"Wir sind Ulmer und ihr nicht": Große Fan-Wut beim SSV Ulm
War es das für den SSV Ulm? Beim abgeschlagenen Schlusslicht aus Schweinfurt gaben die Spatzen am Samstag eine 2:0-Führung noch aus der Hand und liegen nach sechs sieglosen Spielen weiterhin acht Punkte hinter dem rettenden Ufer. Die Wut der Fans war groß.
"Außer Reichert könnt ihr alle gehen"
Erst drehten sie der Mannschaft nach dem Gegentreffer zum 2:2 demonstrativ den Rücken zu, dann skandierten sie "Außer Reichert könnt ihr alle gehen" und schließlich riefen sie "Absteiger, Absteiger" sowie "Wir sind Ulmer und ihr nicht", als die Spieler nach Schlusspfiff vor den Gästeblock kamen: Die mitgereisten Fans des SSV brachten ihren Unmut über die 18. (!) Niederlage im 28. Spiel in der Schlussphase und vor allem nach Spielende mehr als deutlich zum Ausdruck.
Auch leere Becher flogen in Richtung der Mannschaft, die sich nach kurzer Zeit auf den Weg in die Kabine machte. Für Trainer Pavel Dotchev war die Wut der Anhänger "absolut nachvollziehbar", wie er bei "MagentaSport" sagte. "Die Fans haben sehr lange gelitten, und anstatt dass es jetzt besser wird, wird es sogar schlechter." Warum das so ist, konnte sich der Drittliga-Rekordtrainer nicht erklären: "Ich bekomme es nicht hin, mit der Mannschaft konstant Punkte zu holen. Das bekomme ich nicht hin, weil manchmal Sachen passieren, so wie heute, die du nicht kommen sehen kannst."
"Kann ich mir nicht erklären"
Über einen Doppelpack von Lucas Röser waren die Spatzen kurz nach der Pause mit 2:0 in Führung gegangen (48. / 58.), gaben diese aber wieder her. Wie Dotchev analysierte, sei die Mannschaft in der Schlussphase "zusammengebrochen". Ein gefühlt bereits gewonnenes Spiel noch aus der Hand zu geben, "das tut schon weh natürlich". Dass die drei Gegentreffer (73. / 81. / 90.+4) allesamt durch Standards fielen und Ulm es zuvor verpasst hatte, mit dem 3:0 alles klar zu machen, passte ins Bild, das die Spatzen in den letzten Wochen abgegeben haben.
"Es passieren irgendwelche Fehler, und dann bricht alles zusammen", hielt Dotchev fest, der diese Tatsache als "brutal" bezeichnete. Zudem übte er Kritik an den Stürmern, die in der Situation vor dem 2:3 vorne geblieben waren, anstatt hinten zu verteidigen. "Das habe ich nicht verstanden und kann es auch nicht akzeptieren." Röser konnte es sich ebenfalls "nicht erklären", wie die Mannschaft die Partie nach dem 2:0 noch hergeben konnte. "Es ist schwer, das in Worte zu fassen", sagte der Stürmer und verspürte "Leere".
"Mit diesem Trend werden wir absteigen"
Nach nur zwei Zählern aus den letzten sechs Partien – fünf Gegner waren direkte Konkurrenten – beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer weiterhin acht Punkte, könnte sich am Sonntag aber noch auf elf Zähler vergrößern, sollte Saarbrücken in Duisburg gewinnen. "Ich sage es mal so, mit diesem Trend, den wir gerade haben, werden wir absteigen. Wir brauchen das nicht schönreden. Das ist Tatsache, das ist die Realität", sprach Dotchev Klartext.
Auch Röser meinte: "Wenn wir so spielen, haben wir den Klassenerhalt nicht verdient." Vieles spricht derzeit dafür, dass es für die Ulmer nach dem direkten Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga genauso schnell wieder zurückgeht. Für Dotchev wäre es bei seiner achten Station in der 3. Liga der erster Abstieg. Der 56-Jährige betonte, dass er die Verantwortung trage und die Partie durch falsche Wechsel "vielleicht selber verloren habe". Im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt könnte am Sonntag in einer Woche dann bereits die Abschiedstournee starten.