"Das Ansehen des Vereins in der Stadt ist sehr gut"

Sie stehen mittlerweile seit dem 15. Spieltag auf dem zweiten Platz. Könnte man nach 38 Spieltagen als Aufsteiger dennoch damit leben, in die Relegation zu müssen oder wäre dies dann schon eine Enttäuschung?

Ich gehe nicht davon aus, dass es so kommt. Und selbst wenn dieser Fall eintreten sollte, hat man in den Relegationsspielen dieselbe Chance wie der Tabellenführer und der Zweite den Aufstieg über diesen Weg zu schaffen. Wenn es so kommt, werden wir diese beiden Spiele auch mit voller Power angehen und darüber unseren Traum verwirklichen. Aber erst einmal gehen wir ganz schwer davon aus, dass wir es direkt schaffen.

Also braucht man jetzt auch nicht nach einem Wunschgegner fragen, da Sie sich damit nicht beschäftigen?

Nein, damit beschäftigen wir uns wirklich nicht. Unsere Ausgangslage ist gut und kann am Samstag sehr gut werden. Deshalb liegt der Fokus jetzt nur auf diesem Spiel und wir wollen die drei Punkte einfahren, sodass wir einen Riesenschritt machen können.

Wie lange haben Ihre Teamkollegen und auch Sie persönlich gebraucht, um sich nach dem Aufstieg an die Dritte Liga zu gewöhnen?

Eigentlich haben wir nicht so lange gebraucht, da wir uns alle darauf gefreut haben, auf einer vernünftigen Bühne Fußball spielen zu können – mit tollen Stadien, guten Mannschaften und vielen Zuschauern. Daher war die Gewöhnungszeit jetzt nicht allzu lang.

Bei Ihnen zeigt auch die Statistik, dass sie nicht so lange gebraucht haben: Sie haben in dieser Saison schon wieder 16 Tore geschossen. Das letzte Mal, dass Sie nicht zweistellig getroffen haben, war in der Saison 07/08 (5 Tore für Babelsberg). Kann man sich so ein "Näschen" antrainieren oder hat man das einfach im Blut?

Ich glaube, das lässt sich nicht so leicht üben (lacht). So ein paar technische Tricks kann man üben, aber man muss das Gespür dafür haben, wo der Ball runterfallen könnte und das man dann auch mal einfache Tore machen kann und goldrichtig steht. Ich wüsste nicht, wie man das so trainieren kann.

Also muss man als Stürmer geboren sein?

Wahrscheinlich ja (lacht).

Mit Yussuf Poulsen und Federico Palacios-Martinez haben Sie zwei sehr junge und talentierte Kollegen im Sturm. Holen sich die beiden bei Ihnen auch immer mal einen Ratschlag ab?

Ja, vor allem Yussuf ist da schon sehr gewillt, sich Sachen abzugucken und auch mal nachzufragen, was man in gewissen Situationen auch anders machen kann als er das getan hat. Federico muss noch ein bisschen auftauen, aber sie beide wollen lernen und Sachen annehmen. Man muss auch dazu sagen, dass beide Jungs schon sehr, sehr viel können, von daher kann auch ich nicht mehr allzu viel an sie weitergeben.

Also haben beide auch das Potential, mal groß rauszukommen?

Ja. Bei Yussuf sieht man es schon: Mit 19 Jahren spielt er schon eine sehr gute erste Drittliga-Saison. Er ist schon sehr weit, deshalb gehe ich davon aus, dass wir uns von dem Jungen noch viel erhoffen können.

Der Klub feiert im Mai seinen fünften Geburtstag, Sie spielen seit mittlerweile vier Jahren in Leipzig. Was hat sich im Laufe der Jahre im Umfeld des Klubs und auch im Anspruch an sich selber geändert?

Im Umfeld hat sich eine Menge geändert – vor allem positiv. Hier ein Beispiel: Im ersten Regionalliga-Jahr sind wir mit 20 RB-Fans nach Magdeburg gefahren. Im zweiten oder dritten Jahr waren es dann 2.000. Es ist also schon viel passiert. Die Leipziger nehmen es sehr positiv an, sind nahezu fußballverrückt und haben zum Großteil jetzt auch ihren Verein gefunden, zu dem sie sehr gerne gehen und den sie auch mit vollem Herzen unterstützen. Man sieht es auch an den Zuschauerzahlen. Mit Ralf Rangnick ist auch jemand in den Verein gekommen, der – drastisch formuliert – nicht auf alte, abgelutschte Profis setzt, die hier noch mal das letzte Geld verdienen wollen. Stattdessen setzt er auf die eigene Jugendarbeit, nicht nur auf die von außerhalb. Man sieht es auch an den ganzen Jugendtagen, die hier stattfinden. Die Leipziger Kinder können hier her kommen und ihr Talent zeigen. Es wird sehr gut angenommen und ist auch eine große Chance für die Jungend und Leipzig insgesamt.

Der Verein wird von vielen sehr kritisch beobachtet. Welches Ansehen hat RasenBallsport in der Stadt Leipzig mittlerweile?

Es ist sehr gut. Im ersten Jahr gab es immer mal ein paar Probleme. Man musste schon aufpassen, wo man hingeht. Aber mittlerweile ist es gegenteilig – die Leute sprechen einen an, wünschen einem Glück und man merkt, dass sie einfach wieder höherklassigen Fußball sehen wollen. Die Identifikation mit dem Verein ist vorhanden, man wird nie blöd angemacht. Das alles hat sich sehr zum Positiven gewandelt.

Also war es in der Anfangszeit so, dass man als Daniel Frahn wirklich aufpassen musste und es Anfeindungen gab?

Ja, absolut. Wenn man in eine Diskothek geht, sich hinstellt und dann von anderen Fangruppierungen "begrüßt" wird, weiß man, dass man hier falsch ist. Aber es kann auch sein, dass wir einfach am falschen Ort waren oder es wirklich daran liegt, dass es noch nicht so angenommen wurde wie jetzt. Seit dem waren wir nicht mehr in dem Laden und haben auch nie wieder irgendwelche negativen Sachen erlebt.

Was war das bisher bemerkenswerteste Spiel für Sie im Leipzig-Trikot, von dem Sie auch noch in einigen Jahren sprechen werden?

Das war das DFB-Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg. Wir haben 3:2 gewonnen und ich habe drei Tore gemacht.

Das ist ganz okay.

Ja (lacht). Deshalb werde ich auch noch in ein paar Jahren an diesen Tag zurückdenken. Das war mein bislang größtes Spiel, das ich gemacht habe.

Wie haben Sie die Relegationsspiele gegen Lotte erlebt? Sie saßen mit einem Innenbandriss leider nur auf der Bank.

Es war schade, dass ich nicht daran teilnehmen konnte. Man schießt das ganze Jahr Tore und kann in der entscheidenden Phase nicht mitwirken – das war schon nicht einfach. Ich war sehr zufrieden, dass ich es wenigstens noch geschafft habe, mich innerhalb von zweieinhalb Wochen so fit zu bekommen, dass ich auf der Bank sitzen konnte. Es war für meinen Kopf sehr wichtig, dabei gewesen zu sein.

Weil Sie eben meinten, dass es "nicht einfach" war. Ich stelle mir das grausam vor, in den zwei Spielen, auf die man die ganze Saison hinarbeitet, nicht dabei zu sein. Zudem wurde es im Rückspiel ja noch hoch dramatisch. Da muss man auf der Bank doch ausflippen?

Ja, so ähnlich war es auch ganz kurz, als das 2:0 für Lotte gefallen ist. Da will man auch in der Erde versinken. Aber genauso schnell war die Sonne auch wieder da, als wir den Anschluss und dann noch den Ausgleich erzielt haben. Daher war es an dem Tag schon eine Achterbahn der Gefühle – und es war wirklich grauenvoll, auf der Bank zu sitzen, da haben Sie Recht (lacht).

Zwar sind noch ein paar Spiele zu absolvieren, ertappt man sich trotzdem manchmal beim Träumen von der 2. Bundesliga?

Ich würde lügen, wenn ich nein sage. Wir sind Zweiter, haben noch vier Spiele zu absolvieren. Und wenn man verfolgt, was auf St. Pauli und in Kaiserslautern los ist, kommt man schon ins Träumen. Dafür arbeitet man auch jeden Tag hart – und das werden wir in den nächsten vier Wochen auch noch machen.

Im Landespokal verlief das Halbfinale ja nicht wie geplant, Sie schieden durch ein 0:1 gegen einen Fünftligisten aus. Was war an dem Tag los, hat man es vielleicht doch zu sehr auf die leichte Schulter genommen?

Eigentlich nicht, wir haben da ja auch keine A-Jugendmannschaft hingeschickt, sondern die Spieler, die sonst nicht so oft zum Einsatz kommen. Und die Jungs sind ja wahrlich nicht schlecht. Deshalb ist es schwer zu sagen, was da genau los war. Ich habe nicht gespielt, habe aber natürlich mitbekommen, dass der Trainer am nächsten Tag nicht so begeistert war und habe das den Jungs auch ganz klar mitgeteilt. Es war auf keinen Fall so, dass wir uns dachten: 'Komm, wir fahren da hin und verlieren 1:0, damit wir nicht noch ein Spiel mehr haben.' Unser Ziel war es, den Pokal zu gewinnen, das haben wir leider nicht geschafft und uns dort mal ganz gepflegt blamiert.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg, eine verletzungsfreie Zeit und alles Gute.

FOTOS: GEPA Pictures