Kompassmodell: DFB beschloss Antrag wohl nicht einstimmig

Der Beschluss des DFB-Präsidiums, das Kompassmodell beim DFB-Bundestags am 18. Dezember zur Abstimmung zu stellen, fiel offenbar nicht einstimmig. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) sollen sich sechs der 17 Mitglieder enthalten haben, allesamt Vertreter des Amateurlagers. 

Resolution gegen Alternativmodell blieb liegen

Dass der Antrag trotz der Enthaltungen beschlossen wurde, lag laut der "SZ" an den Vertretern des Profifußballs, die geschlossen zustimmten. Für Präsident Bernd Neuendorf, der das Kompassmodell vorantreibt, ist das ein Dämpfer. Im Präsidium sind solche Mehrheitsverhältnisse selten, in der Regel stimmen alle Mitglieder gleich ab. Der DFB äußerte sich nicht zu den Details. Ein Sprecher teilte auf Anfrage der Zeitung mit, der Verband mache vertrauliche Beratungen des Präsidiums nicht öffentlich und kommentiere sie nicht. Das gelte ausdrücklich auch für das Abstimmungsverhalten einzelner Mitglieder.

Ein weiterer Vorstoß kam der "SZ" zufolge nicht voran. In der Sitzung soll angeregt worden sei, per Resolution festzuhalten, dass der Bundestag allein über das Kompassmodell entscheidet. Andere Reformanträge, vor allem das 22/5-Modell des Bayrischen Fußball-Verbandes, sollten so ausgeschlossen werden. Dieses Modell belässt es bei fünf Regionalliga-Staffeln und stockt stattdessen die 3. Liga auf 22 Teams auf, mit fünf Absteigern. Neuendorf und die DFB-Spitze lehnen das ab, weil sie die 3. Liga unverändert lassen wollen. Die Resolution wurde nach den Diskussionsbeiträgen offenbar gar nicht erst zur Abstimmung gestellt. Laut "SZ" sollen sich auch Vertreter der Ligen gegen sie ausgesprochen haben.

Zwei Modelle, unterschiedliche Hürden

Voraussichtlich stehen am 18. Dezember daher zwei Konzepte zur Wahl. Beim 22/5-Modell ist dabei noch nicht geklärt, welche Mehrheit nötig wäre. Es würde keine Satzung, sondern eine Ordnung ändern, wofür grundsätzlich eine einfache Mehrheit ausreicht. Nach den Statuten gilt jedoch eine Zwei-Drittel-Hürde, wenn die Änderung die Interessen der Bundesliga berührt, also der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Liga. Ob das bei einer Aufstockung der 3. Liga zutrifft, müssten möglicherweise noch DFB-interne Rechtsorgane klären. Für das Kompassmodell steht die Hürde fest: Weil die Satzung geändert werden muss, sind unter den 257 Delegierten zwei Drittel der Stimmen nötig. Es wird deshalb mit einem knappen Ausgang gerechnet. Neuendorf dürfte dabei wieder auf die Profis angewiesen sein, die mit Klubs und gewählten Funktionären 90 Stimmen stellen und möglichst geschlossen votieren müssten.

Am stärksten ist die Ablehnung im Süden und Südwesten. Die Amateurvertreter beider Regionalverbände kommen zusammen auf knapp ein Drittel der Stimmen. Auch in Nord, Nordost und West gibt es vereinzelt Skepsis. Kritisiert wird vor allem, dass die Staffeln nicht mehr entlang der Verbandsgrenzen gebildet, sondern nach den kürzesten Reisewegen neu zusammengestellt werden. Dadurch könnten manche Regionen dauerhaft stark, andere kaum noch vertreten sein. Die Regionalverbände würden außerdem die Hoheit über ihre Ligen verlieren, weil der DFB die Organisation übernimmt. Eine klare Regel zum Schutz von Derbys fehlt bislang.

Kleines Entgegenkommen an den Südwesten

Auch bei der Zusammensetzung der neuen Liga zeigt sich, wie sehr der DFB um Unterstützung wirbt. Nach der Qualifikationssaison 2027/28 sollen neben den vier Drittliga-Absteigern 14 Teams aus Bayern und Nordost, 15 aus dem Norden, 16 aus dem Westen und 17 aus dem Südwesten starten – und damit alle Teams bis auf den Meister, der in die 3. Liga aufsteigt. Offiziell richtet sich der Schlüssel nach der Zahl der Vereine und Mannschaften in den Regionen. Die "SZ" wertet ihn zugleich als Geste gegenüber dem kritischen Südwesten. Im Osten dürfte er dagegen für Unmut sorgen, weil dort mehr Plätze wegfallen.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button