"Bisschen betrogen worden": Schiele mit scharfer Schiri-Kritik

Auch in Verl bewiesen die Würzburger Kickers am Freitagabend wieder Moral und kamen nach einem 0:2-Rückstand zur Pause noch zum Anschluss, nicht aber zum Ausgleich – auch, weil in der Schlussphase nicht auf Notbremse gegen Verls Torhüter Schlieck entschieden wurde. Trainer Michael Schiele war entsprechend sauer – und holte zu einer scharfen Schiri-Kritik aus.

"Für mich ist es ein Foul"

Der Ärger stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, Kickers-Coach Michael Schiele, als er nach Spielende auf Schiedsrichter Lennart Kernchen zuging, diesen zur Rede stellte und sogar von Betreuern der Würzburger weggezogen werden musste. Was war passiert? Es lief die 84. Minute, als Bonga einen weiten Ball erlaufen wollte. Auch Verls Keeper Schlieck kam dazu und eilte weit aus seinem Kasten heraus. Es kam zu einem Luftzweikampf um den Ball, den Schlieck dabei allerdings nicht traf. Stattdessen prallte er mit Bonga, der den Ball in Richtung Tor köpfte, zusammen. Beide gingen zu Boden, Schlieck war leicht benommen und konnte nicht mehr weitermachen.

Als Foulspiel wertete Kernchen die Szene allerdings nicht, was Schiele überhaupt nicht nachvollziehen konnte. "Tarsis (Bonga; d. Red.) köpft den Ball ganz klar Richtung Tor und kann auch noch weiterlaufen, wenn er nicht umgeräumt wird. Dann ist es das 2:2", schimpfte der 48-Jährige am "MagentaSport"-Mikrofon. "Der Torwart hat gar keine Chance auf den Ball. Er springt ganz klar in Tarsis rein. Für mich ist es ein Foul. Er war letzter Mann." Dementsprechend hätte es die rote Karte geben müssen, wenn Kernchen die Szene gepfiffen hätte. Das sah auch Bonga so, wie er gegenüber der "Main Post" sagte: "Ich denke, ich war klar zuerst am Ball. Für mich ist das eine Rote Karte."

Ärger auch wegen Auswechslungen

Verls Coach Orest Shala hatte indes eine komplett andere Sicht auf die Szene: "Er (Bonga; d. Red.) rennt in ihn (Schlieck; d. Red.) rein, was soll er machen? Bonga ist viel größer und wiegt entsprechend auch etwas. Dann ist ja ganz klar, wo das erste Trefferbild ist. Für mich ist es ein klares Foulspiel von Bonga. Alles richtig entschieden." Dass Schlieck nach dem Zweikampf benommen am Boden lag, "spreche für sich", meinte Shala. Wie es dem Keeper geht, dazu hatte der 34-Jährige kurz nach Spielende noch keine Informationen. Schiele hofft indes, "dass ihm nichts passiert ist und dass er normal aus dem Stadion laufen kann".

Seine Kritik am Schiedsrichter entlud sich unterdessen nicht nur an der Szene aus der 84. Minute, sondern auch an den Auswechselungen. Hier sah der Kickers-Coach sein Team gar "ein bisschen betrogen". Konkret ging es um die 72. Minute. "Wir haben gesagt, dass wir jetzt nicht wechseln wollen, weil ein Spieler von uns auf dem Boden lag. Dennoch hat der Vierte Offizielle die Tafel hochgehoben und den Wechsel angezeigt." Entsprechend blieb den Kickers keine andere Wahl, als den Wechsel unfreiwillig – zumindest zu diesem Zeitpunkt – durchzuführen. "Das verstehe ich nicht. Aber er hat auch gesagt, dass er heute das erste Mal an der Linie war. Also von dem her muss er dazulernen", meinte Schiele in Richtung des Vierten Offiziellen.

Zu wenig Torgefahr

Was das Spiel seiner Mannschaft anging, monierte Schiele, "dass wir ab der 15. oder 20. Minute hinterhergelaufen sind". Anschließend fielen auch die beiden Treffer der Verler (27. / 44.), ehe Bonga kurz nach Wiederanpfiff zum Anschluss traf (47.). Dass es anschließend nicht mehr zum Ausgleich reichte, machte Schiele aber nicht nur an der nicht gepfiffenen Notbremse von Schlieck fest. "Wir müssen klarer und gezielter nach vorne spielen, um dann auch Torchancen zu kreieren." Diese erarbeiteten sich die Kickers in der Tat kaum, wenngleich der Trainer auch festhielt, dass sich der Sportclub ebenfalls nicht "Chance um Chance" erspielt hätte. "Die haben zwei Chancen und machen zwei Tore." Und sonderlich gut verteidigt waren diese nicht.

Durch die vierte Niederlage in den letzten fünf Partien sind die Kickers in der Tabelle auf den 14. Platz abgerutscht. Am nächsten Dienstag steht noch das Landespokalspiel bei Viertligist TSV Aubstadt an, ehe es in die längere Länderspielpause geht. "Dann werden wir auch mal ein paar Tage zum Abschalten haben. Die braucht auch jeder." Erst am 10. Oktober geht es dann gegen Hansa Rostock weiter. Bis dahin dürfte auch Schieles Ärger verraucht sein.

 

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button