"Ego dem Wappen unterordnen": Wie Giannikis den FCS retten will
Nach nur acht Spielen als Cheftrainer ist Jürgen Luginger beim 1. FC Saarbrücken schon wieder Geschichte, nun soll Argirios Giannikis die Saarländer vor dem Abstieg bewahren. Der 45-Jährige sprach am Mittwoch zwar von einer "herausfordernden Situation", hat aber einen klaren Plan, wie der Klassenerhalt in den verbleibenden 15 Partien gelingen soll.
"Wollten einen neuen Impuls setzen"
Unter der Überschrift "Vorstellung Vorstand Sport" hatte der 1. FC Saarbrücken am Dienstagabend zu einer Pressekonferenz für Mittwochvormittag eingeladen. Neben dem angekündigten neuen Sportvorstand präsentierten die Blau-Schwarzen mit Argirios Giannikis überraschend aber auch einen neuen Trainer. Noch zu Wochenbeginn schien es so, als würde Jürgen Luginger zumindest noch die Partie gegen den VfB Stuttgart II am kommenden Samstag als eine Art Endspiel erhalten, nun ist der 58-Jährige vorzeitig freigestellt und "bis auf Weiteres" beurlaubt worden, wie Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Hager bei der Medienrunde sagte. Auch als Sportdirektor wird Luginger ab sofort nicht mehr tätig sein.
Diese Rolle übernimmt Markus Thiele, der als Sportvorstand fungieren wird. Ein Posten, der im Rahmen der Satzungsänderung neu geschaffen wurde. Hager bezeichnete den 44-Jährigen als "Experten" und "absoluten Profi", zudem sei er aus seiner Zeit in Ulm, Rostock und Aalen ein "Kenner der Liga". Thiele hatte sich dem Vernehmen nach gegen rund 40 Bewerber durchgesetzt. Zwar befinde sich der FCS derzeit in einer "sportlich schwierigen Situation", wie er betonte, diese sei aber auch "eine große Chance, den Verein neu auszurichten". Ohnehin sieht Thiele im FCS "viel Potenzial" und will eine Aufbruchsstimmung erzeugen. In den nächsten Wochen werde es nun darum gehen, "so schnell wie möglich die nötigen Punkte" zu holen.
Eine Aufgabe, die er Luginger allerdings nicht mehr zutraute – und daher in seiner ersten Amtshandlung Argirios Giannikis als neuen Trainer eingestellt hat. "Wir wollten einen neuen Impuls setzen. Das geht nach dem Ende der Transferphase nur auf der Trainerposition", begründete Thiele die Entscheidung für den Trainerwechsel. Dass die Wahl auf Giannikis gefallen ist, erklärte Thiele zum einen mit der Ruhe und der Erfahrung bei Traditionsvereinen, die der 45-Jährige mitbringe. Zum anderen sei er in der Lage, "Vereine nachhaltig und langfristig zu entwickeln" und habe schon andere Klubs in schwierigen Phasen übernommen. Darunter den TSV 1860 München, den er in der Rückrunde der Saison 2023/24 auf Platz 15 stehend zum Klassenerhalt geführt hatte.
Leidenschaft, Disziplin, Konsequenz
Das ist nun auch sein Auftrag beim FCS. "Die Ausgangslage ist ganz klar, 15 ausstehende Spiele, Ziel Klassenerhalt“, stellte Giannikis unmissverständlich klar. Er habe die Verantwortung in einer "herausfordernden Situation" bewusst und voller Überzeugung übernommen. Entscheidend sei nun, dass sich alle Beteiligten kompromisslos dieser Aufgabe verschreiben – von der Mannschaft über das Trainerteam bis hin zum gesamten Vereinsumfeld und den Fans. Die Energien müssten gebündelt, der Fokus klar gehalten werden. Dabei gelte es, das "Ego dem Wappen unterzuordnen".
In den Gesprächen mit den Verantwortlichen habe er große Klarheit über die aktuelle Lage, aber auch über die Zukunftsvision des Vereins gespürt. Dennoch zähle jetzt ausschließlich die Gegenwart. Es gehe darum, schnellstmöglich die nötigen Punkte einzufahren. Seine bisherigen Erfahrungen, Traditionsvereine während einer laufenden Saison in schwierigen Situationen zu übernehmen und rasch Wirkung zu erzielen, hätten ihn bestärkt, den Schritt nach Saarbrücken zu gehen. Giannikis zeigte sich überzeugt, dass die Qualität im Kader vorhanden sei. Die Mannschaft habe in der vergangenen Saison noch dicht vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga gestanden. Er wisse aus eigener Erfahrung, wie schwierig eine Spielzeit nach einem knapp verpassten Erfolg verlaufen könne. Wichtig sei nun ein Neustart: "Das Gute an der vergangenen Situation, die nicht ganz positiv war, ist, dass sie vorbei ist. Und wir starten heute neu."
Inhaltlich kündigte der neue Coach an, pragmatisch vorzugehen. Es gehe nicht um Selbstverwirklichung oder darum, kurzfristig eine komplexe Spielidee zu implementieren. Dafür fehle schlicht die Zeit. Vielmehr wolle er den Spielern schnell "Tools an die Hand" geben, um Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Mannschaft zurückzugewinnen. Durch Wiederholungen im Training, intensive Einzelgespräche und klare Abläufe soll Stabilität entstehen. Entscheidend sei eine Balance in der Spielweise, die berechtigte Hoffnung gebe, "siegfähig zu sein und Ziele erreichen zu können". Leidenschaft, Disziplin und tägliche Konsequenz sollen den FCS in den verbleibenden 15 Partien über die Ziellinie bringen – und am Ende den Klassenerhalt sichern. Sein Debüt feiert der Deutsch-Grieche am Samstag gegen Stuttgart II, danach warten mit Ulm und Schweinfurt zwei Abstiegskandidaten.
Thiele bleibt wohl auch im Abstiegsfall
Zur Vertragslaufzeit des 45-Jährigen wollte sich Hager indes nicht konkret äußern, sagte aber: "Wir gehen davon aus, dass wir die Liga halten und dann mit dem Gespann weitermachen." Mit Thiele würde es dagegen wohl auch im Abstiegsfall weitergehen, jedenfalls betonte Hager, "auf alle Eventualitäten vorbereitet" zu sein. Bis März soll auch das restliche Vorstandsteam komplett sein, wobei es Überlegungen gibt, die Vorstände für die Bereiche Finanzen sowie Marketing/Vertrieb/Kommunikation in einen Posten zusammenzulegen. Ob es dazu kommen wird, "hängt auch von den Kandidaten ab".
Indes wird sich Thiele auch bereits mit der Planung der neuen Saison befassen, schließlich laufen gleich 20 Verträge aus. Der 45-Jährige sprach von einer "gefährlichen Situation", will mit den Spielern aber "intensive Gespräche" führen, um den Turnaround einleiten zu können. Es gehe darum, die Mannschaft zu stabilisieren und positive Energie reinzubringen. Die Verpflichtung eines weiteren Sportdirektors sei nicht geplant, Rüdiger Ziehl wird dem Verein bis zum 30. Juni weiterhin als Berater zur Verfügung stehen. Ob der FCS dann noch immer Drittligist ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.