Fehlentscheidungen: Wer am häufigsten benachteiligt wurde

Nach jedem Spieltag analysiert Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati exklusiv für liga3-online.de die strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Doch wer wurde in der Hinrunde am häufigsten benachteiligt und wer profitierte am meisten? liga3-online.de klärt auf.

Löwen am häufigsten benachteiligt

76 Mal lagen die Schiedsrichter in der laufenden Saison in den von Rafati analysierten Szenen (Tore, Elfmeter, Platzverweise) nach Einschätzung des 55-Jährigen daneben. Auf die Saison hochgerechnet würden sich insgesamt 224 falsche Pfiffe ergeben – 21 weniger als in der letzten Saison.

Die meisten Fehlentscheidungen musste bislang der TSV 1860 München hinnehmen. Schon 14 Mal lagen die Unparteiischen bei den Löwen daneben – darunter bei acht Elfmeter-Pfiffen (Liga-Spitze). Zuletzt hätte 1860 sowohl gegen Saarbrücken als auch in Ulm und gegen Schweinfurt einen Elfmeter bekommen müssen, zudem hätte Kevin Volland beim Spiel in Ingolstadt nicht vom Platz fliegen dürfen. Angesichts der hohen Anzahl von Fehlentscheidungen hatte Präsident Gernot Mang vor Kurzem angekündigt, "jetzt bald mal was zu unternehmen." Was genau ließ er allerdings offen.

Auf Platz zwei folgt der SC Verl mit zehn Fehlentscheidungen. Osnabrück wurde achtmal benachteiligt und belegt damit Rang 3, dahinter kommen Saarbrücken und Duisburg mit jeweils sieben falschen Pfiffen. Die wenigsten Fehlentscheidungen gab es bislang gegen den 1. FC Schweinfurt. Nur zweimal sind die Schnüdel in der Hinrunde benachteiligt worden. Größter Streitpunkt sind die Strafstöße: Hier entschieden die Unparteiischen Rafati zufolge 65 Mal falsch, was einen Anteil von 58 Prozent aller Fehlentscheidungen ausmacht.

Fehlentscheidungen (benachteiligt)

Stand: 16. März
#Tor11mPlatzverweisGesamt
 Gesamt:319645172
1 112720
2 28313
3 36312
4 15511
25411
608210
35210
25310
43310
10 1708
11 3317
1247
5027
14 0516
2136
16 1405
1315
0505
0505
20 0314

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Erläuterungen:

  • Tor: Eigenes Tor wird aberkannt oder Gegentor durch Fehlentscheidung (Abseits, Foulspiel vorangegangen etc.)
  • Elfmeter: Elfmeter wird nicht gegeben oder unberechtigter Elfmeter gegen sich
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen sich oder Gegner erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

Quintett profitierte fünfmal

Die meisten Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten ausgelegt bekamen nach Rafatis Einschätzungen bislang Hoffenheim II, Wiesbaden, Rostock, Cottbus und Ingolstadt mit jeweils acht falschen Pfiffen. Dahinter folgen Mannheim und Saarbrücken (beide sieben).

1860, das am häufigsten benachteiligt wurde, profitierte dagegen erst fünfmal von einer Fehlentscheidung, was im Liga-Vergleich den 11. Platz bedeutet – zusammen mit Duisburg, Regensburg und Havelse. Die wenigsten Fehlentscheidungen hinnehmen mussten in der Hinrunde Osnabrück, Stuttgart II, Köln und Verl (alle 3).

Fehlentscheidungen (profitiert)

Stand: 16. März
#Tor11mPlatzverweisGesamt
 Gesamt:319645172
1 38314
2 39113
3 27312
425411
5 44210
18110
25310
8 2529
1629
10 2338
0538
0718
13 2417
2237
1337
1427
1427
1822126
19 0235
20 0314

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Erläuterungen:

  • Tor: Gegnerischer Treffer wird aberkannt oder eigener Treffer gegeben trotz Fehlentscheidung
  • Elfmeter: Gegner erhält berechtigten Elfmeter nicht oder unberechtigter Elfmeter erhalten
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen den Gegner oder eigenes Team erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

Große Differenzen bei 1860, Verl und Hoffenheim

Gleichen sich die Entscheidungen im Laufe der Saison aus? Bislang kommt das nach Auswertung von Rafatis Einschätzungen bei Saarbrücken (siebenmal benachteiligt, siebenmal profitiert), Aachen (6/6), Havelse (5/5) und Stuttgart II (3/3) hin. Bei vielen Klubs aber nicht. So wurde 1860 München schon 14 Mal benachteiligt (Liga-Spitze), profitierte aber erst fünfmal. Auch Verl (10/3) und Osnabrück (8/2) wurden deutlich häufiger benachteiligt als dass sie profitierten.

Genau anders herum verhält es sich bei der TSG Hoffenheim II: Während die Kraichgauer "erst" drei Fehlentscheidungen hinnehmen mussten, profitierten sie gleich achtmal von einer solchen. Mannheim (3/7) wurden ebenfalls deutlich häufiger bevorteilt als benachteiligt.

Pech vs. Glück

BenachteiligtProfitiertDifferenz
145-9
103-7
83-5
75-2
64-2
53-2
770
660
550
330
561
352
242
682
682
363
583
583
374
385

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Auswirkungen auf die Tabelle?

Natürlich wirken sich die Fehlentscheidungen auch auf die Tabelle aus – positiv wie negativ. So ist nicht von der Hand zu weisen, dass drei der fünf Teams, die am häufigsten profitierten, zu den Spitzenteams zählen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Wiesbaden trotz acht Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten nur den elften Tabellenplatz belegt. Gleichzeitig ist Verl Zweiter, obwohl die Ostwestfalen am zweithäufigsten benachteiligt wurden und am wenigsten profitierten.

Denn: Natürlich spielt es immer auch eine Rolle, welche Entscheidungen falsch waren, zu welchem Zeitpunkt während der Partie sie getroffen wurden und welchen Einfluss sie auf den weiteren Spielverlauf nahmen. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass etwa nicht gegebene Elfmeter tatsächlich verwandelt worden wären. Aus diesen Gründen lässt sich auch keine "wahre Tabelle" erstellen. Für mehr Gerechtigkeit könnte womöglich der Videobeweis sorgen. Nachdem die Klubs die VAR-Einführung bislang aber abgelehnt hatten, wurden die Rufe zuletzt lauter. Im Februar wird das Thema bei einer Managertagung beim DFB nochmal auf die Tagesordnung kommen.

   

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