13. Februar 2018 um 15:43 Uhr

Fragen und Antworten zum Punktabzug für Rot-Weiß Erfurt

Von

© imago/Hessland

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat dem FC Rot-Weiß Erfurt am Dienstag einen Punkt abgezogen. Doch worum geht es genau? Mit welcher Begründung hat RWE Einspruch eingelegt? Und wie geht es jetzt weiter? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum wurde "nur" ein Punkt abgezogen?

Warum hat der DFB den FC Rot-Weiß Erfurt mit einem Punktabzug bestraft?

Hintergrund ist das Nachlizenzierungsverfahren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das alle Drittligisten durchlaufen müssen. Hierbei hatte der DFB bei Rot-Weiß Erfurt eine Finanzlücke in Höhe von 1,6 Millionen festgestellt. Diese hätte RWE bis zum 23. Januar vollständig schließen müssen, was dem Verein nach Ansicht des DFB jedoch nicht gelungen ist – konkret wurden 250.000 Euro nicht anerkannt. Somit lag ein Auflagenverstoß vor, der gemäß der Regularien nun entsprechend geahndet wurde. Präsident Frank Nowag: "Wir sind natürlich nicht glücklich darüber. Auf der anderen Seite wären bis zu vier Punkte möglich gewesen. Es hätte also viel schlimmer kommen können. Ich weiß nicht, wie man damit umgeht, ob man sich freuen oder weinen soll."

Warum wurde "nur" ein Punkt abgezogen?

Das Strafmaß bei Nichterfüllung der Auflagen ist klar geregelt: So sieht das DFB-Statut 3. Liga den Abzug eines Punktes vor, wenn eine Liquiditätslücke nur zu 51 bis 90 Prozent geschlossen werden kann. So wie jetzt bei den Thüringern, die aus DFB-Sicht lediglich 84 Prozent nachweisen konnten (1,35 Millionen Euro). Liegt die Quote bei 50 Prozent oder darunter, werden zwei Punkte abgezogen. Wird die Lücke zu mehr als 90 Prozent, aber nicht vollständig geschlossen, ist eine Geldstrafe in Höhe von zehn Prozent der nicht geschlossenen Liquiditätslücke vorgesehen.

Ist der Punktabzug bereits endgültig?

Nein. Innerhalb von einer Woche kann Rot-Weiß Erfurt offiziell Beschwerde bei der DFB-Zentralverwaltung einlegen. Dazu wird es laut Nowag auch kommen.

Wie begründet Rot-Weiß Erfurt den Einspruch gegen den Abzug?

Laut Nowag hat der DFB Teile der prognostizierten Einnahmen aus geplanten Freundschaftsspielen gegen Hannover, Leverkusen und Köln nicht anerkannt: "Wir haben die Kalkulationen für die Spiele vorgelegt, allerdings ist da schon recht heftig gestrichen worden – sicherlich auch durch die Vergangenheit bedingt. Denn das Benefizspiel gegen Dresden war zum Beispiel meilenweit von den Kalkulationen entfernt. Vermutlich hat sich der DFB daran hochgehangelt. Dabei ist es nicht vergleichbar, denn jetzt geht es um Bundesligisten. Das ist die Argumentation, die wir entsprechend bringen müssen." Nowag hofft, den Punktabzug zu einer Geldstrafe umwandeln zu können.

Wann gibt es eine endgültige Entscheidung?

Das ist noch vollkommen offen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich das Verfahren noch einige Wochen hinziehen wird. Allein seit der Frist zur Schließung der Finanzlücke bis zum Punktabzug sind drei Wochen vergangen.

Was passiert, wenn der DFB den Einspruch ablehnt?

Weist der DFB den Einspruch zurück, kann sich RWE noch an den Zulassungsbeschwerdeausschuss wenden.

 

Wie geht es weiter? Droht die Insolvenz?

Wie sieht die Lage für Rot-Weiß Erfurt in der Tabelle aus?

Den Punktabzug eingerechnet, liegt RWE als Tabellenletzter momentan acht Zähler hinter den Nicht-Abstiegsplätzen. Sollte Osnabrück am Mittwoch im Nachholspiel gegen Karlsruhe punkten, würde der Rückstand auf bis zu zehn Punkte anwachsen.

Warum konnte RWE trotz der Finanzprobleme gleich vier neue Spieler verpflichten?

Die Neuzugänge wurden allesamt auf Amateurbasis verpflichtet und verdienen monatlich nicht mehr als 249,99 Euro.

Würde RWE überhaupt die Zulassung für die kommende Drittliga-Saison erhalten?

Das ist nicht ausgeschlossen, wäre aber erneut ein Kraftakt, wie Nowag prognostiziert: "Die Lizenz zu bekommen, wird nicht einfach. Aber durch unsere Maßnahmen werden wir in der Lage sein, die schwarze Null zu erreichen." So hat RWE in den vergangenen Wochen etwa 600.000 Euro an Kosten eingespart. Der eventuelle Etat soll dann etwas unter dem der diesjährigen Saison liegen.

Droht eine Insolvenz?

Ja, diese droht weiterhin. Nowag dazu: "Wir wollen die Liga halten und wir wollen eine Insolvenz vermeiden. Die Liquiditätslage hat sich deutlich gebessert. Aber es wird ein Prozess werden, der noch sehr lange geht." Aber er betont auch: "Wegschieben können wir das Thema nicht. Wenn wir sportlich keine Chance mehr haben, müssen wir es neu bewerten. Dann müssen wir die Regionalliga ins Auge fassen und uns über eine geordnete Insolvenz Gedanken machen."

Denn noch immer hat der Klub rund 8,1 Millionen Euro Schulden und viele offene Rechnungen zu begleichen: "Es kann schon passieren, dass der eine oder andere Gläubiger einen Mahnbescheid schickt. Dann muss der natürlich bevorzugt abgewickelt werden." Darüberhinaus teilte RWE im Rahmen einer Pressekonferenz mit, dass der ehemalige Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause nur noch für Februar bezahlt werden muss. Ex-Manager Torsten Traub soll kurz vor der Unterschrift bei einem neuen Verein stehen, mit ihm steht ein Aufhebungsvertrag vor dem Abschluss.

Plant der Verein eine Aufgliederung der Profimannschaft?

Prinzipiell nicht, jedoch würde sich RWE Ideen anhören: "Wenn ein Investor kommt und sagt, er könne es sich unter bestimmten Bedingungen vorstellen, ist es natürlich ein Thema. Es wäre Unsinn zu sagen, dass wir das nicht machen. Aber in der aktuellen Situation ist es kein Thema", so Nowag.

 

 
  • Karl Murx

    Unfähig mit Geld umzugehen sind weniger die Verantwortlichen in der 3. Liga. Unfähig ist vielmehr der DFB, der sein Premiumprodukt wie ein Stiefkind behandelt. Erst ab der neuen Saison wird es nach 12 Jahren einen Ligasponsor geben. Drittligisten müssen Bedingungen wie Zweitligisten erfüllen, erhalten aber nur einen lächerlichen Bruchteil an TV-Geldern. Der DFB sollte auch mal seine knallharten Lizenzierungsbedingungen und die unsäglich hohen Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen überdenken. So hat man über Jahre nicht nur RWE an den Rand der Insolvenz getrieben. Der DFB muss sich nicht wundern, wenn die Proteste der Fans gegen diesen unfähigen Verband weiter zunehmen.

    • Sark

      Zum Thema Ligasponsor:
      Dieser "tolle" neue Ligasponsor führt aber auch dazu, dass Vereine mit einer sehr guten Vermarktung (u.a. Hansa Rostock) sogar noch weniger einnehmen, weil sich der DFB Flächen für seinen Ligasponsor einstreicht, die einige Vereine einfach für mehr Geld vermarkten können.

      Einen solchen Ligasponsor braucht auch keiner. Dann müsste dieser Sponsor auch mindestens das Gleiche zahlen, was die Vereine bis heute für die Flächen erhalten.

      • Pappnase

        Korrekt! Das ist alles nur Autgenwischerei. Hier jolt sich nur der DFB einen Teil des Kuchen, welchen andere auf seinem Tisch präsentieren.

    • Philipp Schramm

      Zum muss ich dir Recht geben, teilweise aber auch nicht.
      Recht geben muss ich insoweit, was du über die Lizenzierungsbedingungen schreibst.
      Was die Kollektivstrafen angeht, bin ich da komplett anderer Meinung. Ich finde, der DFB sollte diese wieder einführen. Anscheinend scheinen die Geldstrafen bei den "Fans" nicht zu fruchten. Getreu dem Motto: Soll der Verein ruhig zahlen, mir doch wurscht, Ich will meine Böller und Bengalos zünden.

  • Punktabzug bzw. Geldstrafe für Vereine die eine Finanzlücke zur Erlangung einer Lizenz nicht schließen konnten…das ist genauso als würde ich eine Lahmen bestrafen indem ich ihm die Krücken wegnehme und ihm damit das Recht (die "Lizenz") abspreche sich im gleichen öffentlichen Raum zu bewegen wie ich. Die Profiligen ALLER großen und wichtigen Sportarten sollten lieber froh sein, dass es viele an einer Teilnahme interessierte Vereine gibt die das Profil einer solchen Liga hochhalten und sie damit zum Aushängeschild machen, statt eben diese Vereine zu melken bis zum get-no. Und DFB und DFL sind die allerschlimmmsten Brüder, mehr noch der DFB. Nicht nur dumm (siehe Sinnhaftigkeit von Lizenzstrafen), sondern auch noch bekanntermaßen hochgradig korrupt.

    • Sterneneisen

      Was ist denn an Lizenzstrafen so unsinning? Ohne diese gäbe es doch Wettbewerbsverzerrung ohne Ende…was also ist die Alternative?

      • Pappnase

        Korrekt! Das wird von den Träumern sehr gerne übersehen.
        Ich will keine Unwahrheiten verbreiten, und ich kann keine Fakten liefern. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass man diese strengen Lizenzauflagen damals (80′,90′ Jahre?) genau deshalb eingeführt hat, weil die Entwiclung ihrer Zeit dahin ging, dass sich diverse Vereine immer höher verschuldeten, um im Rennen bleiben zu können.
        Und noch was: Diese Strafen gehen nicht gegen die "Schwachen", also die "Nicht-Leistungfähigen" sondern gegen die Trickser! Jene, die versuchen, mit Luftschlössern zu handeln. Und – sorry – diese geplanten, offenbar noch nicht mal verbindlich vereinbarten Freundschaftsspiele, riechen doch sehr nach Luftsschlössern.

  • Greenwood

    Die große Frage ist: Wann will RWE gegen 3 Bundesligisten spielen? In den Sommerferien ?Zu Ostern oder vielleicht 2023 in der Winterpause? Wie kann man so naiv sein und hier drei Spiele ansetzen wo keiner weiß, wann diese stattfinden sollen! Mit wieviel Einnahmen soll da gerechnet werden? Die Zeiten sind vorbei wo Bundesligamannschaften die Stadien voll machen! Aber vielleicht rechnen Sie mit dem Gewinn des Thüringen-Pokals im Jahr 2025 um am DFB-Pokal teilzunehmen und dort auf Köln,Hannover oder Leverkusen zu treffen und um dann in die nächste Runde einzuziehen.Viel Spaß!

    • RWE Paule

      Mach doch ein Freundschaftspiel mit Deinen scheiß Red Bullshit Leibzig aus, Du Drecks Verräter…

      • Alvar Fågel

        Mal davon ab, welchem Verein Greenwood nun angehört, Unrecht hat er nicht. Manche haben schon Probleme mit einem Bundesligisten einen gemeinsamen Termin zu finden, wie möchte Erfurt da gleich drei Termine herzaubern? Oder plant man ein Spiel gegen einen der drei? Da bin ich ausnahmsweise auf Seiten des DFB, dass diese Einnahmen zu Recht angezweifelt werden.

      • Hallenser

        Verliert unser großer RWE-Paule jetzt die Nerven? Paule, so ist nun mal die Realität! Schön reden ist nicht mehr! Es haben alle erkannt, daß hier in deiner RWE-Gemeinschaft getrickst wird ohne Verstand!

  • Michael Roxermann

    Tut mir Leid für Erfurt aber es hat eben nicht jeder Verein einen Investor, der dem Verein mal eben Schulden von über 8 Mio erlässt, so wie bei Rostock. Ohne Elgeti würde auch RB Rostock nur noch in der Kreisklasse spielen.

    • Domihansa

      Hallo Herr Roxermann, schön dass Sie die Meppener Niederlage gegen den FC Hansa verkraftet haben :D wir haben Sie bereits schmerzlich vermisst…
      Sachlich zum Thema Elgeti: Der Investor ist ein Segen für den Verein, weil er eben Schulden übernimmt und Kredite stundet, aber wer einen differenzierten Blick auf ihn wirft, merkt den Unterschied zu Vereinen wie RB: Elgetis Credo ist es eben nicht, Hansa "hochzukaufen", sondern lediglich dem Verein (vor allem bei Altlasten) unter die Arme zu greifen. Deswegen wurden ja auch keine großen Ablösesummen investiert. Hätte Hansa wirklich einen Investor à la Ismaik, würden die Fans wohl (zurecht) auf die Barrikaden gehen. Und Elgeti hat sich sogar letztens im Kicker genau gegen diese Art von Investoren geäußert.

      • Sterneneisen

        Und das habt ihr gefressen? Nicht umsonst gab es großen Streit, als Elgeti einstieg. Machtkämpfe usw. Er hat’s nur cleverer gemacht. Mag sein, dass er ähnlich einem D. Hopp auch Fan des Vereins ist, aber das ändert nichts daran, dass er de facto HRO in der Hand hat – Er besitzt die Schulden und hat mehrere Männer im Verein postiert.

      • Sark

        Wen hat Elgeti denn bitte "im Verein postiert"?
        Kann ich da mal einen Namen zu bekommen?
        Zu den Machtkämpfen kam es in Rostock doch u.a. auch nur, weil die Bachmann aus der Rostocker Bürgerschaft das geplante Konstrukt partout nicht verstehen wollte. Wer genau hinter der Posse um den damaligen Aufsichtsrat und Michael Dahlmann steckte werden wir wohl nie erfahren. Mit eine Ursache scheint aber eben gewesen zu sein, dass man sich für Elgeti entschied, und nicht für die merkwürdige Firma, die damals schon das Sale&Lease Back der Geschäftsstelle hatte. Die wollten nämlich das Stadion kaufen und wir sollten uns einmieten. Ein Unding …

        Zum Roxermann:
        Elgeti hat für den aufgekauften Stadionkredit knapp die Hälfte dessen bezahlt, was bei Hansa als Verbindlichkeiten in der Bilanz stand.
        Den "Schuldenerlass" gab es auch nur gegen entsprechende Anteilsscheine der neu gegründeten KGaA. Die von Elgeti "erlassene" Summe hat er auch nie an die DKB gezahlt.

      • Sterneneisen

        Schon komisch, dass Dahlmann unter diesen Umständen gehen musste, oder? Auch komisch, dass sein Vertrauter, der als "verlängerter Arm" Elgetis gilt, der Herr Hüneburg, Leiter Finanzen et al., aufrückte. Ausgerechnet Finanzen, nicht? Hüneburg arbeitet sicher nicht mit Elgeti-Kritikern.
        Klar ist da auch Spekulation dabei. Aber wer glaubt, dass ein Geschäftsmann alles aus Liebe tut, und nicht genau hinschaut wie sein Geld verwendet wird, anstatt ein Wörtchen mitzureden zu haben, der lebt im Elfenbeinturm.
        Was ist damit, dass er den Großteil der Schulden besitzt? Soll das kein Druckmittel sein? Ähnliches hat doch in 1860 Ärger heraufbeschworen.
        Das zu finden hat übrigens keine 2 Minuten gedauert. Bspw. mehrere Artikel der online Fassung der OZ.

      • Domihansa

        Damit magst du ja Recht haben. Sicherlich werden die allerwenigsten Geldgeber Geld investieren ohne jeglichen Wunsch, mitsprechen zu können, was mit diesem Geld getan wird.
        Aber das war eigentlich auch gar nicht meine Aussage, ich wollte nur äußern, dass Herr Elgeti eben nicht Riesensummen zur Verfügung stellt, um irgendwelche hochrangigen Spieler zu verpflichten und sich den Aufstieg zu erkaufen. Das wäre nämlich Wettbewerbsverzerrung, wie sie normalerweise von Investoren betrieben wird – dass Geld Tore schießen kann oder auch nicht, sieht man ja am Gegensatz RB Leipzig – 1860 München. Aber deswegen war ich auch heilfroh, dass das Gerücht, dass Hansa im Winter für zwei Millionen irgendeinen Schweden holt, offensichtlich eine Ente war.

      • fiete Böhm

        geld reingebutter:ja / Mitsprache recht: Nein, wer sind denn die installierten personen?

Send this to friend