"Spieler lassen sich manipulieren": Wollitz trotz Sieg unglücklich

Mit dem ersten Sieg nach drei Spielen hat sich Energie Cottbus im Aufstiegskampf zurückgemeldet und ist vorerst auch wieder auf Platz 2 gesprungen. Dennoch war Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem 2:1 gegen Schweinfurt alles andere als glücklich, sah er doch eine stark verunsicherte und verkopfte Mannschaft. Der 60-Jährige formulierte daher einen emotionalen Appell an die Spieler.

"Verkrampft, ängstlich und total verkopft"

Sie fiel für einen Sieg ungewöhnlich emotional aus, die Ansprache von Wollitz im Mannschaftskreis nach der Partie. Wie er anschließend bei "MagentaSport" schilderte, habe er die Spieler darum gebeten, wieder zu sich selbst zu finden. Denn nach dem Eindruck des 60-Jährigen sei das Team nach der starken Hinrunde samt der Herbstmeisterschaft derzeit "verkrampft, ängstlich und total verkopft" und habe Angst, etwas zu verlieren.

Der Auftritt in der zweiten Halbzeit, als Energie trotz Führung viel zu passiv agierte, bestätigte diesen Eindruck. "Die Spieler lassen sich manipulieren", versuchte Wollitz eine Erklärung zu finden. Zwar habe er alles daran gesetzt, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, doch bisher scheint das nur bedingt funktioniert zu haben. "Man sieht, dass viele Spieler aktuell überhaupt keinen Impact für unsere Gruppe haben." Als Beispiel nannte er Henry Rorig, von dem Wollitz "noch nie so eine schlechte erste Halbzeit gesehen" haben. Dabei sei es immer die Stärke von Energie gewesen, sich nichts von außen aufdrängen zu lassen.

Doch so wie es aktuell läuft, tue das weder der Mannschaft noch dem Verein gut, weil die Verunsicherung immer weiter wachse. "Wir haben nicht diese Spieler, die mit diesem Erwartungsdruck umgehen können. Wenn du deine Erwartungen höher setzt, als du sie selbst erfüllen kannst, dann kommt das dabei heraus. Und das tut mir einfach leid für die Jungs." Der FCE könne nicht den Fußball bieten, den viele erwarten würden.

Wollitz fordert "Liebe zum Fußball"

Auch die schwache Wirtschaft in der Region samt ausbaufähiger Zuschauerzahlen würden ihren Teil dazu beitragen. Daher appellierte Wollitz: "Wir sollten auf unserem bescheidenen und dankbaren Weg weitergehen und als Außenseiter versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Aber so treten wir im Moment nicht auf, das muss man so ehrlich sagen." Wollitz kritisierte, dass viele Spieler aus Angst vor Fehlern passiv agieren, nicht mehr konsequent nachrücken und das Umschaltspiel leidet. Dabei gebe es keinen Grund, verunsichert zu sein. "40 Punkte nach 21 Spielen sind überdurchschnittlich gut", so der FCE-Coach, der von einem "äußerst glücklichen Sieg" sprach.

Entscheidend sei nun, wieder mit Lockerheit, Freude und Mut zu spielen – "mit Liebe zum Fußball" -, denn nur so könne im eigenen Stadion die nötige Wucht und ein Flow mit dem Publikum entstehen. "Du kannst in diesem Stadion nicht passiv spielen. Du musst aktiv sein und musst diese Wucht auf das Publikum übertragen." Positiv hob er die Phase nach dem 0:1 (19.) hervor, als Körpersprache und Spielweise stimmten und Cottbus die Partie über Hannemann (23.) und Borgmann (44.) drehte.

Sieg fühlt sich "nicht so gut an"

Das sah auch Axel Borgmann so, der von einer "super Reaktion" sprach. Über die Tatsache, drei Punkte mitgenommen zu haben, zeigte sich der Verteidiger "natürlich extrem froh", doch insgesamt fühle sich der Sieg "nicht so gut an". Dafür sei die zweite Halbzeit "einfach nicht gut" gewesen. "Es kann nicht sein, dass wir keinen Zugriff haben und uns der Gegner phasenweise dominiert." Doch was sind die Gründe dafür? "Es hat sich teilweise so angefühlt, dass wir nicht alle das gleiche gemacht haben. Die einen wollten pressen, die anderen hatten das Gefühl, sie müssten ein bisschen tiefer stehen", versuchte Borgmann eine Erklärung zu finden. "Wir sind zwar gelaufen, aber wir hatten nicht den Zugriff. Das müssen wir abstellen, weil dadurch berauben wir uns einer extremen Stärke."

Dass er beim Tor nach 44 Minuten so frei stand, darüber zeigte sich der 31-Jährige "überrascht" und "natürlich froh, so ein schönes Tor gemacht zu haben". Nachdem seine Flanken zuletzt nicht immer angekommen seien, "haben wir es jetzt mal umgedreht. Engelhardt hat mir gezeigt, wie man flankt und ich habe gezeigt, wie man köpft. "Und mit ein bisschen Abstand werden wir uns auch über den Sieg freuen." Dennoch soll im Heimspiel gegen Hoffenheim II am kommenden Spieltag ein anderer Auftritt her – zumal Energie an diesem Tag sein 60-jähriges Vereinsjubiläum feiert. Ob die Feierlichkeiten auch die Lockerheit zurückbringen oder eher für weitere mentale Blockaden sorgen, wird sich dann am nächsten Samstag zeigen.

 

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button