Arslan: "Davon geträumt, vor solchen Kulissen zu spielen"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Ahmet Arslan von Dynamo Dresden über den Start mit fünf Treffern, den Reiz an der SGD, das bevorstehende Duell beim MSV Duisburg und die Erinnerungen an sein bislang einziges Bundesliga-Spiel. 

"Dynamo gehört nicht in die 3. Liga"

Nach einer zwischenzeitlich kurzen Durststrecke mit zwei Niederlagen am Stück scheint sich die SG Dynamo mit zuletzt zwei Siegen in Folge wieder gefangen zu haben. Nimmt Dynamo jetzt richtig Fahrt auf, Herr Arslan?

Ahmet Arslan: Das hoffe ich doch. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen (lacht). Die Leistungskurve zeigt bei uns definitiv nach oben. Das erkennt man vor allem daran, dass wir in den beiden zurückliegenden Spielen kein Gegentor kassiert haben.

Auffällig ist: Wenn Dresden gewinnt, dann zu null. Bei den bisher drei Niederlagen gab es dagegen schon neun Gegentore. Wie erklären Sie sich die zwei Gesichter?

Es ist im Fußball nicht immer einfach, Erklärungen für solche Unterschiede zu finden. Wir müssen es in den nächsten Spielen noch mehr schaffen, sowohl in der Verteidigung als auch in der Offensive ein gutes Spiel abzuliefern. Bisher war es so, dass wenn wir uns auf den Angriff konzentriert haben, wir zeitgleich ein wenig die Defensive vernachlässigt haben. Daran haben wir in den letzten Tagen und Wochen in den Trainingseinheiten gearbeitet. Aber eins muss man beachten: Wir sind ein neu zusammengestelltes Team. Einige Abläufe brauchen ihre Zeit bis sie greifen.

Einen großen Anteil haben auch Sie in der laufenden Spielzeit. Mit fünf Toren führen Sie als Mittelfeldspieler derzeit die Torjägerliste an. Überrascht es Sie, dass es auf Anhieb so gut läuft?

Ich habe während meiner Laufbahn gelernt, dass ich mich nicht an irgendwelchen Marken messen lasse. Im Vordergrund steht dabei vor allem der mannschaftliche Erfolg. Ob ich drei, sieben oder 15 Tore erziele, spielt dabei keine Rolle. Befriedigung gibt mir am Ende des Tages, wenn wir die Partie für uns entschieden haben. Nichtsdestotrotz freut es mich, wenn ich der Mannschaft mit meinen Treffern helfen kann.

Sie sind wahrlich ein Allrounder, wurden im Laufe Ihrer Karriere nahezu auf jeder Position im Mittelfeld und der Offensive bereits eingesetzt. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Während meiner Zeit beim VfL Osnabrück habe ich einen großen Teil der Spiele auf der Sechserposition absolviert. Das Trainerteam um Markus Anfang hat aber richtigerweise erkannt, dass ich aufgrund meiner Torgefahr besser in die offensive Dreierreihe passe. Ob ich von links, rechts oder zentral komme, ist mir dann auch egal.

Erst im Sommer wurden Sie vom Zweitligisten Holstein Kiel für eine Spielzeit ausgeliehen. Scheinbar hatten Sie gar keine Probleme, sich in Dresden zurechtzufinden. Was sind die Gründe für den guten Start?

Zu Beginn war es etwas schwierig, weil der Transfer vom einen Tag auf den anderen über die Bühne ging. Ich habe in Kiel eine funktionierende Mannschaft verlassen und musste mich plötzlich bei einem anderen Klub neu einleben. Dennoch hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich der Neue bin. Von der Mannschaft wurde ich hervorragend aufgenommen. Mir wurde vom ersten Tage eine große Wertschätzung entgegengebracht. Deutlich wurde dies auch, als ich in den Mannschaftsrat berufen wurde. Im Profifußball hängt sehr viel vom eigenen Selbstvertrauen ab. Die SGD hat mein Selbstvertrauen von Beginn gestärkt.

Schon in der Vergangenheit waren Sie kurz vor einem Engagement in Dresden. Warum ist es nicht schon früher zur Unterschrift gekommen?

Den ersten Versuch gab es damals während meiner Zeit beim Hamburger SV. Allerdings wollte mich der HSV nicht abgeben. Auch der zweite Anlauf in Kiel hat aus verschiedenen Gründen nicht ganz geklappt. Wie sagt man aber so schön: Aller guten Dinge sind drei (lacht). Aber im Ernst: Wer in Deutschland Fußballprofi wird, der weiß, was einen in Dresden erwartet. Es gibt deutschlandweit nicht viele Vereine, die so eine Strahlkraft haben. Für die eigenen Anhänger ist kein Weg zu weit. Sie schaffen es, auch Auswärtsfahrten zu Heimspielen zu machen. Das ist einfach nur beeindruckend. Als Kind habe ich immer davon geträumt, vor solchen Kulissen zu spielen.

 

"Wird wichtig sein, dass wir hinten wieder die Null halten"

Was haben Sie sich mit der SGD in dieser Spielzeit vorgenommen?

Da ich in den vergangenen Spielzeiten wegen einer schwierigen Verletzung einiges durchgemacht habe, ist es mein größter Wunsch, gesund zu bleiben. Sportlich geht es mit Dynamo darum, möglichst erfolgreich zu sein. Mit seinen Fans im Hintergrund und den gesamten Strukturen rund um den Verein gehört Dresden nicht in die 3. Liga. Ich will auf dem Platz meinen Teil dazu beitragen, dass wir gemeinsam das Maximale herausholen.

Am Sonntag (ab 13 Uhr) kann die SGD im Gastspiel beim MSV Duisburg den dritten Dreier in Folge einfahren. Worauf kommt es bei den Zebras an?

Es wird vor allem wichtig sein, dass wir hinten wieder die Null halten. Dann hätten wir zumindest einen Punkt sicher. Wir gehen aber mit dem ganz klaren Ziel in die Partie, den nächsten Sieg nachzulegen. Wir feilen in den Trainingseinheiten bereits daran, die Verteidigung und die Offensive in Einklang zu bringen. Zusätzlich gibt uns das Trainerteam immer einen Matchplan mit auf den Weg, mit dem es schwierig ist, uns zu besiegen.

In Ihrer Vita steht für den Hamburger SV auch ein Kurzeinsatz in der Bundesliga. Das ausgerechnet im Nord-Derby beim SV Werder Bremen (3:1) in der Saison 2015/2016. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Auch wenn es schon einige Jahre her ist, sind die Erinnerungen an meinen bislang einzigen Bundesliga-Einsatz noch sehr präsent. Angefangen davon, dass ich vor Nervosität fast den Linienrichter umgerannt hätte, als mein Trikot mit meinem Namen in die Luft gehoben wurde, um mir zu signalisieren, dass ich eingewechselt werde. Dass wir das Spiel dann gewonnen haben, macht die Erinnerung umso schöner.

Inwieweit helfen Ihnen nun diese Erfahrungen aus den beiden höchsten Spielklassen in der 3. Liga weiter?

In gewissen Situationen helfen diese Erfahrungen, um so vielleicht die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf dem Platz muss ich aber dennoch immer wieder an meine Leistungsgrenze gehen. Auch wenn ich bereits einige Spiele in der 2. Bundesliga absolviert habe, kann ich mir davon in der 3. Liga jetzt nichts kaufen. Das sind grundlegend andere Spiele, in denen ich jedes Mal wieder aufs Neue Gas geben muss.

 

   
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