Kleinhenz-Aus in Schweinfurt: Zeitpunkt ist nicht nachvollziehbar
Sehr überraschend hat sich der 1. FC Schweinfurt am Mittwoch von Cheftrainer Victor Kleinhenz getrennt und Jermaine Jones als neuen Coach verpflichtet. Vor allem der Zeitpunkt ist nicht nachvollziehbar und wirft große Fragen auf. Ein Kommentar.
Warum ausgerechnet jetzt?
Sie liest sich ohne Frage verheerend, die Bilanz des 1. FC Schweinfurt in dieser Saison. 20 Niederlagen und 56 Gegentore in 24 Spielen bedeuten einen Drittliga-Negativrekord, nie war ein Team zu diesem Zeitpunkt schlechter unterwegs. Gerade mal drei Spiele konnte der Aufsteiger bislang gewinnen, hinzu kam ein Unentschieden. Nur allein auf die nackten Zahlen bezogen, ist die Trennung absolut nachvollziehbar.
Nicht jedoch in Bezug auf den Zeitpunkt. Es stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet jetzt? Der Klassenerhalt ist angesichts von 17 Punkten Rückstand schon seit einiger Zeit nicht mehr realistisch. Wenn die Schnüdel auf dem Trainerposten nochmal für einen Impuls hätten sorgen wollen, dann wäre die Winterpause der deutlich bessere Zeitpunkt gewesen, einen Wechsel vorzunehmen. Zumindest teilweise nachvollziehbar gewesen wäre es, wenn sie das Kleinhenz-Aus mit den Vorbereitungen auf die Regionalliga-Saison begründet hätten. Davon ist in der Pressemitteilung aber keine Rede.
Schweinfurt ist nicht konkurrenzfähig
Fragen wirft der Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt auch mit Blick auf die Leistungen der letzten Wochen auf. Diese waren – trotz ausbleibender Ergebnisse – insgesamt gut. Beim 1:1 gegen Ingolstadt am vergangenen Sonntag hatte man zudem erstmals in dieser Saison den Eindruck, dass die Schnüdel in der 3. Liga angekommen sind. Viel zu spät natürlich, keine Frage. Trotz des schwachen Abschneidens in der bisherigen Saison hatte Geschäftsführer Markus Wolf dem 34-Jährigen in den letzten Monaten immer wieder den Rücken gestärkt – und das mit ganz klaren Worten.
"Die Trainerfrage stellt sich bei uns nicht", hatte er im Oktober gesagt. "Das sind alles individuelle Fehler, und ich glaube nicht, dass das ein anderer Trainer besser machen würde. Wir sind gemeinsam aufgestiegen und wir ziehen das jetzt auch gemeinsam durch." Worte, die Mitte Februar schon nichts mehr wert sind. Dass es für die Nullfünfer in dieser Saison schwierig werden würde, war von Anfang klar. Zumal beim Kader viel zu sehr auf regionale Verbundenheit als auf sportliche Qualität geachtet wurde. Konkurrenzfähig waren die Schnüdel bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht. Diese Tatsache jedoch vor allem Kleinhenz anzulasten, ist falsch.
Risiko mit Jones
Mit der Verpflichtung von Jermaine Jones geht der Verein nun ein weiteres Risiko ein. Große Spielerkarriere, klangvoller Name – aber keinerlei Erfahrung als Trainer im deutschen Profifußball, geschweige denn in der 3. Liga oder Regionalliga. Sollte auch er die verbleibenden Wochen nicht in positive Ergebnisse ummünzen, droht das nächste Problem: Ein Trainer, der für den Neustart in der Regionalliga womöglich schon vorbelastet ist.
Realistisch betrachtet geht es sportlich um nichts mehr. 30 oder mehr Punkte – und die bräuchte es für den Klassenerhalt – aus 14 Spielen sind reine Fantasie. Genau deshalb hätte es eine strategische Perspektive gebraucht – nicht den Eindruck eines hektischen Signals nach außen. Der 1. FC Schweinfurt wollte Handlungsfähigkeit demonstrieren. Herausgekommen ist ein Anfall von Aktionismus – vor allem aufgrund des Zeitpunkts. Und der ist meist das deutlichste Zeichen dafür, dass ein Plan fehlt.