Ismaik-Anwalt vermutet Vorsatz hinter Zwangsabstieg
Zum zweiten Mal nach 2017 steht für den TSV 1860 München der Zwangsabstieg in die Regionalliga. Wurde dieser vorsätzlich herbeigeführt? Davon geht zumindest Peter Gauweiler, Anwalt von Investor Hasan Ismaik, aus.
Gauweiler spricht von Masterplan
2,7 Millionen Euro! Diese Summe hätte Ismaik bis zum 3. Juni bereitstellen müssen, um den Zwangsabstieg zu verhindern. Doch die Verhandlungen zwischen dem Jordanier und dem e.V. scheiterten, sodass 1860 die Lizenzbedingungen des DFB nicht erfüllen konnte und als Absteiger feststeht. Für Peter Gauweiler, der Ismaik nun anwaltlich vertritt, war das kein Zufall.
"Ich glaube, dass das Scheitern der Verhandlungen letzte Woche vorsätzlich war", sagt er in der "Bild"-Zeitung und vermutet einen Masterplan dahinter: "Die Insolvenz in Kauf zu nehmen, in die Regionalliga abzusteigen, mit dem Gedanken: 'Damit schaffen wir es, dass wir die KGaA auflösen und Ismaik sind wir los.‘" Dem 76-Jährigen zufolge hätte das Geld von Ismaik "vorige Woche auf Knopfdruck gezahlt werden können. Wir hegen auch die Hoffnung, dass das noch passiert".
Kampf um die 3. Liga
Gauweiler glaubt daran, dass die Löwen dann doch noch in der 3. Liga bleiben. Bereits am Mittwoch war bekanntgeworden, dass der DFB sowie der Bayerische Fußball-Verband darüber informiert worden sein sollen, dass die Ismaik-Seite im Zweifel gegen eine Nichterteilung der Drittliga-Zulassung vorgehen will und weiterhin bereit sei, die benötigten rund 2,7 Millionen Euro bereitzustellen.
"Es gibt schon noch Möglichkeiten, den Profifußball für 1860 zu erhalten. Die DFB-Statuten lassen eine Beschwerde gegen den Abstieg zu. Diesen Versuch würden wir gerne gemeinsam machen, um den Profifußball zu erhalten für 1860. Das ist der Versuch von Herrn Ismaik, das zu erreichen", so Gauweiler. Die Frist beim DFB lief allerdings bereits am 3. Juni ab, eine Nachfrist gibt es nicht. Am heutigen Donnerstag wird der Verband seine Entscheidung über die Zulassungen zur kommenden Saison verkünden.
Zieht Ismaik vor das Schiedsgericht?
Bei der zu erwartenden Nichterteilung könnte Ismaik mit der KGaA vor das Ständige Schiedsgericht ziehen, allerdings wären die Erfolgsaussichten sehr gering. 2013 hatte auch der MSV Duisburg beim Schiedsrichter geklagt, nachdem die DFL den Zebras wegen des fehlenden Nachweises über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die Zweitliga-Lizenz verweigert hatte. Das Schiedsgericht bestätigte den Lizenzentzug jedoch, sodass der MSV in die 3. Liga abstieg. Auch für 1860 dürfte die Tür auf einen Ligaverbleib geschlossen sein. Gauweiler sagt aber: "Herr Ismaik prüft jetzt alle Optionen."
Auch, weil ihn die Aussagen von Präsident Gernot Mang zu seiner Herkunft ("jemand aus Middle East") "persönlich sehr getroffen" und "ihn sehr, sehr verletzt" hätten, so Gauweiler. Laut der "Abendzeitung" soll eine gütliche Einigung endgültig vom Tisch sein, stattdessen "ist der Investor nun zur maximalen Konfrontation bereit und hat sein Anwalts-Team sogar noch mal aufgestockt", schreibt das Blatt. Die KGaA will Ismaik demnach weiterhin erhalten, weil seine Anteile daran sonst wertlos wären. Weil das Spielrecht durch die Kündigung des Kooperationsvertrags nun allerdings beim e.V. liegt, hat die KGaA keine Geschäftsgrundlage mehr, sodass die Insolvenz droht – sogar schon kurzfristig.