Strittige Szenen am 22. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Die nicht gegebenen Treffer für Uerdingen und Karlsruhe, die verwehrten Elfmeter für Meppen, Karlsruhe, Münster und Braunschweig, der Strafstoß für Meppen, das 0:1 gegen Rostock, der Platzverweis für Berzel und das Foul von Kyereh an Camoglu. Am 22. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Maximilian Beister (KFC Uerdingen) bedient Osayamen Osawe (KFC Uerdingen), der zum 1:0 trifft. Schiedsrichter Michael Bacher entscheidet auf Abseits und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 46:00]

Babak Rafati: Aus den vorliegenden Bildern ist nicht zweifelsfrei aufzulösen, ob eine Abseitsposition vorgelegen hat. Daher müssen wir die Entscheidung des Schiedsrichters akzeptieren.

Szene 2: Eine Hereingabe von Steffen Puttkammer (SV Meppen) wird geblockt, anschließend bekommt Manuel Konrad (KFC Uerdingen) den Ball an die Hand – kein Elfmeter für den SVM. [TV-Bilder – ab Minute 2:00:05]

Babak Rafati: Der Ball prallt aus kurzer Entfernung von Konrads Fuß an seine Hand. Die entscheidende Frage ist hierbei, ob die Hand in natürlicher Haltung ist. Nach der neuen DFB-Auslegung handelt es sich um ein absichtliches Handspiel. Somit eine Fehlentscheidung, keinen Strafstoß für Meppen zu pfeifen.

Szene 3: Dominic Maroh (KFC Uerdingen) bekommt einen Schuss von Nick Proschwitz (SV Meppen) an den Arm, Bacher gibt Elfmeter für Meppen. [TV-Bilder – ab Minute 2:25]

Babak Rafati: Maroh nimmt nach einem Schuss von Proschwitz aktiv den Arm im eigenen Strafraum zur Seite. Da gibt es keine zwei Meinungen, dass das ein klares absichtliches Handspiel ist. Eine richtige Entscheidung, Strafstoß für Meppen zu pfeifen.

 

Szene 4: Nach einem Zweikampf zwischen Tanju Öztürk (Hansa Rostock) und Agyemang Diawusie (Wehen Wiesbaden) geht der Wiesbadener zu Boden, Schiedsrichter Christian Dingert gibt Freistoß, aus dem das 1:0 für den SVWW fällt. [TV-Bilder – ab Minute 0:35]

Babak Rafati: Öztürk berührt Diawusie überhaupt nicht. Dennoch kommt dieser zu Fall und der Schiedsrichter pfeift kurz vor dem Strafraum einen Freistoß für Wiesbaden. Da es sich bei dieser Aktion jedoch nicht um ein Foulspiel handelt, liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 5: Nach einer Vorlage von David Pisot (Karlsruher SC) trifft Anton Fink zum 1:1, Schiedsrichter Timo Gerach entscheidet jedoch auf Abseits und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 0:50]

Babak Rafati: Es ist nicht zweifelsfrei erkennbar, ob Marvin Pourié den Ball vor Anton Funk noch berührt. Tendenziell berührt er ihn nicht, deshalb wäre es bei so einer Szene besser gewesen, laufen zu lassen. Eine Fehlentscheidung ist es aber nicht.

Szene 6: Bernard Kyere (Fortuna Köln) bekommt einen Schuss von Damian Roßbach (Karlsruher SC) an den Arm geschossen, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 26:05]

Babak Rafati: Wenn der Arm tatsächlich am Ball ist, wäre es ein absichtliches Handspiel von Kyere, da die Entfernung relativ groß war und der Spieler den Arm hätte wegziehen können. Somit eine Fehlentscheidung, keinen Strafstoß für Karlsruhe zu pfeifen.

Szene 7: In einem Laufduell mit Burak Camoglu (Karlsruher SC) fährt Bernard Kyere (Fortuna Köln) die Arme aus und bringt den Karlsruher im Mittelfeld zu Fall. Geahndet wird die Szene nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:51:20]

Babak Rafati: Hier bearbeitet Kyere seinen Gegenspieler gleich zweimal und spätestens beim zweiten Mal hätte es einen Freistoß für Karlsruhe und eine gelbe Karte gegen Kyere geben müssen. Das ist kein Schlag, daher auch nur die gelbe Karte. Eine Fehlentscheidung, weiterlaufen zu lassen.

 

Szene 8: Ein Foul von Aaron Berzel (1860 München) an Benjamin Girth (VfL Osnabrück) wertet Schiedsrichter Patrick Alt als Notbremse und zeigt dem Löwen-Spieler die rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Foulspiels von Berzel an Girth hat der Osnabrücker eine glänzende Aussicht, zentral und allein auf das Tor zu laufen. Die beiden anderen Verteidiger sind zu weit weg, um noch eingreifen zu können. Das kann man sehr gut daran erkennen, indem man das Bild beim Foulspiel anhält. Daher eine absolut richtige Entscheidung, das Foul als Notbremse zu werten und Berzel die rote Karte zu zeigen.

 

Szene 9: Bei einem Zweikampf mit Florian Pick (1. FC Kaiserslautern) geht Philipp Hoffmann (Preußen Münster) im Strafraum zu Fall und fordert Elfmeter. Diesen gibt Schiedsrichter Manuel Gräfe aber nicht. [TV-Bilder – ab Minute 41:45]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf zwischen Pick und Hoffmann kann es sein, dass es zu einer minimalen Berührung kommt, jedoch ist so etwas kein Foulspiel, daher eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 10: Nach einem Einwurf geht Marcel Bär (Eintracht Braunschweig) im Strafraum zu Boden und fordert Elfmeter. Schiedsrichter Mitja Stegemann lässt weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:55:20]

Babak Rafati: Aus den vorliegenden Bildern ist nicht erkennbar, ob Bär von seinem Gegenspieler im Strafraum festgehalten wird. Daher ist es richtig, im Zweifel weiterspielen zu lassen.

 

   
  • Jörg Stubbe

    Irgendwie ziehen sich die Fehlentscheidungen gegen Hansa wie ein roter Faden durch die Saison( unabhängig davon daß der Freistoß gut geschossen war-es war aber kein Freistoß).
    Dank eines(un)parteiischen Schiris kommt Hansa in Rückstand. Danke DFB

  • anteater

    Mich hätte jetzt schon interessiert, ob das 0-1 von Osnabrück regulär war. Girth drückt klar Berzel runter bzw. stützt sich auf. Aus meiner nicht-Schiedsrichter-Sicht ein irreguläres Tor.

  • Karl-Heinz Schmidt

    Überall zieht man Geld,so auch
    bei der Vermarktung des Fußballes,es dürfte kein Privatsender den
    Fußball für sich beanspruchen dürfen.Fußball im TV sollte auch für den
    einfachen Steuerzahler ohne Zusatzkosten möglich sein.Für mich wird es
    nicht in Frage kommen den Fußball exrta zu bezahlen,dann sehe ich halt
    die internationalen Klubspiele nicht. Die Vereine sollten mal bedenken
    das es viele Fans gibt die sich die Eintrittskarte und die Fahrt zur
    Auswärtsbegegnung ihres Vereines vom Munde absparen. Ob ich das schreibe
    oder nicht,es wird sich nichts ändern,einige bekommen die Taschen nicht
    voll.Für Montagsspiele gilt das gleiche,keine Rücksicht auf die
    Fans,die am Dienstag wieder arbeiten müssen und lange Heimfahrten haben.

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