Schafft Cottbus den Aufstieg? Wollitz: "Sehe uns als Außenseiter"
Trotz der Ausgangslage als Tabellenführer setzt Trainer-Claus Wollitz für die Rückrunde keinen zusätzlichen Druck. Im Gespräch mit "MagentaSport"-Podcast "4zu3" spricht der 60-Jährige eher vom Klassenerhalt und wirft zugleich einen Blick zurück auf den für die Lausitzer schmerzhaften letzten Spieltag der vergangenen Saison.
"Weil sie nicht wollten, dass Cottbus hochgeht"
Schon in der vergangenen Saison ging Energie Cottbus mit großen Ambitionen in die Rückrunde. Als Tabellenzweiter – einen Punkt hinter Dynamo Dresden, mit sechs Zählern Vorsprung auf Rang vier – schien die Rückkehr in die 2. Bundesliga zum Greifen nah. Doch in der zweiten Saisonhälfte verloren die Lausitzer den Faden. Als 14. der Rückrundentabelle verspielte Cottbus den Aufstieg kurz vor Schluss.
"Natürlich ist es am Ende immer eine Enttäuschung, wenn man es nicht schafft", blickte Wollitz zurück. Besonders schmerzlich sei dabei der Saisonendspurt gewesen: "Wir haben am 37. Spieltag in Rostock eine Leistung gezeigt, die uns kaum jemand zugetraut hat, kamen als Dritter zurück – und dann hat Ingolstadt im letzten Spiel vermutlich seine beste Saisonleistung gezeigt. Auch, weil sie nicht wollten, dass Cottbus hochgeht."
Cottbus als Außenseiter in die Rückrunde?
Ein Gefühl, das bei Wollitz noch immer nachhallt – auch wenn die sportliche Situation in Cottbus gut ist. Schließlich gehen die Lausitzer als Tabellenführer in die Rückrunde. "Trotzdem sehe ich uns als Außenseiter", sagte der Trainer zunächst überraschend, aber erklärte: "Wenn gewisse Klubs ihre gesamte Wucht und Qualität Woche für Woche abrufen, spielt es keine Rolle, dass wir einen Umbruch hatten oder wirtschaftlich andere Voraussetzungen."
Vor allem Vereine wie der VfL Osnabrück, Rot-Weiss Essen oder aktuell auch der SSV Ulm 1846 – im Kampf um den Klassenerhalt – könnten ganz anders nachrüsten. Davon wolle er sich jedoch nicht beeinflussen lassen. Auch, wenn andere Vereine spektakuläre Transfers landen, stehe Energie nicht unter Zugzwang. Zumal ein qualitativ breiter Kader auch Risiken berge. Als Beispiel nannte Wollitz den MSV Duisburg, der mit Krüger, Heike, Töpken, Visser und nun Lobinger, fünf Stürmer in den eigenen Reihen hat. "Das musst du moderieren können, mahnte der 60-Jährige, lobte zugleich aber: "Dazu ein sehr gutes Mittelfeld und erfahrene Spieler – das wird spannend. Man sieht, dass sie als Aufsteiger mehr wollen, was bei ihren Möglichkeiten absolut nachvollziehbar ist."
Neuer Führungsspieler als "Gamechanger"
Spielraum für einen Neuzugang hat aber auch Energie – zuletzt wechselte Bethke zu Dynamo Dresden. Ideen, wie man das Geld investieren könnte, hat Wollitz bereits: "So ein Spielertyp, der uns alle mitreißt, wäre ein wichtiger Puzzlestein. Wir haben individuell starke, aber eher ruhige Spieler – etwa Cigerci, Engelhardt oder Thiele. Ein verbaler Führungsspieler, der nicht nur sich selbst, sondern das ganze Team antreibt, wäre aus meiner Sicht ein Gamechanger."
Vor allem im Defensivverbund wünscht sich der 60-Jährige zusätzliche Führung: "Ein Spieler, der organisiert, Ruhe und Gelassenheit reinbringt, wäre enorm wertvoll. Das ist mein Wunsch, den ich intern klar hinterlegt habe.“ Dabei sei Transparenz entscheidend: "Wenn so ein Transfer zustande kommt, ist der Mannschaftsrat voll eingebunden. Ich würde nie einen Spieler holen, ohne den Spielerrat zu informieren." Als heißer Kandidat gilt Tolga Cigerci.
"Diese drei Prozent mehr aus ihnen herauszuholen"
Losgelöst davon liegt für Wollitz der Schlüssel zum Aufstieg im Kopf: "Die Frage ist, ob die Spieler akzeptieren, dass die nächsten fünf Monate ihre entscheidenden Monate sein können – ohne zu verkrampfen, ohne verspannt zu sein, aber mit Selbstbewusstsein und Unbekümmertheit." Dazu möchte der Trainer aktiv beitragen und betonte, dass man mit Verl die unbekümmertste Mannschaft auf den Spitzenplätzen sein darf: "Unser Ziel war intern: nicht in den Abstiegsstrudel geraten und die 3. Liga, wenn möglich, schnell zumachen. Mit 36 Punkten haben wir diese Basis gelegt." Jetzt, so habe er der Mannschaft bei der Neujahrsansprache gesagt, gehe es darum, "sich selbst den Beweis zu liefern, dass man mehr draufpacken kann. Ich habe der Mannschaft gesagt, ich erwarte von mir selbst, dass ich es schaffe, diese drei Prozent mehr aus ihnen herauszuholen."
Bereits in drei Tagen startet Energie Cottbus in die Rückrunde – beim 1. FC Saarbrücken. Keine leichte Aufgabe, kämpft der eigentliche Aufstiegskandidat aktuell doch um den Klassenerhalt. Auch Wollitz wundert diese Konstellation, sieht darin aber vor allem ein Zeichen: "Das zeigt, wie stark und ausgeglichen die Liga ist." Dennoch blickt er optimistisch auf den Auftakt: "Wenn du in Saarbrücken gewinnen willst, ist jetzt der Zeitpunkt – wenn nicht jetzt, wann dann? Es wird schwierig, wie jede Woche. Aber direkt nach einer kurzen Pause hast du eine Chance, wenn du dein Bestes auf den Platz bringst."