Krisensitzung am Nachmittag: So geht es beim FCE weiter

Wie geht es bei Erzgebirge Aue nach dem Ende der Ära von Helge Leonhardt weiter? Wer trifft die Entscheidungen? Und hat Trainer Timo Rost noch eine Zukunft? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Aufsichtsrat ist gefordert

Ist der Verein noch handlungsfähig?

Aktuell nicht. Gemäß der Vereinssatzung muss der Vorstand mindestens aus vier Mitgliedern bestehen. Weil vor wenigen Wochen aber bereits Joachim Engelmann aus dem Gremium ausgeschieden war, besteht der Vorstand nach dem Leonhardt-Rücktritt derzeit nur noch aus dem erkrankten Geschäftsführer Michael Voigt und Rechtsanwalt Kay Werner (Foto). Es ist nun die Aufgabe des Aufsichtsrats, die Handlungsfähigkeit wieder herzustellen. Dazu muss das Kontrollgremium bis zur nächsten Mitgliederversammlung zunächst einen Interimspräsidenten berufen. "Die weiteren Vorstandsmitglieder schlägt der Präsident dann selbst vor, der Aufsichtsrat muss sie in ihren Ämtern bestätigen", erklärt Werner in der "Freien Presse". Die Entscheidung darüber könnte bereits am Dienstagnachmittag fallen, wenn die Gremien – Vorstand, Aufsichtsrat und Ehrenrat – zu einer weiteren Krisensitzung zusammenkommen.

Wer könnte auf Helge Leonhardt folgen?

Das ist noch völlig offen. Denkbar wäre, dass einer der beiden verbleibenden Vorstände das Amt des Präsidenten übernimmt. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Während Voigt noch auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben ist, sagt Werner: "Ich habe in dieser Richtung keinerlei Ambitionen." Für den Posten des Interimspräsidenten soll laut der "Bild" der ehemalige Landrat Frank Vogel im Gespräch sein. Auch der langjährige Vizepräsident und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzender Bertram Höfer soll ein Kandidat für den Vorstand sein.

Bleibt Helge Leonhardt dem Verein als Sponsor erhalten?

Davon ist auszugehen, zumal die Sponsoring-Verträge noch laufen. Außerdem war in der Stellungnahme am Sonntagabend keine Rede davon, dass Leonhardt sich komplett vom FCE zurückzieht.

Wann kommt es zu der von Fans und Sponsoren geforderten Mitgliederversammlung?

"Nicht in den nächsten zwei, drei Wochen", so Werner. "Wenn wir Aufsichtsrat und Ehrenrat neu wählen wollen, müssen wir das akribisch und streng nach den Vorgaben unserer Satzung vorbereiten. Das braucht ein bisschen Zeit, wir dürfen hier keine Fehler machen."

 

Rost-Zukunft ungewiss

Hat Trainer Timo Rost noch eine Zukunft?

Unwahrscheinlich, nachdem auch die als Endspiel deklarierte Partie bei 1860 München mit 1:3 verloren ging und der 44-Jährige in Leonhardt einen seiner größten Fürsprecher verloren hat. Auch die nackten Zahlen sprechen gegen den Fußballlehrer: Neun Spiele, null Siege, nur drei Punkte und 5:15 Tore. Die Entscheidung darüber, ob es für Rost weitergeht, steht bei der Krisensitzung am Dienstag ganz oben auf der Agenda. "Am Dienstagabend muss und wird es eine Entscheidung geben. Und die will gut überlegt sein", so Werner. Er selbst habe in den letzten Tagen "viele Gespräche geführt, auch mit Spielern und dem Trainer selbst. Ich will aber noch ein paar weitere Gespräche folgen lassen, bevor ich mir ein abschließendes Urteil bilde. Ich bin sozusagen noch in der Phase der Meinungsbildung".

Dem Vorstandsmitglied zufolge würden in den Führungsgremien des FCE "sehr unterschiedliche Auffassungen" zum Thema Rost aufeinanderprallen. "Wir können die Ära Timo Rost in Aue schon nach neun Spieltagen beenden, wir können ihm komplett unser Vertrauen aussprechen, wir können aber auch ein Ultimatum festlegen." Klar ist: Im Gegensatz zu Leonhardt sind Voigt und Werner nicht alleine handlungsberechtigt. Sie müssen sich in der Trainerfrage also einig sein.

Wann wird ein neuer Sportdirektor verpflichtet?

Auf der Krisensitzung am vergangenen Dienstag hatten sich die Gremien darauf verständigt, "schnellstmöglich" einen Sport-Geschäftsführer zu verpflichten. Mit einer Präsentation innerhalb der nächsten Tage ist aber nicht zu rechnen, zunächst muss erstmal die Handlungsfähigkeit des Vereins wieder hergestellt werden. Als potenzieller Kandidat für den Sportdirektor-Posten wird schon seit einiger Zeit Ex-Aue-Profi Matthias Heidrich gehandelt. Der 44-Jährige leitet seit 2018 die Nachwuchsabteilung des 1. FC Köln. Ob der 44-Jährige aber gewillt ist, die Aufgabe bei den Veilchen zu übernehmen, ist nicht bekannt.

Wie geht es sportlich weiter?

Unabhängig davon, wer künftig hinter den Kulissen das Sagen hat und wer auf der Trainerbank sitzt: Erzgebirge Aue steht vor einer großen Herausforderung, den Totalabsturz in die Regionalliga zu verhindern. Bereits fünf Punkte fehlen den Veilchen zum rettenden Ufer. Um auf die für den Klassenerhalt wohl notwendigen 45 Punkte zu kommen, benötigt Aue aus den verbleibenden 29 Partien 42 Zähler – also im Schnitt 1,45 pro Partie. Zwar keine unmögliche Aufgabe, aber dennoch ein Kraftakt.

 
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