Jahn Regensburg nach vierter Niederlage in Folge am Boden

Nach einer erneut schwachen Vorstellung beim 0:2 (0:0) gegen Kiel ist der SSV Jahn Regensburg am Boden angekommen – nicht nur in der Tabelle. Nach der vierten Niederlage in Folge und bereits der dritten ohne eigenes Tor ist der Jahn nun Schlusslicht. In Erfurt (0:2) keimte beim SSV aufgrund der ansprechenden Leistung zwar noch ein Funken Hoffnung auf, dieser wurde nach der trostlosen Vorstellung vom Mittwoch Abend aber völlig zerstört. Heider und Kazior trafen für die stärkeren, aber längst nicht starken Kieler. Der Jahn hält derweil noch an seinem Trainer fest.

Schmidt: "Mannschaft hat alles gegeben!"

"Ich muss die Mannschaft jetzt aufbauen. Draufhauen bringt nichts, Schuldzuweisungen machen keinen Sinn. Ich stelle mich schützend vor die Mannschaft – sie hat alles gegeben." Das waren die Worte von Jahncoach Alexander Schmidt nach dem Auftritt gegen Kiel. Ähnlich hatte er sich schon nach dem blamablen Pokalaus in Weiden geäußert und ähnlich klang es auch nach der trostlosen Niederlage gegen Münster. Und auch nach dem 0:2 in Erfurt am vergangenen Samstag. Die Mannschaft der Regensburger muss derzeit besonders oft aufgebaut werden, denn sie ist auch psychisch am Boden. Ob das Aufbauen des Trainers überhaupt noch hilft? In Erfurt war noch so etwas wie Gegenwehr zu erkennen. Ein Attribut, dass Hoffnung machte nach den zuvor so blutleeren Auftritten in Weiden und gegen die Preußen. Doch gestern zeigte die Jahnelf erneut diese enorm schwache Leistung. Man hatte als Zuschauer im Jahnstadion nicht das Gefühl, die Mannschaft habe alles gegeben. Im Gegenteil, die Mannschaft samt Trainer haben derzeit jeglichen Kredit bei den Fans verspielt, wie diverse Spruchbänder während des Spiels zeigen und der Stopp des Supports ab der 65. Minute.

Kein Kampf, kein Wille, kein Aufbäumen. Nichts.

Sinnbildlich für die mangelnde Kampfbereitschaft sind die beiden Gegentore. Minute 65: Kegel gab den Ball nach links auf den unbedrängten Wetter, der konnte ungehindert in den Fünfmeterraum flanken, zunächst noch an Freund und Feind vorbei. An der rechten Seite ging dann Herzel nur noch halbherzig zur Sache, sodass plötzlich zwei Kieler vor ihm am Ball waren und Breitkreuz noch mal ins Zentrum geben konnte. Windmüller und Bergdorf standen sich selbst im Weg und so konnte Heider das Rund zum 1:0 über die Linie drücken. Minute 77: Breitkreuz marschierte auf der rechten Seite, wurde weder von Herzel, noch von Dürmeyer vernünftig gestört und konnte den Ball in den Strafraum geben. Windmüller sah der Flanke nur nach und beachtete den herannahenden Kazior nicht, der schließlich – wie im Training – aus sechs Metern nur noch einzunicken brauchte. Kein Kampf, kein Wille, kein Aufbäumen. Nichts.

15 gute Minuten reichen nicht

Nur in den ersten fünfzehn Minuten nach der Halbzeitpause war der Jahn motiviert, erspielte sich gute Chancen. Hein (47.), Aosman (52., 61.) und Geipl (57.) strahlten so etwas wie Torgefahr aus. Genau in dieser Phase fiel das 0:1 – danach war wie schon in den 45 Minuten davor nichts zu sehen von den Ostbayern. Kiel selbst brachte auch nicht sonderlich viel zu Stande. Von Anfang an versuchten sie, die Jahnabwehr mit Flanken aus dem Halbfeld zu überwinden und hofften, dass im Zentrum ein Storch frei steht und einschieben kann. Komischerweise war die Defensive der Hausherren wirklich jedes Mal überrascht von dieser Methode. Und, zum Glück für den Jahn, waren die Kieler noch überraschter, dass das funktionierte und waren mit wenigen Ausnahmen (14., 18., 23.) überhaupt nicht torgefährlich. Für die KSV war es ein leichtes, im Duell zweier schwacher Teams das stärkere zu sein.

Wo steckt der Fehlerteufel?

Aber wo genau hapert es beim Jahn? Ist es die schlechte Kaderzusammenstellung? Sind es die fehlenden Stützen? Ist es der Trainer? Selbst, wenn die eine oder andere Personalentscheidung nicht glücklich war (Neunaber) – gegen einen Fünftligisten muss man auch mit elf Regionalligaspielern gewinnen. Und auch in einer Drittligapartie kann man erwarten, dass die Mannschaft kämpft und Einsatz zeigt. Dass in einer brenzligen Situation auch mal die Grätsche ausgepackt, eine Karte riskiert und dem Gegner gezeigt wird: Bis hierhin und nicht weiter! Thomas Kurz war zu so einem taktischen Foul bereit (33.), doch solche Aktionen waren Mangelware – warum? Spielt die Mannschaft schon gegen ihren Trainer, wo es ein offenes Geheimnis ist, dass der eine oder andere Jahnspieler nicht mir ihm auskommt?

Trainer Schmidt scheint hilflos

Es macht den Eindruck, dass Schmidt alles ausprobiert was möglich ist, in der Hoffnung, dabei die richtige Aufstellung zu entdecken. An der Seitenauslinie war er unentwegt am Anweisungen geben, er änderte erneut sein Spielsystem während des Spiels (von einem 4-4-2 mit Raute auf ein 4-2-3-1), er bringt jede Partie andere Joker. Alexander Schmidt scheint auch ein Stück weit hilflos zu sein. "Alexander Schmidt macht einen guten Job. Ich kann ihm, was seine Arbeit anbetrifft, keinen Vorwurf machen”, erklärte heute Jahns Sportchef Christian Keller. Die Beurlaubung Schmidts ist trotz allem also noch kein Thema beim SSV.

Ist die Mannschaft verunsichert?

Ist es daher vielleicht die Verunsicherung, die bei den Akteuren zutage kommt, die ihre Situation nicht einschätzen können? So scheint Schmidt selten mit Gino Windmüllers Leistungen einverstanden zu sein, dennoch wird der Innenverteidiger stets von Beginn an gebracht. Zuerst als Verteidiger, dann als Stürmer (Schmidt: "Windmüller macht mir hinten zu viele Fehler, vorne ist das nicht so schlimm"). Gegen Kiel begann er gar als offensiver Mittelfeldspieler und wurde – nachdem das nicht funktioniert hatte – auf die rechte Außenbahn geschickt. Jonas Erwig-Drüppel wird vom Jahncoach wegen seiner Schnelligkeit und offensiven Fähigkeiten stets über den grünen Klee gelobt, doch beim Stande von 0:2 wird nicht er gebracht, sondern der junge, unerfahrene Noah Michel. Markus Smarzoch war gegen Münster bemüht, sah aber gegen einen starken Kara kein Land. Schmidt lobte ihn dennoch, er habe seine Sache gut gemacht – und ein Spiel darauf war Smarzoch nicht mal mehr im Kader. Ist diese Verunsicherung Schuld an den schlechten Auftritten? Die Angst, einen Fehler zu machen?

Es muss sich etwas ändern!

Fakt ist: So kann es nicht weiter gehen! Nach so desaströsen Vorstellungen, den letzten Ergebnissen und dem damit verbundenen Fall ans Ende der Tabelle muss sich etwas ändern! Im Jahr des Stadionneubaus in die Regionalliga abzusteigen, wäre fatal. Den Sportchef zu entlassen macht mitten in der Hinrunde wenig Sinn, vor allem da die Mannschaft bereits bewiesen hat, dass sie eigentlich gut zusammengestellt wurde – als Fehlentscheidung könnte im Nachhinein lediglich die Nichtverlängerung Neunabers angemerkt werden. Wenn die Mannschaft aber tatsächlich gegen den Trainer spielt, dann könnte das auch als Zeichen gewertet werden. Vielleicht hilft auch die eine oder andere Neuverpflichtung, aber es muss sich etwas ändern! Zusehen und auf Besserung warten kann zumindest nicht die Devise sein, denn irgendwann (siehe Saarbrücken) kommt der Punkt, wo alles zu spät ist.

Foto: Regensburg1889.de

   

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