Havelse dicht vor Abstieg: Ferchichi beklagt "schlechte Gewinner"
Mit einem Sieg im Kellerduell beim SSV Ulm hätte der TSV Havelse die Rest-Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben erhalten, doch durch die Last-Minute-Pleite sind die Niedersachsen angesichts von neun Punkten Rückstand auf das rettende Ufer vor den letzten vier Spieltagen so gut wie abgestiegen. Trainer Samir Ferchichi wollte davon aber nichts wissen – und beklagte "schlechte Gewinner".
"Man kann ein Spiel mit Emotionen gewinnen, aber …"
Bitterer kann man ein Spiel kaum verlieren: Schließlich war der TSV in der Schlussphase drauf und dran, das 2:1 zu erzielen und die Partie dann komplett zu drehen, doch in der fünften Minute der Nachspielzeit schlug mit der letzten Aktion plötzlich der SSV zu und entriss Havelse damit das Spiel. Dennoch war Trainer Samir Ferchichi "brutal stolz" auf seine Mannschaft und verwies darauf, dass diese in den letzten 15 Tagen fünf Partien absolviert habe und am Mittwoch im Landespokal über 120 Minuten auf dem Platz stand – mit dem Aus im Elfmeterschießen. "Wir sind auf dem Zahnfleisch gegangen und haben kurz vor dem 1:1 drei verschiedene Systeme gespielt. Sie haben es brutal umgesetzt und den Gegner eingeschnürt. Wir machen das verdiente 1:1 und sind dem 2:1 deutlich näher." Dass die Partie dennoch verloren ging, wog für Ferchichi aber nicht so schlimm wie ein anderer Aspekt.
"Ich habe den Jungs gesagt, dass man sich immer daran erinnern wird, wie man gegangen und nicht wie man gekommen ist. Wir sind eine Mannschaft, die niemals ein schlechter Verlierer ist und erst recht nicht ein schlechter Gewinner. Und da muss ich sagen, bin ich von dem einen oder anderen hier heute ein bisschen enttäuscht. Man kann ein Spiel mit Emotionen gewinnen, aber man sollte immer ein guter Gewinner und kein schlechter Gewinner sein, weil das viel, viel schlimmer ist als ein schlechter Verlierer." Was genau er damit meinte, wollte der 40-Jährige nicht verraten: "Diejenigen wissen Bescheid."
In der Schlussphase war zu beobachten, dass Ferchichi häufiger mit Ulms Coach Pavel Dotchev diskutierte, wobei er dazu festhielt, nicht diskutiert zu haben. "Ich halte sehr viel von Pavel, weil er ein sehr erfahrener, weiser und sehr guter Trainer ist und vor allem auch ein guter Mensch. Meine Aufgabe ist es natürlich als Cheftrainer zum Cheftrainer dann auch das zu sagen, was ich sehe und was ich meine. Und da hat mir Pavel auch recht gegeben."
"Dahin wird mich kein Reporter bringen"
Davon, dass der Abstieg angesichts von neun Punkten Rückstand auf das rettende Ufer inklusive der deutlich schlechteren Tordifferenz gegenüber dem 1. FC Saarbrücken bei nur noch vier ausstehenden Spielen so gut wie besiegelt ist, wollte Ferchichi indes nichts wissen: "Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben und mit der Tordifferenz müsste man wahrscheinlich zehn Punkte aufholen. Ja gut, dann ist das so und dann müssen wir daran arbeiten. Also letztendlich wird mich kein Reporter, nicht Sie und auch kein anderer, dahin bringen, dass ich sage, wir sind weg vom Fenster, solange es noch möglich ist."
Das habe ihn nie ausgezeichnet und das sei auch nicht seine Handschrift. "Was wäre ich für ein Trainer, wenn ich jetzt vor Ihnen stehe und sage, das ist der sichere Abstieg. Das werden Sie erst von mir hören, wenn es rechnerisch so ist." Das könnte am kommenden Spieltag der Fall sein, wenn Hoffenheim II mindestens einen Punkt holt, Saarbrücken gewinnt und Havelse nicht gegen Stuttgart II siegt. "Vorher bin ich einfach nur unfassbar stolz auf die Mannschaft, die in den letzten Tagen und Wochen brutal abgerissen hat. Ich habe letzte Woche gesagt, dass ich nur Liebe für die Truppe verspüre, weil die einfach geil ist. Da lasse ich mir von keinem was anderes erzählen."