Stimmung beim FCS gekippt: Fans wenden sich von Mannschaft ab
Auf sieben Punkte hätte der 1. FC Saarbrücken die Abstiegsplätze mit einem Sieg beim abgeschlagenen Schlusslicht aus Schweinfurt distanzieren können. Allerdings reichte es nur zu einem 2:2, was die Stimmung bei den mitgereisten Fans kippen ließ. So wandten sie sich von der Mannschaft ab.
Fans verlassen Gästeblock fluchtartig
Einen 0:2-Rückstand ganz spät noch aufzuholen, kommt oftmals einem gefühlten Sieg gleich. Doch in Feierstimmung waren die mitgereisten Anhänger des 1. FC Saarbrücken ganz und gar nicht – im Gegenteil. Als sich die Mannschaft auf den Weg in Richtung Gästeblock machte, kehrten die Fans dem Team im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken zu und verließen den Block fluchtartig. Binnen weniger Augenblicke war dieser komplett geleert. Keine Pfiffe, keine Unmutsbekundungen – einfach nichts. Stattdessen straften die Fans das Team knallhart ab, nachdem sie zuvor bereits den Support eingestellt hatten. Ein derartiges Zeichen der Gleichgültigkeit, das bei einigen Spielern für ratlose Gesichter sorgte, machte deutlich: die Stimmung ist gekippt. "Ich verstehe, dass die Fans sauer sind", konnte Patrick Sontheimer den Frust im "MagentaSport"-Interview nachvollziehen. "Die kommen um 19.30 Uhr an einem Sonntag hier hin und müssen morgen alle arbeiten. Wir sind aber genauso enttäuscht, denn wir wollten drei Punkte holen."
Dass es dazu nicht gereicht hat, lag neben einer schwachen ersten Halbzeit mit "zwei billigen Gegentoren", die dilettantisch verteidigt wurden, auch einmal mehr an der Chancenverwertung. "Darüber müssen wir natürlich sprechen", so Sontheimer. Sinnbildlich dafür stand eine Szene aus der 70. Minute, als Dominic Baumann den Ball völlig freistehend aus drei Metern über das Tor jagte. Trainer Argirios Giannikis nahm den Stürmer aber in Schutz: "Der Ball geht fast aufs Knie. Was soll er da machen?", sah er die Schuld für die vergebene Großchance vor allem beim Rasen. In der Tat war der Ball durch den Strafraum gehoppelt, ehe er zu Baumann kam. "Das ist dann ganz unangenehm für ihn." Am Ende brachte der FCS das Spielgerät über Civeja (87.) und Vasiliadis (90.+5) dann doch noch zweimal im Tor unter. "Und wenn das Spiel länger geht, gewinnen wir es auch", war Giannikis überzeugt.
"So darfst du nicht ins Spiel reingehen"
Gleichzeitig betonte Saarbrückens Coach aber auch, "dass wir uns vorwerfen lassen müssen, in der ersten Halbzeit nicht diese Intensität und diese Schärfe auf den Platz bekommen zu haben". Generell habe sein Team "keine gute erste Halbzeit" gespielt. "Darüber müssen wir reden. So darfst du nicht ins Spiel reingehen, keine Frage. Da sind wir in alte Muster verfallen." Dennoch habe sich die Mannschaft nicht hängen lassen, aufs Tempo gedrückt und das Unentschieden "mehr als verdient" mitgenommen. Auch wenn drei Punkte das klare Ziel waren, zähle jeder Punkt. Zumal das Team noch nicht so oft nach einem Rückstand zurückgekommen sei.
Angesichts der Tabellensituation sprach Giannikis davon, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei. "Jetzt geht es darum, dass das Kind nicht ertrinkt." Für diese Aufgabe brauche es nun jeden, auch die Fans. "Ich verstehe natürlich den Unmut der Fans", betonte der Coach, nachdem es in 14 Auswärtsspielen nur einen Sieg gab, rief aber zum Zusammenhalt auf. Die Mannschaft wird allerdings in Vorleistung gehen müssen, was auch Sontheimer bewusst war: "Wir müssen es wieder gut machen, Leistung bringen und Punkte holen. Dann glätten sich die Wogen wieder." Die nächste Chance dazu besteht bereits am Mittwoch gegen den SV Wehen Wiesbaden.