25. Februar 2013 um 15:02 Uhr

Das alte Lied vom Abstiegskampf – Hansa Rostock am Tiefpunkt

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Abstiegskampf. Ein Wort, was in Rostock seit der Wende nahezu zum Inventar gehört. Jedes Jahr kämpfte der Club aufs Neue gegen den unsichtbaren Feind, ein ums andere Mal konnte er ihm ein Schnippchen schlagen, um dann im Folgejahr erneut anzutreten. Der FC Hansa und der Abstieg, zwei ewige Rivalen, fast schon eine Hassliebe.

Abstiegskampf. Ein Wort, was in Rostock seit der Wende nahezu zum Inventar gehört. Jedes Jahr kämpfte der Club aufs Neue gegen den unsichtbaren Feind, ein ums andere Mal konnte er ihm ein Schnippchen schlagen, um dann im Folgejahr erneut anzutreten. Der FC Hansa und der Abstieg, zwei ewige Rivalen, fast schon eine Hassliebe. Als Armin Veh als Trainer der Hanseaten 2002 großspurig Offensivfußball und einstellige Tabellenplätze ausrief, fanden sich Fans und Spieler nach einem sprichwörtlich atemberaubenden Saisonauftakt schon zur Winterpause im Abstiegskampf wieder. Also alles beim Alten in der Hansestadt? Mitnichten, denn die Kogge kämpft nicht wie seinerzeit in der Bundesliga gegen Granden wie Bayern München, Borussia Dortmund und den Hamburger SV um wichtige Punkte gegen den Abstieg, sie duelliert sich nicht mit dem MSV Duisburg oder dem VfL Bochum in der 2.Liga unter ihren (Aufstiegs-)Möglichkeiten, sondern im Moment sind es Teams wie die Stuttgarter Kickers, die SpVgg Unterhaching oder eben der SV Wehen Wiesbaden, die die Rostocker nicht nur am ursprünglich erträumten Aufstieg hindern, sondern sie von Spiel zu Spiel tiefer in den Abgrund stoßen.

Sorge vor kämpferischen Babelsbergern

Ratlosigkeit macht sich breit, bei Trainer Marc Fascher, bei den Spielern. Natürlich, die Konkurrenz hat witterungsbedingt bis zu drei Spiele mehr absolviert als die Hanseaten, die Heimspiele gegen Darmstadt und Burghausen, sowie das am kommenden Mittwoch zum dritten Mal terminierte Duell gegen Babelsberg 03, stehen noch aus, aber im Moment kann man keine Anhaltspunkte dafür erkennen, dass den Rostockern diese Duelle entgegenkommen. Im Gegenteil, manch Fan wünscht sich bereits leise die erneute witterungsbedingte Absage am Mittwoch, aktuell scheint selbst die 0:1-Niederlage der Babelsberger in Osnabrück einigen Anhängern die Sorgenfalten auf die Stirn zu zaubern, habe der kommende Gegner doch wenigstens beherzt gekämpft und sich gegen die Niederlage gestemmt, während die eigene Mannschaft am Freitag, beinahe besessen vom sichtbaren Siegeswillen, am Ende wieder mit leeren Händen da stand.

Sportliche Partner statt Hierarchie

So findet sich der FC Hansa Rostock nun am sportlichen Tiefpunkt seiner 48-jährigen Geschichte wieder, noch nie war der Verein in einer so niedrigen Liga so schlecht platziert. Wer deswegen in Rostock Hektik vermutet wird überrascht, denn gleichsam war man beim einstigen Aushängeschild des Ostfußballs noch nie bemühter die Gemüter zu beruhigen. So nahm Trainer Marc Fascher, wie das Gros seiner Amtsvorgänger, nach dem Spiel gegen Wiesbaden zum ersten Mal das Wort „Abstiegskampf“ in den Mund, so recht nimmt man es dem 44-jährigen Hamburger aber nicht ab. Nicht, weil Fascher unglaubwürdig wirkt, im Gegenteil, man merkt, dass ihm der Ernst der Lage absolut bewusst ist, doch scheint Faschers eigener Realismus auch auf Fans und Journalisten abzufärben. Während in den Ligen eins bis drei bei nahezu jedem Verein bei schlechtem Abschneiden und einer ähnlichen Misserfolgsserie zuerst der Trainer dran glauben muss, manövriert sich in Rostock gefühlt zurzeit jeder, der den Trainer für die Misere verantwortlich machen will, an den vielzitierten „Fußballstammtisch“. Mit Sportvorstand Uwe Vester steht hinter Fascher ein Mann, der von dessen Konzept absolut überzeugt ist und es gleichsam geschafft hat, sich in weniger als zwei Monaten Amtszeit zu einer einflussreichen Persönlichkeit im Verein zu entwickeln. Der Grund dafür ist gleichsam die Verbindung zum Trainer: Die Fachkompetenz, wie man sie in diesem Maße in Rostock zuletzt selten erlebt hat, zusammen mit einer ruhigen, bodenständigen Ausstrahlung. Zwei „Typen“, die von Anfang an ihre gemeinsame Wellenlänge betont haben, sodass Vester nicht Faschers „Chef“, sondern vielmehr einen sportlichen Partner mit vergleichbarem Ehrgeiz darstellt, der nicht müde wird zu betonen, dass Marc Fascher der absolut richtige Trainer für den FC Hansa ist.

Spiel am Mittwoch noch auf der Kippe

Die Ruhe vor dem Sturm also? Die drei ausgefallenen Spiele wären wichtig für die Rostocker gewesen. Mit Darmstadt und Babelsberg geht es gegen zwei direkte Konkurrenten am Tabellenende, gegen die man die eigenen Ambitionen klar hätte definieren und sich Luft zum Tabellenkeller hätte verschaffen können. Nun geht es Mittwoch immerhin gegen die Potsdamer, auch wenn dieses Duell wegen anhaltender Schneefälle wohl noch auf der Kippe steht. Zwar soll es schon heute in Potsdam kräftig tauen, wie auch die kommenden Tage vor dem Spiel, aber sicher ist der Spielbetrieb noch nicht. Fällt auch diese Ansetzung aus, so trifft der F.C.H. am Samstag auf die starken Heidenheimer, die noch um den Aufstieg spielen. Kein Aufbaugegner für ein Team, was seit Anfang November 2012 nicht mehr gewonnen hat und aus den acht Spielen danach nur einen Punkt holte.

Der Abstiegskampf hat den FC Hansa wieder, diesmal allerdings nicht in der Bundesliga als sympathischer ewiger Underdog, sondern als ehemaliges Schwergewicht des deutschen Fußballs nach der Wende, welches nach einigen Schlägen der letzten Jahre gefährlich taumelt. Dass sich alle Verantwortlichen dieser Tatsache bewusst sind, ist anzunehmen, allerdings müssen schleunigst Lösungen gefunden werden, bevor die sorgfältig aufgebaute Ruhe rund um die Kogge wieder einmal gestört wird.

FOTO: Flohre Fotografie

 

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  • hansafreak thüringen

    Eine frage belastet mich schon ewig!viellt.kann ja einer ne antwort geben?warum werdenprinzipiell trainer verpflichtet…aus den alten bundesländern!!

  • hansafreak thüringen

    Ohhh mann diese schlachten damals..das war fussball..diese fans zu tausenden auswärts aus ganz deutschland..kann mich sogar noch dran erinnern das wir in unterhaching zum dfb pokal von dynamo dresden fans unterstützt worden sind oder das hansafans zur premiere von energie cottbus in der 1.liga dort waren zum unterstützen!was war das für nen zusammenhalt im gesamten osten..hansa hat zu erstligazeiten zun den ersten fünf vereinen mit den meisten zuschauern gehört……wo ist die zeit hin..meine fresse

  • Uwe

    Ein Artikel den ich nicht besser schreiben könnte. Schwergewicht des Ostens, lange ist das her, zu lange. Was waren das für Zeiten, BUNDESLIGA, zwar nur Abstiegskampf. Aber diesen 9 Jahre zu bestehen, das war der Fanstolz. Wir aus dem Osten, wir gehören dazu, wir bieten Parolie , Bochum 1999–unvergessen!!!
    Wer nie dabei war, weiß gar nicht wie das sich anfühlt–Wahnsinn. Der Schmerz beim Abstieg 2005.
    Und jetzt, Tristes und einfach Untergang.
    Dieser Verein und diese Mannschaft hat meine Liebe und Treue, aber die Spieler haben nicht das Herz der Fans!!! Es gilt nur zu hoffen, damit es nicht zu Ende geht und dieser Verein wieder das wird was er war:
    FC HANSA ROSTOCK– Stolz des OSTENS!!!

  • Kowkla

    Na klar macht man sich Sorgen, ist aber auch schlimm, nun gleich weiter gegen Heidenheim, das wird schwer, aber ging es mit dem Trainer nicht in Heidenheim positiv los?
    Also, Optimismus ist angesagt und endlich mal auch etwas Glück.

  • Karl Heinz

    Anstatt immer nur über den FC Hansa Rostock zu schreiben sollte man endlich begreifen, dass dieser Verein genau das Gegenteil eines Aushängeschilds ist und lieber Sportarten zuwenden die es mehr verdient hätten als drittklassige Fußballer. Rostock war mal eine große Sportstadt. Dank dem durch den vom Verein veranstalteten und von den Medien mitgetragenen Fanatismus ist dadurch nur noch ein bemitleidenswertes Bild geblieben

  • Tobi

    Klasse geschrieben!

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