Molinari: "Spricht für uns, wie wir mit Rückständen umgehen"

Luca Molinari ist seit dem 27. Oktober 2026 in ganz Deutschland bekannt. Der Abwehrspieler von Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach erzielte im DFB-Pokalspiel gegen den Bundesligisten FC Augsburg (2:4) einen wunderschönen Treffer per Direktabnahme. Im Interview mit liga3-online.de spricht er über Gänsehaut-Momente und Gefühls-Achterbahnfahrten mit Großaspach und einen Vater als 2. Trainer zu haben.

"Nach dem Augsburg-Spiel sah ich das Glänzen in den Augen"

liga3-online.de: Herr Molinari, wie geht es Ihnen nach diesem wilden Spiel gegen den FC Augsburg?

Luca Molinari: Klar, es ist immer schön, wenn du selbst mit einem Tor und einer Vorlage glänzen kann, trotzdem steht immer die Mannschaft im Vordergrund. Wir können viel Positives mitnehmen: Gegen einen starken Bundesligisten haben wir alles gegeben, lange super mitgehalten, unser Herz auf dem Platz gelassen und können extrem stolz sein.

Was für ein Spielverlauf: 0:2, 2:2, 2:4, zwei Tor-Beteiligungen von Ihnen. Raus mit Applaus zwar, doch am Ende haben sie mit Großaspach trotzdem vereinsintern DFB-Pokalgeschichte geschrieben. Wussten Sie das?

Nein, ich habe tatsächlich erst vorm Spiel kurz erfahren, dass Aspach vorher noch nie in der zweiten Runde war, da ich mich im Vorfeld gar nicht groß mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe, sondern den Moment einfach genießen wollte. Nach dem Spiel haben wir schon gesehen, dass bei den Zuschauern die Augen geglänzt haben und dass viele länger im Stadion geblieben sind. Wir haben für das Dorf und auch für den Verein schon etwas Großes erreicht.

Ganz ehrlich, wir haben über Ihre Leistungssteigerung mit der Mannschaft gestaunt! Immerhin gingen Sie ja mit der Erfahrung einer 1:7-Niederlage beim SV Wehen Wiesbaden in dieses Spiel. Wie kam es zu dieser leistungsmäßigen Achterbahnfahrt, war es der Bundesliga-Gegner, der für das Mehr an Motivation gesorgt hat?

Ich glaube, es ist so: Es kommt ein Bundesligist zu uns nach Hause. Das ist ein Riesen-Spiel für uns, und du kennst das Gefühl schon aus der ersten Runde gegen Bielefeld, als wir im Elfmeterschießen gewonnen haben. Das war auch ein Highlight. So war es jetzt wieder: Volles Stadion, die Leute kommen extra wegen uns – das ist ein extremer Ansporn, das motiviert einem noch mal zusätzlich.

 

"Wir kriegen die Gegentore einfach zu leicht"

Blicken wir auf die 3. Liga: Ist die fehlende Konstanz noch die größte Schwäche der SG Sonnenhof Großaspach in der Liga?

Wir wissen genau, wo wir herkommen und können das richtig einordnen. Der Großteil unserer Mannschaft hat vor zwei Jahren noch in der Oberliga gespielt. Dass wir da nicht auf Anhieb konstant in dieser starken Liga sind ist völlig normal. Vielmehr spricht es für uns und unseren Charakter, wie wir dann schon mehrfach mit Rückständen umgegangen sind. Fakt ist aber auch, das wir die Gegentore einfach zu leicht bekommen, wir müssen von der ersten Minute an da sein, von der ersten Minute an unser Tor verteidigen. Nur so kann man in dieser 3. Liga überleben, nur so können wir unser Ziel, in dieser Liga zu bleiben, auch erreichen. Da spielt Konstanz dann schon eine große Rolle.

Der Monat November hat es für Großaspach in sich: Zwei von vier Gegnern, MSV Duisburg und Rot-Weiß Essen, stehen unter den Top 4 der Tabelle, dazu mit Fortuna Düsseldorf und F.C. Hansa Rostock weitere, namhafte Kontrahenten. Können Sie für unsere Leser einen Ausblick auf diese vier richtungweisenden Wochen geben?

(lacht) Also da kriegt man allein bei den Namen schon komplette Gänsehaut!

Ja, alles Ex-Bundesligisten…

Wenn man in Düsseldorf spielt, in Rostock, wenn Rot-Weiss Essen zu uns kommt, das sind große, ja riesige Traditionsvereine. Aber wir gehen nicht nach Rostock, um zu sagen: 'Wow, tolles Stadion, tolle Fans.' Wir fahren da hin, um zu zeigen, dass wir es in dieser Liga mit jedem Gegner aufnehmen wollen und können. Es sind große Namen, aber es sind Drittliga-Spiele, und wir wollen jedes dieser Spiele mit der Einstellung angehen, dass wir es gewinnen wollen.

 

"Unsere Fans reißen zu Hause richtig was ab"

Was in der Arena in Großaspach möglich ist, haben wir gegen Bielefeld und gegen Augsburg gesehen. Wird die Heimstärke, immerhin haben Sie alle vier Saisonsiege zu Hause geholt, beim Kampf um den Liga-Verbleib entscheidend sein?

Das denke ich auf jeden Fall. Wie Sie richtig sagen: Wir sind brutal heimstark, haben alle vier Heimspiele gewonnen, sogar gegen Bielefeld im Pokal. Und dann unsere Fans: Was die für uns abreißen, das ist etwas ganz Spezielles für uns. Auch, wenn das Stadion nicht immer ausverkauft ist, so sind wir einmal mehr glücklich über jeden Einzelnen, der uns auf dieser besonderen Reise unterstützt. Aber die Heimspiele zu gewinnen, das wird auch ein ausschlaggebender Punkt sein, um die Liga zu halten.

Sie kommen aus einer echten Fußballer-Familie, Ihr Bruder Nico Molinari spielt bei den Stuttgarter Kickers, Ihr Vater Beniamino ist Trainer beim Ex-Drittligisten VfR Aalen, er hat mit Frank Kramer, Alexander Zorniger und Thomas Reis gearbeitet. Wie sehr bestimmt der Fußball zu Hause die Tischgespräche?

Also bei uns dreht sich von morgens bis abends alles nur um Fußball. Ich habe mit Nico zu Hause in Schwäbisch Gmünd zusammengespielt. Die Familie steht komplett hinter uns, wir haben sie immer dabei. Wir sind wirklich eine komplett fußballverrückte Familie, wir sprechen ständig über die Spiele an den Wochenenden, gehen gern anschließend mit Papa dann noch mal in die Analyse.

Was war der wichtigste Rat Ihres Vaters auf dem Weg zum Fußballprofi?

Mein Vater gibt mir bzw. uns immer den gleichen Tipp: Wir sollen an uns glauben. Und egal, was passiert, es kommt, wie es kommt. Er steht komplett hinter uns, er schaut unsere Spiele im Nachgang noch einmal an, gibt uns viele Tipps. Also ich muss sagen: Es ist sehr hilfreich, wenn man einen Papa hat, der auch Trainer ist.

   

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