bergauf. liga3-online.de schaut sich die Hinrunde des HFC im Folgenden genauer an.

Das lief gut

Unter dem neuen Trainer sammelte der HFC insbesondere im heimischen Stadion fleißig Punkte. Fünf Siege und drei Unentschieden gelangen unter Böger im Erdgas-Sportpark, besiegen konnte die Saalestädter unter dem Köhler-Nachfolger zuhause bislang keiner. Das lag auch an Fabian Bredlow, der anfangs von den Fans aufgrund seiner Vergangenheit bei RB Leipzig mehr als kritisch gesehen wurde, dann aber Lukas Königshofer als Stammtorwart verdrängte und sich durch seine Leistungen mittlerweile als feste Nummer 1 etabliert hat. Als Prunkstück des Hallenser Teams kristallisierte sich aber die Offensive heraus. Hatte die Abteilung Attacke anfangs noch mit dem Weggang von Akaki Gogia zu kämpfen, kamen insbesondere Sören Bertram und Osayamen Osawe im Saisonverlauf immer stärker in Fahrt. Das Zusammenspiel der beiden schnellen und technisch starken Offensivkräfte funktionierte stellenweise blendend. Insbesondere der 6:2-Sieg gegen Bremen II und das 4:0 in Kiel sind auch der (höherklassigen) Konkurrenz nicht verborgen geblieben – Osawe und Bertram haben sich längst in die Notizbücher anderer Klubs gespielt.

Das lief schlecht

In der letzten Saison gewannen die Hallenser die inoffizielle Auswärtsmeisterschaft als punktbestes Team auf fremden Rasen – davon sind die Rot-Weißen in dieser Saison meilenweit entfernt. In der Auswärtstabelle findet sich der HFC momentan lediglich auf Platz 15 wieder. Woran die Saalestädter zudem arbeiten müssen, ist ihre Moral. In zehn Spielen geriet Halle in dieser Saison in Rückstand, achtmal endete dies in einer Niederlage, nur zwei Mal konnte zumindest noch ein Pünktchen eingefahren werden. Was angesichts der positiven Heimbilanz unter Böger zudem noch besser laufen könnte, wären die Besuchszahlen bei Heimspielen. Durchschnittlich 6.748 Gäste fanden sich zu den Begegnungen des HFC im Stadion ein, etwa 500 weniger als noch in der Vorsaison. Allerdings gibt es Hoffnung, dass diese Bilanz schon bald wieder etwas nach oben geht: Die Hallenser starten mit Heimspielen gegen den 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden ins neue Jahr.

Bewertung der Neuzugänge

Die Verpflichtung des bereits erwähnten Fabian Bredlow war der erfolgreichste Transfer des vergangenen Sommers – die Bilanz der anderen Neuzugänge fällt durchwachsen aus. Dorian Diring deutete sein Potential hin und wieder an, konnte die ganz großen Akzente im HFC-Offensivspiel setzten aber andere. Der aus Dresden gekommene Tobias Müller kam über die Joker-Rolle bislang nicht hinaus, zum Jahresende hatte der 22-jährige zudem mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Auch André Wallenborn spielte bislang keine große Rolle und kam erst zwei Mal zum Einsatz, darunter aber zumindest über die vollen 90 Minuten gegen Fortuna Köln. Die Innenverteidigung der Chemiker bestand hingegen zumeist aus zwei Neuzugängen: Stefan Kleineheismann und Jonas Acquistapace zeigten solide Leistungen mit keinen großen Ausschlägen nach oben oder nach unten.

Bester Spieler

Mit acht Toren und sechs Torvorlagen ist Sören Bertram zum Jahreswechsel zwar nicht Halles Top-Scorer (sein Sturmpartner Osawe erzielte bei gleicher Vorlagenzahl einen Treffer mehr), als bester Spieler muss dennoch Bertram herausgehoben werden. Grund ist seine Konstanz: Während sich beim Engländer Osawe hin und wieder ein schlechter Tag einschleicht, waren diese bei Bertram eine Seltenheit. Der 24-Jährige machte sich unverzichtbar in der HFC-Startelf. Zeigt er weiterhin solche Leistungen, dürfte Bertram nicht mehr lange in der Dritten Liga kicken.

Größte Enttäuschung

Im Vorjahr war Tim Kruse ein fester Bestandteil des Hallenser Mittelfeldes – diese Zeiten sind vorbei. Der erfahrene Sechser verlor nach einem dürftigen Saisonbeginn seinen Stammplatz und war zuletzt häufig Bankdrücker, kam wenn überhaupt als Einwechsler in die Partie. Auch seine Kapitänsbinde musste Kruse demzufolge häufig an Marco Engelhardt abtreten. Nicht auszuschließen dass der 32-Jährige, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, das Amt des Mannschaftsleiters demnächst dauerhaft abgeben muss.

Fazit

Nach einem mehr als dürftigen Saisonstart hat sich der Hallesche FC unter Stefan Böger in der oberen Tabellenhälfte etabliert. Die Trennung von Sven Köhler fand zum damaligen Zeitpunkt nicht nur Befürworter, scheint aber aus heutiger Sicht der richtige Schritt gewesen zu sein. Zum Beginn der Hinrunde war die Trennung des Mittelfeldmotors Akaki Gogia noch deutlich zu spüren, im Verlauf der Spielzeit wurden diese Stimmen aber immer leiser, zu stark waren die Leistungen von Sören Bertram und Osayamen Osawe. Gogia wird heute nur noch seltener vermisst – stattdessen könnten bald wehmütige Erinnerungen an Bertram und Osawe aufkommen, sollten die beiden Offensivkräfte aufgrund ihrer starken Leistungen zu höherklassigen Vereinen wechseln.

Ausblick & Prognose

Platz 7 ist nach dem schwachen Saisonauftakt als großer Erfolg zu betrachten. Vor zu viel Euphorie warnt Stefan Böger jedoch regelmäßig – und tatsächlich ist eher nicht abzusehen, dass die Hallenser in der Rückrunde noch weiter nach oben klettern werden. Sollte die Saison letztlich recht lautlos im gesicherten Mittelfeld zu Ende gehen, sollte man beim HFC zufrieden sein – es würde bedeuten, dass die stetige Entwicklung des Klubs zu einem etablierten Drittligisten trotz der ersten Trainerentlassung nach acht Jahren keine Kehrtwende genommen hat.

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