RWE von Wiederanpfiff "überrascht" – Wienand "geht es nicht gut"
Durch den 1:0-Erfolg gegen Waldhof Mannheim hat Rot-Weiss Essen die Serie von zwei Niederlagen in Folge beendet und sich im Aufstiegskampf zurückgemeldet. Doch das war am Mittwochabend nur nebensächlich, stattdessen stand der Böllerwurf, durch den Keeper Felix Wienand verletzt wurde, im Vordergrund. Von der Entscheidung, die Partie fortzusetzen, zeigte sich Vorstand Alexander Rang "überrascht". Die Mannschaft wollte es aber sportlich lösen, wie Trainer Uwe Koschinat betonte.
Knalltrauma und akute Belastungsreaktion
Mit lauten Sprechchören aus der Fankurve wurde er nach der Partie bedacht, Felix Wienand, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Krankenhaus befand. Die Gesundheit des Torhüters stand nach der Partie an erster Stelle. Wie Trainer Uwe Koschinat bei "MagentaSport" berichtete, gehe es dem 23-Jährigen "wirklich nicht gut". Laut RWE wurden bei einer ersten Untersuchung ein Knalltrauma sowie eine "akute Belastungsreaktion" festgestellt.
"Wir hoffen alle, dass er keine längerfristigen Schäden davonträgt, was bei so einer Situation durchaus zu befürchten ist. Seine Gesundheit wurde sehr mutwillig aufs Spiel gesetzt", sagte Koschinat. Dem 54-Jährigen zufolge habe Wienand unmittelbar nach dem Vorfall gar nicht realisiert, was passiert war. Unter anderem habe er noch lange mit seinen Torwarthandschuhen in der Kabine gesessen. Ihn wieder spielen zu lassen, "wäre allerdings völlig unverantwortlich und wahrscheinlich auch gar nicht möglich gewesen, da er definitiv nicht mehr spielfähig war".
Im Hinblick auf die Entscheidung, dass weitergespielt wurde, sprach Essens Coach von einer "wahnsinnig schwierigen Entscheidung", weil sie nicht nur die Tragweite des Spiels habe, sondern man auch noch "ganz, ganz viele Dinge" bedenken müsse. Auch Sicherheitsaspekte dürften eine Rolle gespielt haben. Für ihn selbst sei es "fast schwerer" als für die Mannschaft gewesen, "weil ich auch sehr stark in die Kommunikation involviert war".
Mannschaft wollte es sportlich lösen
In der Kabine habe Klaus Gjasula aber sofort gesagt: "'Wir sind so geil im Spiel, wir haben die so an den Eiern, lass uns weiterspielen, wir gewinnen auch so'", berichtete der RWE-Coach. Und so kam es dann auch. Koschinat sprach der Mannschaft ein Lob dafür aus, wie sie mit der Situation umgegangen war: "Die Jungs haben das hervorragend gemacht und den Sieg mit Sicherheit für Flex (Spitzname von Wienand; d. Red.) geholt." Die Mannschaft habe es sportlich lösen wollen, um die letzten beiden Niederlagen zu revidieren. "Das hat bei der Truppe echt im Vordergrund gestanden, und darauf kann man stolz sein."
Vorstand Alexander Rang zeigte sich indes "durchaus überrascht", dass weitergespielt wurde. "Schließlich war der Spieler aus unserer Sicht schon sehr schwer verletzt, sodass wir eigentlich nicht die Erwartung hatten, dass weitergespielt wird." Letztlich habe das Schiedsrichter-Team nach Rücksprache mit der Polizei und dem Sicherheitsbeauftragten aber die Entscheidung getroffen, dass nach einer 45-minütigen Unterbrechung wieder angepfiffen wird. Nun müssten die weiteren Untersuchungen abgewartet werden. "Wir hoffen natürlich, dass er ganz, ganz schnell wieder bei der Mannschaft ist." Zumal Stammkeeper Jakob Golz derzeit noch verletzt ausfällt und somit vorerst nur noch Reservekeeper Tino Casali zur Verfügung steht.
Waldhof-Sportdirektor kündigt Aufarbeitung an
Auch der SV Waldhof war nach Spielende in Gedanken bei Wienand. "Wir können nur hoffen, dass es ihm schnell wieder besser geht", sagte Sportdirektor Mathias Schober. Der 49-Jährige entschuldigte sich im Namen des Waldhof für den Vorfall und kündigte eine Aufarbeitung der Geschehnisse an: "Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden." Bereits unmittelbar nach dem Vorfall konnte der Böllerwerfer offenbar identifiziert und festgenommen werden. Ihm drohen nun unter anderem eine Anzeige wegen Körperverletzung sowie ein Stadionverbot. Aus sportlicher Sicht begrüßte Schober indes, dass weitergespielt wurde.
Trainer Luc Holtz konnte unterdessen nachvollziehen, "dass sich die Essener benachteiligt gefühlt haben, weil ihr Torhüter verletzt war". Zumal RWE unverschuldet ein Wechselfenster verloren hat. Der Luxemburger wünschte Wienand ebenfalls "gute Besserung" und betonte, dass der Fußball durch solch einen Vorfall ins Hintertreffen rücke. "Ich bedauere den Vorfall zutiefst. So etwas darf einfach nicht passieren." Dazu wird es nach dem Skandalspiel am Mittwochabend auch keine zwei Meinungen geben.