Strittige Szenen am 37. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Die Elfmeter für Halle, Großaspach und Aalen, der verwehrte Strafstoß für Braunschweig, das Foulspiel von Belkahia, das 1:0 für Karlsruhe, der nicht gegebene Treffer für Rostock, die gelbe Karte gegen Starke und der Platzverweis gegen Rahn: Am 37. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Bei einem Zweikampf mit Felix Burmeister (Eintracht Braunschweig) geht Marvin Ajani (Hallescher FC) im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Christian Dingert gibt Elfmeter für Halle. [TV-Bilder – ab Minute 0:30]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter hat freie Sicht und sieht, dass sich Ajani im Braunschweiger Strafraum den Ball an Burmeister vorbeilegen will, dabei von diesem sowohl am Knie als auch auf dem Fuß getroffen wird und dadurch zu Fall kommt. Auch wenn die Aktion unbeabsichtigt ist, liegt ein Foulspiel vor, sodass der Elfmeter eine richtige Entscheidung ist.

Szene 2: Nach einer Hereingabe in den Strafraum stützt sich Tobias Schilk (Hallescher FC) auf Marcel Bär (Eintracht Braunschweig) und hindert ihn daran, an den Ball zu kommen. Kein Elfmeter, sagt Dingert. [TV-Bilder – ab Minute 1:57:15]

Babak Rafati: Schilk hat zwar im eigenen Strafraum die Arme an Bär dran, aber das ist ein Stören im Bereich des Erlaubten und kein Schieben oder Foulen. Zudem hat auch Bär die Arme draußen, daher eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 3: Semi Belkahia (1860 München) bringt Moritz Hartmann (Fortuna Köln) im Strafraum zu Fall, der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt. Eine Karte sieht der Löwen-Verteidiger von Schiedsrichter Oliver Lossius nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:35]

Babak Rafati: Das ist unumstritten ein Foulspiel von Belkahia an Hartmann und somit eine richtige Entscheidung, einen Strafstoß für Köln zu pfeifen. Da noch ein weiterer Verteidiger im Strafraum steht und eingreifen kann, hätte es hier nicht Rot, aber die gelbe Karte geben müssen.

 

Szene 4: Marvin Pourié (Karlsruher SC) setzt im Zweikampf mit Ole Kittner (Preußen Münster) den Ellenbogen ein. Schiedsrichter Lasse Koslowski lässt das Spiel weiterlaufen, aus dem Angriff fällt das 1:0 für Karlsruhe und zählt. [TV-Bilder – ab Minute 1:35]

Babak Rafati: Bei diesem Einsatz von Pourie ist alles regelkonform, denn er setzt den Ellenbogen und Oberkörper im Zweikampf ein, aber foult Kittner damit nicht. Er ist einfach cleverer und entschlossener und behauptet den Ball. Eine richtige Entscheidung, den anschließenden Treffer anzuerkennen.

 

Szene 5: Timo Röttger (Sonnenhof Großaspach) wird im Strafraum von Bryan Gaul (FSV Zwickau) zu Fall gebracht. Elfmeter für Großaspach, sagt Schiedsrichter Steffen Brütting. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Gaul geht im eigenen Strafraum einfach zu ungestüm in den Zweikampf und stellt Röttger den Fuß in den Weg. Dass ein Stürmer so etwas mit der entsprechenden "Garnierung" annimmt – die Art und Weise des Zufallkommens – ist Routine und absolut branchenüblich. Eine richtige Entscheidung, diesen Strafstoß für Großaspach zu pfeifen.

Szene 6: Einen Schuss von Makana Baku (Sonnenhof Großaspach) stoppt Toni Wachsmuth (FSV Zwickau) mit der Hand, erneut zeigt Brütting auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 2:50]

Babak Rafati: Das unsägliche Thema Handspiel. Wachsmuth wirft sich im eigenen Strafraum dem Gegenspieler entgegen, will eine Flanke von Baku blocken und bekommt hierbei im Liegen den Ball an den Arm. Das ist unbeabsichtigt und für Millionen Fußballfans kein Handspiel. Doch der DFB hat sich keinen Gefallen getan, indem er die Handspiel-Regel modifiziert und dieses Handspiel als strafbar kategorisiert hat. Nach diesem Maßstab eine richtige Entscheidung, doch für viele Fußballfans aber auch Experten eine Fehlentscheidung. Ich hätte ihn jedenfalls nicht gepfiffen, da die Absicht das entscheidende Kriterium sein muss, was in dieser Szene definitiv nicht zutrifft.

 

Szene 7: Nach einem Freistoß bringt Hansa Rostock den Ball im Tor unter, der Schiedsrichter entscheidet jedoch auf Stürmerfoul und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:42:30]

Babak Rafati: Im Kampf um den Ball trifft der Rostocker Stürmer unbeabsichtigt Torwart René Vollath mit dem Fuß am Oberschenkel, sodass das ein Foulspiel ist. Daher eine richtige Entscheidung, den Treffer nicht anzuerkennen.

 

Szene 8: Nach einem Zweikampf mit Luka Tankulic (SV Meppen) sieht Manfred Starke (Carl Zeiss Jena) von Schiedsrichter Asmir Osmanagic Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:59:10]

Babak Rafati: Starke will den Schuss von Tankulic vor dem eigenen Strafraum blocken und springt zunächst mit gestrecktem Bein zum Ball, zieht es jedoch im letzten Moment, als er den Stürmer sieht, zurück. Tankulic wird dadurch im Bewegungsablauf trotzdem getroffen, sodass ein Foulspiel vorliegt, das zudem richtigerweise nur die gelbe Karte nach sich zieht. Andernfalls wäre auch die rote Karte möglich. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters.

 

Szene 9: Royal-Dominique Fennell (VfR Aalen) geht im Duell mit Lasse Schlüter (Energie Cottbus) zu Fall, Schiedsrichter Sören Storks gibt Strafstoß für Aalen. [TV-Bilder – ab Minute 1:00]

Babak Rafati: Schlüter steht im eigenen Strafraum hinter Fennell und will den Ball klären. Er tritt seinem Gegenspieler aber deutlich in die Hacken und bringt ihn somit zu Fall. Eine absolut richtige Entscheidung, einen Strafstoß für Aalen zu pfeifen.

 

Szene 10: Für ein Foul an Orestis Kiomourtzoglou (SpVgg Unterhaching) sieht Matthias Rahn (Sportfreunde Lotte) von Schiedsrichter Benedikt Kempkes glatt Rot. [TV-Bilder – ab Minute 1:10]

Babak Rafati: In dieser Szene kommt Rahn zwar mit offener Sohle angerutscht, jedoch trifft er ihn nur leicht am Fuß, sodass zwar ein rücksichtsloses, aber kein brutales Foulspiel vorliegt. Hier hätte es Gelb statt Rot geben müssen. Eine Fehlentscheidung.

 

   

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