"Kein Freund von Paniksachen": Tarnat legt in Aue los
An Neujahr verpflichtet, hat Aues neuer Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat am Montag seine Arbeit aufgenommen. In einer Medienrunde gab er erste Einblicke in seine Gedanken, Ziele und Eindrücke rund um den Wechsel ins Erzgebirge.
"Überrascht" über Anruf
Über den Erstkontakt zeigte sich Tarnat zunächst "überrascht", den Anruf erhalten zu haben, berichtete der frühere Nationalspieler laut der "Freien Presse" und schilderte, wie schnell ihn die Idee überzeugt habe. Die Infrastruktur, die Fanbasis und die Gespräche mit Präsident Thomas Schlesinger, Sportvorstand Jens Haustein und Berater Steffen Ziffert hätten bei ihm früh Begeisterung ausgelöst. Nach einem mehrstündigen Austausch sei sein Eindruck gewesen, "dass die Menschen, mit denen ich mich getroffen habe, genauso ticken und offen sind wie ich".
Grundsätzlich legt Tarnat großen Wert auf Transparenz im Miteinander. "Mir ist unheimlich wichtig, dass wir ehrlich miteinander umgehen, nicht übereinander, sondern miteinander reden", betonte er. Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Herangehensweise an das laufende Transferfenster wider. Überstürzte Entscheidungen wird es aus seiner Sicht nicht geben: "Ich bin kein Freund davon, Paniksachen zu machen und nur irgendetwas zu tun, weil andere Vereine das so handhaben." Vielmehr wolle er sich zunächst ein umfassendes Bild machen und alles eng mit dem Trainerteam abstimmen.
"Hier kann man sich wohlfühlen"
Sein großes Netzwerk will Tarnat dabei gezielt einsetzen, ohne Schnellschüsse zu forcieren. Zwar kenne er viele Spieler, "insbesondere im bayerischen Raum", doch entscheidend sei, "dass Spieler eben auch zu uns passen, sie sollten uns weiterhelfen". Erste Ideen habe er bereits, Details wollte er jedoch nicht preisgeben. Auch privat fühlt sich Tarnat in Aue gut aufgehoben. Einen Kulturschock verspürt er nicht – im Gegenteil. Die Fahrt am Morgen entlang der Mulde habe er als sehr angenehm empfunden, scherzhaft habe er zunächst an die Isar gedacht. "Hier kann man sich wohlfühlen", sagte er und ergänzte: "Ich bin total glücklich, hier zu sein."
Dass Tarnat in den vergangenen dreieinhalb Jahren keine neue Aufgabe angenommen hatte, lag nicht an fehlenden Angeboten. "Ich hatte schon die ein oder andere Anfrage", erklärte er, doch erst in Aue habe er das richtige Gefühl gehabt. "Hier habe ich das Gefühl, dass ich etwas entwickeln und dem Verein dabei helfen kann, wieder in andere Gefilde zu kommen." Besonders angetan zeigt sich Tarnat von der Mentalität in der Region. "Im Erzgebirge sind alles bodenständige, ehrliche Menschen, die offen ihre Meinung sagen", sagte er – und stellte klar: "Und das gefällt mir, so ein Typ bin ich auch."