"Ball war niemals hinter der Linie": Aue tobt nach Wembley-Tor

Sie geht ungebremst weiter, die Talfahrt des FC Erzgebirge Aue. Beim 1:2 in Mannheim kassierten die Veilchen die sechste Niederlage in Folge und sind dadurch auf den drittletzten Platz abgerutscht. Dabei ging der FCE zunächst sogar in Führung, kassierte aber einen späten Nackenschlag, der allerdings nicht hätte zählen dürfen. Die Wut bei den Sachsen war groß.

"Brauche mir den Scheiß nicht mehr anschauen"

Bislang hatte sich Trainer Christoph Dabrowski in seiner Amtszeit bei den Veilchen selbst nach Niederlagen stets ruhig und bedacht zu den Spielen geäußert. Nach der bitteren Niederlage in Mannheim änderte sich das nun: "Ich bin maximal frustriert, wenn ich mir das zweite Gegentor angucke. Das sehe ich aus 80 Metern, dass der Ball niemals hinter der Linie", schimpfte der 47-Jährige bei "MagentaSport". Was war passiert? Nach einem Schuss von Boyd prallte der Ball erst an die Unterkante der Latte und dann zum Teil, aber eher nicht komplett hinter die Linie – wie auch die TV-Bilder zeigen -, ehe er erneut gegen die Latte sprang. Dennoch gab Schiedsrichter Timon Schulz den Treffer nach kurzem Zögern. "Ich halte mich sonst bei Kommentaren gegen den Schiedsrichter immer zurück, aber hier bin ich fassungslos und habe kein Verständnis dafür", war Dabrowski außer sich.

Die Wiederholung der Szene wollte er sich gar nicht mehr anschauen: "Lassen Sie das, ich brauche mir den Scheiß nicht mehr anschauen. Der Schiedsrichter soll sich das selber angucken und sich mal bewusst machen, um was es geht." Einen Austausch mit dem Unparteiischen zu der Szene habe es dem Aue-Coach zufolge nicht gegeben, jedoch habe er ihn nach seinem Alter gefragt und ob er berechtigt sei, schon ein Drittliga-Spiel zu pfeifen. "Darauf habe ich keine Antwort bekommen. Aber ich muss jetzt aufpassen, dass es nicht respektlos wird. Lassen Sie mich mal raus aus meinen Emotionen und dann ist gut."

Aufregung auch um vermeintliches Abseitstor

Auch Marvin Stefaniak war mächtig angefressen, als er zum Interview kam und fand es "unfassbar, solche Entscheidungen zu treffen. Dann musst du in dieser Liga mal entscheiden, den VAR einzuschalten. Sollen sie (der DFB; d. Red.) ein Schreiben schicken, aber das geht für mich 0,0. Gerade in der Situation, in der wir uns befinden. Das steht sinnbildlich dafür." Der 31-Jährige redete sich regelrecht in Rage: "Ich könnte eine Brandrede halten, aber muss mich im Zaum halten." Daher hielt er lediglich allgemein fest, dass es "unfassbar" sei, von wie viel Pech die Veilchen in den letzten Wochen verfolgt wurde. "Wir bekommen Traumtore und Kacktore, da könnte mir echt der Kragen platzen. Mir fehlen die Worte."

Und während Mannheim per Traumtor zum Ausgleich kam (50.), nachdem Stefaniak zuvor für die Führung gesorgt hatte (44.), wurde bei den Veilchen der Treffer zum 2:1 wegen einer vermeintlichen Abseitsposition zurückgepfiffen (64.). Stefaniak war außer sich: "Bei allem Respekt, aber guck mal, wo der Fuß steht. Da kriege ich so einen Kotzkragen. Das ist unfassbar. Du kannst nicht das eine Tor geben und das hier abpfeifen, obwohl du es nicht mal siehst." Vollständig aufzulösen war die Situation anhand der TV-Bilder nicht.

Dabrowski spricht "Riesenkompliment" aus

Bitter war die Niederlage aber nicht nur aufgrund der umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass angesichts der Chancen in der ersten Halbzeit deutlich mehr drin war. Dann wäre das Last-Minute-Gegentor womöglich nicht so schwer ins Gewicht gefallen. "Wir hätten zu 100 Prozent als Sieger vom Platz gehen können. Das verfolgt uns die letzten Wochen und macht mich fassungslos. Es ist traurig für die Jungs und für die Fans, die immer noch mitkommen", zeigte sich Stefaniak resigniert und konnte sich auch über seinen Treffer nicht freuen: "Das ist mir scheißegal, ich will gewinnen." In der Rückrunde gelang das in bislang elf Spielen nicht, stattdessen musste Aue bereits neun Niederlagen einstecken und ist dadurch auf den drittletzten Platz abgerutscht – bei weiterhin neun Punkten Rückstand auf das rettende Ufer.

Diesen in den verbleibenden acht Partien noch aufzuholen, käme einem Wunder gleich. Dennoch werden die Veilchen "natürlich" nicht aufgeben, wie Stefaniak versicherte. Auch, wenn es derzeit "einfach im Herzen" weh tue. Dabrowski blieb ebenfalls kämpferisch: "Sie haben doch gesehen, dass es keine tote Mannschaft ist. Wir haben richtig guten Fußball gespielt, besser kann man ein Auswärtsspiel nicht bestreiten. Daher ein Riesenkompliment an die Jungs." Das Manko sei jedoch gewesen, "dass wir nur ein Tor geschossen haben und dass das erste Gegentor zu früh gefallen ist", hielt Dabrowski fest. "Und das ist extrem bitter für die Jungs. Aber es geht weiter." In der Länderspielpause steht nun zunächst das Landespokal-Viertelfinale beim SSV Fortschritt Lichtenstein an, ehe die Veilchen auf Hoffenheim II treffen. Ob das Spielglück dann mal wieder aufseiten der Auer ist?

   

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