Max Kremer im Interview: "Das Stadion hat gebebt"

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Im Interview mit liga3-online.de spricht Max Kremer vom SV Meppen über die irre Schlussphase beim jüngsten 3:2-Erfolg gegen den KFC Uerdingen, seinen sehenswerten Ausgleichstreffer und die kommenden zwei Partien gegen direkte Abstiegskonkurrenten.

"Ein pures Glücksgefühl"

liga3-online.de: In einem spektakulären Spiel setzte sich der SV Meppen am Wochenende 3:2 gegen den KFC Uerdingen durch, obwohl die Gäste bis zur 84. Minute 2:0 geführt hatten. Das war eine irre Schlussphase, oder Herr Kremer?

Max Kremer: Absolut. Einen solchen Spielverlauf mit so ereignisreichen Schlussminuten erlebt man nicht oft. Das war fast schon einmalig.

Hand aufs Herz: Hatten Sie vor dem Treffer zum 1:2 noch daran geglaubt, zu punkten oder die Partie sogar noch drehen zu können?

Nicht wirklich. Es war ja auch so, dass ich erst spät eingewechselt wurde und es beim Stand von 0:2 schwer war, ins Spiel hineinzufinden. Nach dem Anschlusstor war uns aber allen klar, dass wir zumindest noch ein Remis holen können.

Mit Ihrem ersten Saisontreffer trafen Sie zum viel umjubelten Ausgleichstor. Was ging danach in Ihrem Kopf vor?

Es war ein pures Glücksgefühl. Ich habe in dieser Situation ja zunächst eine Flanke geschlagen, die geblockt wurde. Während viele meiner Mitspieler auf Handspiel reklamierten, habe ich weitergespielt und den Ball im linken Eck versenkt. Das war einfach geil.

Dass Sie auf das Reklamieren verzichteten und stattdessen weiterspielten, hat in dieser Situation den Unterschied ausgemacht. So sollten im Fußball mehr Spieler handeln, oder?

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man in einer so hitzigen Schlussphase bei einem vermeintlichen Handspiel reklamiert und auf einen Elfmeter hofft. Das gehört dazu. Ich habe aber in dem Moment gar nicht erst daran gedacht, sondern nur den Ball an der Strafraumgrenze liegen sehen und gemerkt, wie viel Platz ich zum Schießen habe. Da der Ball perfekt neben dem Pfosten eingeschlagen ist, kann ich im Nachhinein sagen, dass ich alles richtig gemacht habe.

Spätestens nach dem 2:2 war Ihnen doch bestimmt klar, dass auch noch mehr als ein Unentschieden drin ist.

Definitiv. Das Stadion hat gebebt und wir hatten inklusive der langen Nachspielzeit noch mehr als sieben Minuten zu spielen. Nach dem Ausgleichstor haben wir auf Sieg gespielt. Dass wir kurz vor Schluss dann tatsächlich noch das 3:2 erzielen konnten, war grandios.

 

"Von der Abstiegszone absetzen"

Dass es erst Ihr erstes Saisontor war, kommt nicht von ungefähr. In dieser Saison waren Sie häufig Rechtsverteidiger, sonst spielen Sie offensiver auf der rechten Außenbahn. Wie kam es zu der Umfunktionierung?

Wir hatten auf der rechten Abwehrseite zwischenzeitlich einen personellen Engpass. Unser Trainer Christian Neidhart hat mich dann gefragt, ob ich vorübergehend als Außenverteidiger aushelfen könne. Das habe ich gerne gemacht. Mittlerweile spiele ich aber wieder offensiver, zuletzt gegen Uerdingen wurde ich ja auch als Rechtsaußen eingewechselt. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich womöglich nicht das Tor erzielt und wir hätten nicht gewonnen. (lacht)

Auf welcher Position fühlen Sie sich wohler?

Ich spiele schon lieber vorne und helfe der Mannschaft, indem ich Tore erziele und vorbereite. Aber es ist nicht so, dass ich ein Problem damit habe, Rechtsverteidiger zu sein. Auch an diese Position habe ich mich mittlerweile gewöhnt und ich spiele dort gerne wieder, wenn ich aufgrund von Ausfällen in der Defensive gebraucht werde.

Jetzt geht es mit den Duellen bei Schlusslicht VfR Aalen und gegen den FC Energie Cottbus, einem weiteren direkten Abstiegskonkurrenten, weiter. Wie lautet das Ziel in den kommenden Partien?

Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns mit Siegen gegen die direkte Konkurrenz ein wenig von der Abstiegszone abzusetzen. Und das wollen wir auch schaffen. In Aalen gilt es jetzt erst einmal, den Last-Minute-Erfolg gegen Uerdingen zu vergolden.

Aalen hat seit September nicht mehr gewonnen. Warum dürfen Sie den VfR trotzdem nicht unterschätzen?

Die Negativserie des VfR Aalen hält sicher schon extrem lange an. Aber umso mehr ist die Mannschaft gewillt, endlich mal wieder zu gewinnen. Vor allem in den Duellen mit direkten Konkurrenten geht es für den VfR, der grundsätzlich sehr spielstark ist und individuell gut besetzt ist, jetzt um alles oder nichts. Wir werden alles dafür tun, dass wir nicht das Team sind, gegen die der VfR seine Krise beendet.

   

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