Nach Maul-Ansage: Ist Hansa Rostock schon aufstiegsreif?
Es war längst ein offenes Geheimnis, doch seit Samstag ist es endgültig offiziell: "Wir wollen aufsteigen", hatte Hansa-Vorstandschef Ronald Maul vor dem Spiel gegen den VfL Osnabrück ausgerufen. Doch ist die Kogge schon aufstiegsreif? Die Analyse von liga3-online.de.
Wo Hansa schon aufstiegsreif ist
Defensive: Auch wenn Hansa Rostock in den letzten drei Spielen insgesamt sieben Gegentore hinnehmen musste, stellt die Kogge mit nur 27 Gegentreffern die drittbeste Defensive nach dem VfL Osnabrück (24) und dem SV Wehen Wiesbaden (26). Und das, obwohl die Kogge etwas offensiver spielt als die Lila-Weißen und die Hessen. Schon neunmal blieb Keeper Benjamin Uphoff in dieser Saison ohne Gegentor – nur VfL-Torhüter Lukas Jonsson ist mit zwölf weißen Westen noch besser. Zwar streute Uphoff hier und da einen Patzer ein, erwies sich bislang aber insgesamt als sicherer Rückhalt.
Abschlüsse: Mit Ryan Naderi hat der FCH zwar seinen besten Torjäger verloren, präsentierte sich zuletzt aber auch ohne den 22-Jährigen offensivstark und erzielte vier Tore in zwei Spielen. Im Schnitt gibt die Kogge pro Partie 23 Schüsse ab – Spitzenwert zusammen mit Rot-Weiss Essen. Zum Vergleich: Der Liga-Schnitt liegt bei 19 Schüssen. Was die Ballberührungen im Strafraum angeht, ist Hansa mit einem Schnitt von 30 pro Partie sogar Liga-Spitze.
Fans: Ganz vorne liegt die Kogge auch bei den Zuschauerzahlen. Im Schnitt strömten bislang 24.428 Fans zu den Spielen ins Ostseestadion, nie kamen weniger als 22.000 Zuschauer. Im Kampf um den Aufstieg kann die große Fan-Unterstützung ein zusätzlicher Pluspunkt sein. Zumal die Kogge auch auswärts im Schnitt von 2.234 Fans begleitet wird. Mindestens 1.500 Anhänger waren bei allen Partien dabei. Da kann kein anderer Klub mithalten.
Wo Hansa noch nicht aufstiegsreif ist
Direkte Duelle: 40 Punkte nach 24 Spielen sind eine gute Ausgangslage für die verbleibenden 14 Partien, allerdings hat die Kogge 33 dieser Zähler gegen Teams unterhalb von Platz 7 geholt. In den direkten Duellen gegen Cottbus, Verl, Duisburg, Osnabrück, Essen und Wiesbaden gab es bislang nur sieben Punkte. Mit dem VfL etwa teilte der FCH zweimal die Punkte. Will Hansa ganz oben ranrücken und auch dabei bleiben, müssen in den direkten Duellen unbedingt mehr Punkte her. Nach der Partie gegen 1860 warten mit Essen, Cottbus, Duisburg und Wiesbaden vier Konkurrenten binnen vier Wochen.
Chancenverwertung: Hansa schließt zwar überdurchschnittlich ab, brachte aber nur 7,5 Prozent der Schüsse auch tatsächlich im Tor unter. Damit liegt der FCH im Liga-Vergleich lediglich auf Platz 14 und auch unter dem Liga-Schnitt von 8,2 Prozent. Schon 13 Mal traf die Kogge in dieser Saison nur Aluminium – Spitzenwert der 3. Liga. Allein gegen Osnabrück wackelte das Torgestänge gleich zweimal. Hätte Hansa einen dieser Bälle im Tor untergebracht und die Partie gewonnen, stünde der FCH jetzt auf Platz 5.
Probleme mit Führungen: Nach einer Führung hat Hansa – im Gegensatz etwa zu Cottbus, Verl, Osnabrück und Wiesbaden – als eines von nur drei Teams der Liga zwar noch nie verloren, spielte aber noch fünfmal nur Remis. Zuletzt gab die Kogge gegen Hoffenheim II eine 2:0-Führung noch aus der Hand, auch im Duell mit Osnabrück reichte eine zweifache Führung nicht zum Sieg. Insgesamt verspielte Hansa schon zehn Zähler nach einem 1:0. Duisburg etwa gab nur sechs Zähler ab, Osnabrück nur deren fünf.
Fazit
Hansa Rostock bringt vieles mit, was einen Aufstiegskandidaten auszeichnet: eine stabile Defensive, enorme Offensivaktivität und ein Umfeld, das die Mannschaft trägt. Die Zahlen sprechen in vielen Bereichen für die Kogge. Doch Aufstiegsreife zeigt sich nicht gegen die Mittelfeldteams oder Abstiegskandidaten, sondern in den direkten Duellen und in den entscheidenden Momenten.
Genau dort offenbart Hansa bislang Defizite: zu wenig Punkte gegen die Konkurrenz. Hinzu kommen zu viele liegen gelassene Führungen und eine Chancenverwertung, die nicht dem Aufwand entspricht. Die Basis für den Aufstieg ist vorhanden – aber der letzte Schritt zur echten Reife fehlt noch. Ob die Kogge ihn geht, entscheidet sich in den kommenden Wochen gegen die unmittelbaren Mitbewerber.