10. Februar 2017 um 15:21 Uhr

Exslager im Interview: "Fortuna Köln ist eine letzte Chance"

Von
© imago/Schroedter

© imago/Schroedter

Im Interview mit liga3-online.de spricht Maurice Exslager von Fortuna Köln über die Gründe für seinen Wechsel in die Südstadt, seine zuletzt ins Stocken geratene Karriere und erklärt, warum es beim 1. FC Magdeburg nicht geklappt hat.

Warum es beim 1. FC Magdeburg nicht geklappt hat

liga3-online.de: Herr Exslager, seit gut einer Woche sind Sie jetzt bei der Fortuna. Wie verlief bislang die Eingewöhnungszeit?

Maurice Exslager: Sehr gut, die Jungs haben mich super aufgenommen. Ich habe vom ersten Tag an den gegenseitigen Respekt gespürt. Viele Spieler kannte ich ja auch schon vorher und wo sonst außer im Fußball funktioniert die Integration so schnell und reibungslos.

Mit Sebastian Zinke, einem der Fortuna-Aufstiegshelden, haben Sie bei der U21 des 1. FC Köln zusammengespielt. Haben Sie sich bei ihm erkundigt, bevor Sie sich für den Wechsel entschieden haben? 

Ehrlich gesagt blieb dafür gar keine Zeit mehr. Ich wusste aber schon aufgrund der gemeinsamen Zeit beim FC wie es hier bei der Fortuna läuft, wie der Trainer und die Mannschaft ticken. Da musste ich mich nicht mehr erkundigen.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie betont, dass das "Gesamtpaket" bei der Fortuna zu Ihnen passen würde. Können Sie das konkretisieren?

Zunächst einmal hatte der Verein Bedarf auf der Stürmerposition. Auch das persönliche Gespräch mit Trainer Uwe Koschinat hat mich überzeugt, darüber hinaus passt die Spielweise der Mannschaft zu mir. Natürlich hatten auch die Stadt Köln, in der ich mich schon während meiner Zeit beim FC wohl gefühlt habe, und die kurze Entfernung zu meiner Heimat Bocholt einen positiven Einfluss. All diese Faktoren passten zusammen, demnach ist das "Gesamtpaket" bei der Fortuna für mich einfach gut.

Das letzte halbe Jahr in Magdeburg verlief für Sie dagegen eher enttäuschend. Sie hatten nur acht Einsätze in der Liga, standen überhaupt nur einmal in der Startelf. Was lief schief?

Ich dachte eigentlich, dass ich dazu in dem Abschlussgespräch mit dem Trainer ein Feedback bekommen würde. Zu mir hat Jens Härtel dann aber nur gesagt, dass es einfach nicht gepasst hat. Um die Gründe zu finden, musst du als Spieler natürlich auch erst einmal vor deiner eigenen Haustür kehren. In den Testspielen und im Training habe ich aber immer meine Leistung gebracht. Das wurde auch von den Fans und der Presse honoriert. Letztendlich habe ich dann aber zu selten die Chance bekommen, die mir eigentlich in Aussicht gestellt wurde. Ich war ja im Grunde der einzige Spieler im Kader mit Zweitliga-Erfahrung. Es war dann schon enttäuschend, dass ich dann so selten die Gelegenheit bekommen habe meine Qualitäten zu zeigen. Schlussendlich sehe ich nicht den Ansatz die Hauptschuld auf mich zu nehmen. Da würde es sich der 1. FC Magdeburg auch zu einfach machen.

Warum seine Karriere in Stocken geraten ist

Sie können auf fast 100 Zweitliga-Spiele zurückschauen, waren früher U20-Nationalspieler. Auch Uwe Koschinat betonte bei der Verpflichtung insbesondere Ihren großen Erfahrungsschatz. In den letzten zwei Jahren zeigte Ihre Entwicklung aber eher nach unten. Warum geriet die Karriere ins Stocken?

Nach der Ausleihe zu Darmstadt 98, wo ich auch nicht so viel gespielt habe, kam ich im Sommer 2015 zurück zum 1. FC Köln. Nach der Vorbereitung wurde mir dann gesagt, dass der Kader voll ist und ich runter zur U21 gehen soll. Ich habe dann beschlossen die Zeit zu nutzen und Spielpraxis in der Regionalliga zu sammeln. Obwohl ich selber erst 24 Jahre alt war, musste ich auf einmal als einer der Älteren die jungen Spieler führen, konnte dadurch auch in meiner Persönlichkeit reifen. Die Gründe für die zuletzt schlechte Entwicklung liegen natürlich an der fehlenden Spielpraxis. Es gab sicherlich auch eine Phase, in der ich nicht so professionell gelebt habe, wie man es eigentlich als Spieler der Außen vor ist tun sollte.

Wie hat Sie diese negative Phase verändert?

Der Fußball ist dir dann einfach nicht mehr so wichtig. Wenn sich aber eine neue Tür öffnet, merkst du auf einmal, dass du dann zumindest in einem guten körperlichen Zustand sein solltest und mit einer positiven Einstellung an die neue Aufgabe herantreten musst. Ich bin froh, dass ich aus dieser negativen Denkweise herausgekommen bin. In den letzten Wochen während der Winterpause wurde mir bewusst, dass sich an meiner Situation in Magdeburg nicht mehr viel ändern wird. Ich habe dann den Schalter umgelegt und mir gesagt, dass ich mich nicht hängen lassen darf und trotzdem Gas geben muss. Ich habe die komplette Wintervorbereitung durchgezogen und stehe jetzt voll im Saft.

Der 1. FC Köln, Darmstadt 98, der 1. FC Magdeburg und jetzt Fortuna – vier Vereinswechsel in den letzten vier Jahren. Empfinden Sie den Schritt in die Südstadt als letzte Chance es doch noch einmal im Profifußball zu packen?

Ja, es ist eine letzte Chance, aber es ist auch eine richtig gute Chance! Klar, wenn du über ein halbes Jahr in der 3. Liga so gut wie keine Einsätze hattest und dann den Verein wechselst, sollte es im besten Fall jetzt funktionieren. Sonst wird es schwer noch einmal nach oben zu kommen. Ich habe lange in der 2. Bundesliga gespielt und würde dort schon gerne noch ein paar Spiele machen.

"Ich bin ein emotionaler Spieler"

Wie können Sie der Fortuna in Zukunft helfen, wo liegen Ihre Stärken?

Ich denke, dass ich für die gegnerischen Abwehrspieler ein unangenehmer Stürmer bin, der immer unterwegs ist und auf seine Chance lauert. Zudem habe ich eine gute Quote, wenn ich die Chance habe ein Tor zu erzielen. Ich würde auch behaupten, dass ich mannschaftsdienlich bin und nicht egoistisch auf meine Torausbeute gucke. Zudem passe ich von der Mentalität her zur Fortuna, ich bin ein emotionaler Spieler.

Haben Sie sich eine persönliche Tor-Anzahl für die Rückrunde gesetzt?

Jetzt eine Prognose abzugeben, wäre falsch. Es ist wichtig, dass ich meine Spiele mache und dass ich schnell in den Rhythmus finde. Die Abstimmung und die Laufwege mit den Mitspielern müssen passen, dann kommt der Rest von ganz alleine.

Das ausgegebene Ziel des Vereins sind „50 Punkte + X“. Die Fortuna steht derzeit überraschend weit oben in der Tabelle, bei einem Sieg am morgigen Samstag gegen Wehen Wiesbaden winkt sogar Platz drei. Teile der Fans träumen bereits offenkundig von einem möglichen Aufstieg. Wo sehen Sie die Fortuna derzeit? 

Die Spiele in der 3. Liga laufen alle so unterschiedlich. Jeder, der die Liga kennt, weiß, dass alles möglich ist. Aktuell ist man vielleicht nah dran, aber es sind noch so viele Spiele zu absolvieren. Fakt ist aber, wenn du in Reichweite zu den Plätzen bist, die dich nach oben katapultieren, dann willst du diese Plätze natürlich auch nicht mehr abgeben. Es bringt jetzt aber nichts, in die Zukunft zu schauen. Im Endeffekt musst du jedes Spiel gewinnen wollen. Am Ende wird man dann sehen, was dabei herauskommt.

 

 

.

Send this to friend