Vor Lizenz-Aus: Ismaik stand wohl vor Verkauf seiner Anteile

Im Machtkampf beim TSV 1860 München sind neue Details zu möglichen Investorenlösungen bekannt geworden. Demnach soll Investor Hasan Ismaik noch vor dem Verlust der Drittliga-Lizenz bereits Einigkeit über den Verkauf seiner Anteile erzielt haben. Der Zwangsabstieg der Löwen in die Regionalliga könnte einem möglichen Deal letztlich den Boden entzogen haben.

20-Millionen-Angebot?

Wie die "Abendzeitung" berichtet, soll es in den vergangenen Wochen Gespräche mit einem Investorenkonsortium gegeben haben. Demnach habe bereits Einigkeit über einen Verkauf von Ismaiks Anteilen bestanden. Voraussetzung für die Umsetzung des Geschäfts soll allerdings der Verbleib des TSV 1860 München in der 3. Liga gewesen sein. Mit dem Lizenzentzug und dem damit verbundenen Abstieg in die Regionalliga verlor das Vorhaben offenbar seine Grundlage. Nach den vorliegenden Informationen hätte ein neuer Investor nicht nur die Anteile an der Profifußball-Gesellschaft übernommen, sondern auch bestehende Darlehen abgelöst und weitere wirtschaftliche Verpflichtungen übernommen. Eine offizielle Bestätigung für die Angaben gibt es bislang allerdings nicht.

Brisant ist zudem ein weiterer Bericht über ein Kaufangebot, das Ismaik bereits vor zwei Monaten erhalten haben soll. Demnach habe ein Interessent rund 20 Millionen Euro für die Anteile des Jordaniers geboten und die erforderliche Finanzierung nachgewiesen. Der Zeitung zufolge soll Ismaik zunächst Bereitschaft signalisiert haben, auf das Angebot einzugehen, ehe die Verhandlungen letztlich scheiterten. Ob hinter diesem Angebot eine Investorengruppe um Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger stand, wie zuletzt mehrfach spekuliert wurde, ist bislang nicht belegt. Hitzlsperger hatte sein Interesse an einem Engagement bei den Löwen in der Vergangenheit grundsätzlich bestätigt, die Situation rund um den Traditionsverein aber zugleich als "sehr kompliziert" bezeichnet.

Investorenseite verweist auf alternative Finanzierung

Unterdessen bereitet sich die Investorenseite weiter auf die juristische Auseinandersetzung mit dem TSV 1860 München e.V. vor. Nachdem der Stammverein den Kooperationsvertrag gekündigt hatte, soll ein umfangreiches Papier erstellt worden sein, das die Ereignisse rund um die Kündigung der Darlehensverträge und die anschließende Eskalation aus Sicht Ismaiks dokumentiert. Darin widerspricht die HAM-Seite insbesondere der Darstellung, die Kündigung der Darlehen sei überraschend erfolgt. Nach ihrer Sichtweise habe es im Vorfeld intensive Gespräche über die wirtschaftliche Zukunft der KGaA gegeben. Dabei soll auch eine alternative Finanzierung diskutiert worden sein.

Nach Angaben der Investorenseite habe ein externer Geldgeber bereitgestanden, der zusätzliche Mittel von mehr als vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt hätte. Aus Sicht des Ismaik-Lagers habe es damit weiterhin Möglichkeiten gegeben, die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Profifußball-Gesellschaft zu sichern und alternative Lösungen zu prüfen. Damit stehen sich auch weiterhin zwei unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Während die Vereinsführung die Verantwortung für den Verlust der Drittliga-Lizenz bei der Investorenseite sieht, verweist Ismaiks Lager auf Finanzierungs- und Investorenmodelle, die nach eigener Darstellung nicht weiterverfolgt wurden.

Weiterer Streit um die Verantwortung

Ob die zuletzt diskutierten Konzepte tatsächlich umsetzbar gewesen wären, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Fest steht jedoch, dass der Konflikt zwischen Investor und Stammverein auch nach dem Zwangsabstieg weiter eskaliert. Während der e.V. den Neustart in der Regionalliga plant, bereitet die Investorenseite rechtliche Schritte gegen die Kündigung des Kooperationsvertrags vor.

Zudem hatte Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler angekündigt, gegen die Nichterteilung der Lizenz juristisch vorgehen zu wollen. Möglich wäre ein Gang vor das Ständige Schiedsgericht, allerdings sind die Erfolgsaussichten sehr gering, da die Löwen die DFB-Frist verstreichen ließen und damit ein wesentliches Kriterium für die Zulassung nicht erfüllt haben. Klar scheint: Die Auseinandersetzung um die Zukunft der Löwen dürfte damit noch lange nicht beendet sein.

   

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